Mein
 

Kreuzlingen Das Geheimnis um die Unterwasser-Hügel vom Bodensee

Thurgauer Archäologen präsentieren neue Erkenntnisse zu den Hügeln unter Wasser am Südufer des Sees. Aber das Rätsel um die mysteriösen Steinhaufen ist noch nicht gelöst.

Nach aufwändiger Neuvermessung des Bodensees präsentierte das Institut für Seenforschung Langenargen im vergangenen Jahr viele neue Erkenntnisse und spektakuläre Bilder.

Insbesondere eine hochauflösende Aufnahme der 16 Kilometer langen Obersee-Linie zwischen Romanshorn und Bottighofen erregte seinerzeit die Aufmerksamkeit des Thurgauer Amts für Archäologie. Das Bild zeigt eine Hügelkette in der Flachwasserzone, etwa 300 Meter vom Ufer entfernt. Wie Perlen auf eine Schnur gezogen. Rasch war das Wort von Stonehenge am Bodensee geprägt. Seither sind die Schweizer Archäologen dem Phänomen auf der Spur.

Rätselhafter Steinhaufen: Die Vermessung durch Taucher hat gezeigt, dass die Baukörper relativ groß sind. Ein Hügel von 20 mal 15 Meter umfasst nach Angaben der Thurgauer Archäologen mehrere hundert Kubikmeter Steine.
Rätselhafter Steinhaufen: Die Vermessung durch Taucher hat gezeigt, dass die Baukörper relativ groß sind. Ein Hügel von 20 mal 15 Meter umfasst nach Angaben der Thurgauer Archäologen mehrere hundert Kubikmeter Steine.

Grundlegendes Rätsel noch ungelöst


Am Mittwoch stellte das Thurgauer Amt für Archäologie im Kreuzlinger Seemuseum Erkenntnisse seiner weiterführenden Untersuchungen vor, bei denen die Arbeit von Tauchern eine wichtige Rolle spielte. Einsatzkräfte der Tauchorganisation Global Underwater Explorers Switzerland sind in den vergangenen Monaten vor Uttwil am Obersee in die Tiefe gestiegen und haben Daten gesammelt.

Drei der Schweizer Hügeli wurden vermessen. Man wisse nun über viele Details Bescheid, aber das grundlegende Rätsel sei noch nicht gelöst, sagte Kantonsarchäologe Hansjörg Brem und verwies auf eine allgemeine Erkenntnis der Wissenschaft: „Die Forschung beantwortet alte Fragen und stellt immer wieder neue.“

Bei dem Rätsel geht es um die Frage, ob es sich bei den Erhebungen auf dem Seegrund um natürliche Strukturen handelt oder um von Menschen gemachte Bauwerke. Die Taucher identifizierten ein bis zwei Meter hohe, rundliche Steinschüttungen.

Außer bis zu 40 Zentimeter großen Steinen wurden nach Angaben des Kantonsarchäologen Brem auch kleine Holzfragmente geborgen, die allerdings noch nicht in einen sicheren Zusammenhang mit den Hügeln gesetzt werden konnten.

Wachsen die Steinhaufen aus dem vom Gletscher geprägten Untergrund auf oder ist das Geröll aufgeschüttet? Die Taucheinsätze konnten diese Frage nicht klären.

Wie die Perlen an der Schnur: Die Hügel unter Wasser im grün-gelben Farbfeld sind gut erkennbar. Oben ist der blaue Tiefwasserbereich dargestellt, unten das Ufer. Die Aufnahme entstand im Rahmen des Projekts Tiefenschärfe zur Vermessung des Bodensees im Auftrag der Internationalen Gewässerschutz-Kommission. Für das Bild wurden Daten eines Fächerecholots mit Daten aus der Messung mit einem Laserscanner kombiniert.
Wie die Perlen an der Schnur: Die Hügel unter Wasser im grün-gelben Farbfeld sind gut erkennbar. Oben ist der blaue Tiefwasserbereich dargestellt, unten das Ufer. Die Aufnahme entstand im Rahmen des Projekts Tiefenschärfe zur Vermessung des Bodensees im Auftrag der Internationalen Gewässerschutz-Kommission. Für das Bild wurden Daten eines Fächerecholots mit Daten aus der Messung mit einem Laserscanner kombiniert. | Bild: IGKB-Projekt Tiefenschärfe / Nils Brückner, Universität Bremen

Brem berichtete von weiteren Rechercheansätzen. Sollte es sich bei den Erhebungen um Geröll aus gezielten Verklappungen gehandelt haben, dann sei ein solches Vorgehen aus technischen Gründen erst in neuester Zeit möglich gewesen. Das könne man ausschließen und somit müsse die Entstehung der Hügel weiter als 100 bis 150 Jahre zurückliegen.

Ein anderer Erklärungsansatz geht davon aus, dass es sich nicht um Hügel, sondern um Schüttungen in Holzfassungen handle, wie es sie in Häfen gab. Möglicherweise habe es sich um einen künstlichen Treidelpfad entlang des südlichen Bodenseeufers gehandelt. Doch auch dafür gibt es keine Belege.

Brem will mit seinem Team weiter forschen und ist für Anregungen dankbar. Martin Wessels, Leiter des Vermessungsprojekts am Institut für Seenforschung, sagt: „Nach meiner Einschätzung sind die Hügel menschengemacht – merkwürdig nur, dass es so gar keine schriftlichen Quellen dazu gibt.“

Regionale Produkte von Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein auf SÜDKURIER Inspirationen. Gleich Newsletter abonnieren und sparen!
Erlesene Bodenseeweine jetzt bei SÜDKURIER Inspirationen!
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Litzelstetten
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren