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Konstanz Damit die Stadt aus dem Stau fährt

Siebenmalsieben zur Kommunalwahl (1): Verkehr. Kein lokales Thema bewegt die Bürger stärker. Seit 2009 hat sich in dem Bereich allerdings nicht viel getan.

An diesen Zahlen kommt niemand vorbei: 2008 erklären noch 43 Prozent der Befragten, die Aussagen „Konstanz ist eine verkehrsreiche Stadt“ treffe voll und ganz zu. Fünf Jahre später sind es schon 66 Prozent. So steht es in der – im wesentlichen repräsentativen – Bürgerbefragung, mit der Stadt und Universität den Bürgern seit einigen Jahren auf den Zahn fühlen. Und es gibt noch eine andere Zahl, und die beweist, dass sich die Konstanzer nicht irgendetwas einbilden oder dass sie einfach sensibler geworden sind in Sachen Verkehr: Um 50 Prozent hat der Autoverkehr in der Innenstadt seit 2008 zugenommen. Und das sagen keine grünen PKW-Hasser, sondern der CDU-Oberbürgermeister Uli Burchardt.

In der Tat waren die Verkehrsdebatten der vergangenen Jahre vor allem Diskussionen über das Autofahren. Über den Altstadtring und die Straßenachse durch Fürstenberg wurde zwar viel gesprochen, verändert hat sich seit 2009 aber nicht viel. Die Wollmatinger mussten feststellen, dass ihnen die Westtangente nicht ansatzweise die versprochene Entlastung brachte. Von irgendwelchen Ansätzen, den Verkehr mit mehr oder weniger sanftem Druck zu verlagern war aus dem Baudezernat und unter dem früheren Bürgermeister Kurt Werner ebenfalls nichts zu bemerken. Und auch bei der Frage, wo die ganzen Autos nun parken sollen, hat sich wenig getan: Trotz des großzügigen neuen Park-and-Ride-Platzes an der Schänzlebrücke kollabierte die Altstadt erst am Karsamstag wieder unter der Blechlawine. Die Frage, wie viele Parkplätze es in der künftigen Döbele-Tiefgarage geben darf, erinnert an die ideologisch geprägte Auseinandersetzung um die Erweiterung des Lago-Parkhauses.

Wenn also das Straßennetz und der Parkraum längst an ihre Kapazitätsgrenzen kommen, läge es nahe, den öffentlichen Verkehr mit Bus und Bahn voranzubringen. Was ist geschehen in den vergangenen fünf Jahren? Der Auto-Stau in der Innenstadt ist zum Problem für fast alle Busfahrgäste geworden. Da kann es schon mal sein, dass ein Busfahrer seinen Passagieren empfiehlt, am Bürgerbüro auszusteigen und quer durch die Altstadt zu Fuß zum Bahnhof zu gehen – weil er kaum abschätzen kann, ob er für den einen Kilometer Fahrstrecke 15, 20 oder 25 Minuten braucht.
 

Das sagen die Kandidaten zum Thema Verkehr
  • Gisela Kusche, Freie Grüne Liste: Umweltfreundliche und klimagerechte Mobilität statt Stau – so kann man den Leitgedanken Grüner Verkehrspolitik zusammenfassen. Konkret heißt das: Vorrang für den öffentlichen Nahverkehr, Fahrräder und Fußgänger. Dafür müssen bestehende Busverbindungen optimiert werden – zum Beispiel durch erhöhten Takt an den Wochenenden, vermehrte Busspuren und einen Kurzstreckentarif. Zur Ergänzung des bestehenden Systems setzen wir uns für solarbetriebene Shuttleboote ein. Autos gehören für uns auf Park-and-Ride-Plätze, nicht in neue Parkhäuser in der Innenstadt. Insgesamt sehen wir die Verkehrslösung für die Altstadt im C-Konzept, das den Bahnhofsplatz von Autoverkehr frei hält. Für Neubauplanungen in der Innenstadt wollen wir autoreduzierte Wohnkonzepte, zum Beispiel am Döbele. Um verschiedene Verkehrssysteme effektiv nutzen zu können brauchen wir eine bessere Vernetzung – dazu muss der Sternenplatz endlich zum zentralen Umsteigepunkt umgestaltet werden, und am Bahnhof möchten wir eine Fahrradstation einrichten, die Leih- und Reparaturservice mit einem Fahrrad-Infopunkt kombiniert. Zum Glück fahren viele bei uns mit dem Rad, aber es fehlen Abstellmöglichkeiten, eine Verlängerung der Fahrradachse über die Radbrücke hinaus bis zur Uni, eine zeitgemäße Radwegweisung und angemessene Radwege über die beiden Auto-Rheinbrücken.
  • Bild: Thomas Gröpper
    Heinrich Fuchs, CDU: Bessere Fußgängeranbindung von der Stadt über den Bahnhofplatz zum Bahnhof und See: Der Bahnhofplatz wird täglich von circa 800 Bussen angefahren die eine Frequenz von 15.000 bis 20.000 Fahrgästen haben. Tausende Fußgänger kommen täglich von der Innenstadt, vom Bahnhof und Lago. Wir wollen den Bahnhofplatz weiter vom Autoverkehr entlasten mit der optimierten Bestandssituation, oder wenn möglich der C-Lösung. Vermeidung von Innenstadtstaus: Parkkapazität am Döbele erhöhen. Wer in der dort geplanten Tiefgarage parkt, fährt erst gar nicht in die Innenstadt. Wenn die Parkkapazität der Innenstadt ausgeschöpft ist, muss sie für den Besucherverkehr gesperrt werden. Die Autos werden dann auf die Park-and-Ride-Plätze geleitet, von dort mit Bus oder evtl. Schiff in die Stadt. Parksuchverkehr und lange Staus nützen niemandem, weder Gästen, Handel noch Bewohnern von Konstanz. Weitere Stärkung und staufreies Durchkommen der städtischen Buslinien: Unser sehr gutes Bussystem muss gestärkt werden. Die Busse müssen jederzeit stau frei durchkommen. Zuverlässige Fahrpläne bringen mehr Einheimische und Gäste auf die Buslinien, was den Innenstadtverkehr entlastet. Verbesserung der gesamten Infrastruktur für Radfahrverkehr und Fußgänger: Ausbau vor allem von Radwegen und Radvorzugsachsen sowie zielnahen Abstellanlagen
  • Jürgen Ruff
    Jürgen Ruff | Bild: Patrick Pfeiffer
    Jürgen Ruff, SPD: Mobilität schafft Freiheit. Doch die Belastungen durch den Verkehr nehmen in Konstanz ständig zu und verringern unsere Lebensqualität. Wir Sozialdemokraten dringen deshalb auf freie Fahrt für Busse in der Altstadt durch eine Busspur oder Einbahnregelung in der Bodanstraße, auf attraktivere Park-and-Ride-Plätze und auf Vorrang für Anwohnerparken in den linksrheinischen Wohnquartieren. Den öffentlichen Nahverkehr wollen wir weiter stärken: Der Bahnhof muss mit allen Verkehrsmitteln erreichbar bleiben. Mehr und bessere Umsteigemöglichkeiten auch zwischen Bahn und Bus erhöhen die Flexibilität. Neue Wohnquartiere müssen gut angeschlossen werden. Überlastete Buslinien wie die „4“ nach Litzelstetten brauchen kürzere Takte. Jeder Weg zu Fuß oder mit dem Rad verbessert unsere Lebensqualität. Wir wollen schnelle Radachsen für Alltagsradler, eine gute Wegweisung für Radtouristen und eine weitgehende Trennung von Fuß- und Radverkehr. Gute und ausreichende Radabstellanlagen, eine Radstation am Bahnhof und ein Radleihsystem müssen die Infrastruktur ergänzen. Durch den Piloteinsatz von Elektrobussen und mehr Ladestationen für Elektrofahrzeuge übernehmen unsere Stadtwerke eine Vorreiterrolle. Die Mobilitätszentrale integriert alle Mobilitätsangebote einschließlich Car-Sharing und wirbt für ihre Nutzung.
  • Anselm Venedey, Freie Wähler: Die Zukunft: Elektrobusse, Hybridfahrzeuge, Elektromobile bringen Menschen in die Stadt. Autos sind nur noch drei Meter lang – mehr Autos passen auf gegebene Parkflächen. Fußgänger und Radler haben Vorfahrt auf Nebenstraßen bei Tempo 30. Eilige fahren auf den Hauptstraßen Tempo 50. Die Elektroseilbahn verbindet Uni, Park-and-Ride-Platz und Altstadt bei niedrigstem Energieaufwand in nur 15 Minuten. Am Bahnhofboulevard fahren nur noch Elektrobus und Elektrotaxi. Hauptbahnhof mit Parkplätzen ist der Bahnhof Wollmatingen. Reisende steigen hier ein, aus und um – auch zum neuen Knoten Sternenplatz. Private Fähren verbinden links- und rechtsrheinische Gebiete. Fuß- und Radwegnetz sind modern ausgebaut und klug beschildert. Bis dahin? Verkehrslenkende Maßnahmen, die Wohnqualität und Verkehrssicherheit garantieren. Notfalls wird gesperrt und nicht nur gedroht! Einzelhändler versuchen durch konzertierte Aktionen zum aller Nutzen die Kunden auch auf den Wochenanfang zu locken. Der Park-and-Ride-Platz an der neuen Rheinbrücke wird sofort hochwertig ausgebaut. Der Altstadtring wird gleich mit Busspuren versehen. Ein „Runder Tisch Verkehr“ mit Vertretern aus Bürgerschaft, Handel, Verwaltung und Politik bildet sich sofort, um Verständnis für scheinbar widerstrebende Interessen in kreatives Handeln für Konstanz umzuwandeln.
  • Michael Fendrich, FDP: Wir haben riesigen Nachholbedarf bei der Sanierung der Straßen und die neue Ortsdurchfahrt in Wollmatingen muss ebenfalls dringend verwirklicht werden. Zur Linderung der Verkehrsprobleme in der Innenstadt, brauchen wir eine gezielte Lenkung des Parksuchverkehrs auf den Park-and-Ride-Platz am Schänzle. Der Platz muss attraktiver werden durch Wartehäuschen, Toilette, Bus-Anbindung, Wassertaxi oder Seilbahn. Am Bahnhof halten wir die sogenannte „C-Lösung“, also eine Durchfahrtssperre auf Höhe McDonalds, für die sinnvollste Variante. Der Bahnhofsplatz würde dadurch vom Durchgangsverkehr entlastet, aber der Bahnhof selbst könnte trotzdem von beiden Seiten aus angefahren werden. Die Parkhäuser wären wie gewohnt erreichbar und Busse könnten weiterhin durchfahren. Die Begegnungszone würde endlich ihrem Namen gerecht werden und gefahrlos nutzbar sein. Zu diesem Konzept gehört auch die Schließung des Kreuzlinger Zolls. Dafür möchten wir aber, dass der Zoll in Klein Venedig wieder geöffnet wird. Dadurch würden die Bewohner sowohl auf der Schweizer Seite als auch in Stadelhofen entlastet und der Verkehr auf der Bodanstraße würde abnehmen. Wir wollen ganz entschieden, dass weiterhin möglichst viele Besucher zu uns kommen, dafür müssen wir aber auch für ausreichenden Parkraum zum Beispiel unter dem Döbele sorgen.
  • Holger Reile, Linke Liste: Die Stadt erstickt im Blech, und insbesondere auf der Bodanstraße geht oft – zum Leidwesen auch der Anwohner und Anwohnerinnen – gar nichts mehr. Auch in Wollmatingen leiden die Bewohner und Bewohnerinnen unter der täglichen Verkehrslawine. Darum muss der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) endlich Vorrang vor den Autos bekommen. Erste Schritte wären die Einrichtung von mehr Busspuren und der Ausbau einiger Linien. Um zusätzliche Anreize zu schaffen, muss Busfahren deutlich billiger werden. Mittelfristig streben wir den Nulltarif im ÖPNV an, um Autofahrern und Autofahrerinnen für die öffentlichen Verkehrsmittel zu gewinnen und sozial Schwächere zu entlasten. Unser Ziel ist es, die Innenstadt zu einem autofreien Lebensraum zu machen. Dazu braucht es ein grenzüberschreitendes Konzept, das den Verkehr von der Innenstadt auf die Park-and-Ride-Parkplätze lenkt. Die Konstanzer Geschäftsleute, die davon profitieren, sollen die Kosten für die Shuttlebusse in die Stadt übernehmen. Die Stadt muss darauf hinwirken, dass der Bahnhof kundengerecht und barrierefrei ausgebaut und eine weitere Seehas-Haltestelle am Sternenplatz eingerichtet wird. Durch eine Sperrung der Innenstadt für den motorisierten Individualverkehr erledigen sich auch die Probleme mit der absurden Begegnungszone am Bahnhof.
  • Anselm Fliethmann, Junges Forum Konstanz: Das JFK erkennt den Verkehr, ob Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), Rad- oder Kraftfahrzeugverkehr als eine der konzeptionell wichtigsten Aufgaben, welche sich Konstanz in den nächsten fünf Jahren stellen muss. Es gilt, angemessene und finanzierbare Konzepte umzusetzen, um den Autoverkehr zu verringern, den ÖPNV zu stärken und den Radverkehr weiter auszubauen. Der Ansatz des JFK sieht eine Stärkung und einen leichteren, preiswerteren Zugang zum ÖPNV vor. Wir fordern ein „Studi“-Ticket für alle Bürger. Das an der Uni bewährt praktizierte Modell basiert auf einer solidarischen Grundfinanzierung durch alle Studenten, wodurch sich der Einzelticketpreis stark verringert. Durch den Solidarbeitrag bestehen auch begrenzte Nutzungsrechte des ÖPNV für alle Studenten. Das Ziel ist, ÖPNV in Konstanz für alle Bürger preiswert und lohnenswert zu machen. Wir erwarten eine höhere Inanspruchnahme des ÖPNV und damit einhergehend eine geringere Auto-Belastung der Stadt. Um Besucher der Stadt zu überzeugen, ihr Auto außerhalb der Innenstadt zu parken und den ÖPNV zu nutzen, muss das Park-and-Ride-Angebot der Stadt mehr beworben und aufgewertet werden. Kürzer getaktete Anbindungen an den ÖPNV und ein Einkaufstransport-System aus der Innenstadt zum Park-and-Ride-Parkplatz sollen es ergänzen und verbessern.


Neue Busspuren hat die Stadt trotz vielfacher Forderungen nicht eingerichtet. Und weil der Gemeinderat das Bus-Defizit von rund vier Millionen Euro im Jahr nicht noch größer werden lassen will, sind die Busse vor allem auf den Linien 4 und 9 oft überfüllt, die Linie 7 mit Halt am heutigen Auffangparkplatz wurde kurzerhand sogar wieder gestrichen. Was zu tun wäre, haben Verwaltung und Politik inzwischen schwarz auf weiß: Der Masterplan Mobilität ist nach jahrelangen Vorbereitungen mit Ratsbeschluss angenommen. Umgesetzt ist von den vorgeschlagenen Maßnahmen noch keine.

Da also die Autos inzwischen regelmäßig im Stau stehen und die Busse oft mit ihnen, läge es nahe, aufs Fahrrad zu steigen. Viele Konstanzer tun das regelmäßig – vom gesamten Stadtverkehr werden gut 17 Prozent mit dem Rad bewältigt. Und bis 2020 sollen es laut Stadtentwicklungsprogramm sogar 25 Prozent werden. Doch einmal am innerstädtischen Ziel, gehen für viele Radfahrer die Probleme aber erst los. Zwar sind in den vergangenen Jahren etliche neue Stellplätze zum sicheren Verwahren der Räder entstanden. Doch gerade im Sommer sind sie rasch überfüllt. Immer wieder haben vor allem Freie Grüne Liste und SPD auf das Problem hingewiesen, doch bewegen konnten sie nicht viel. Mehr als ein Jahrzehnt, nachdem in Freiburg das (freilich stets defizitäre) erste Fahrradparkhaus eröffnet wurde, herrscht in Konstanz noch immer die Mehrheitsmeinung, einen trockenen und diebstahlsicheren Platz bräuchten vor allem Autos.

Ähnlich mager ist die Bilanz bei öffentlichen Ladestellen für Elektroräder (und -autos), wo zum Beispiel Friedrichshafen Konstanz längst überholt hat. Und selbst bei vermeintlich kleinen Dingen sind weder der inzwischen frustriert zurückgetretene Ansprechpartner Rad, Wolfgang Becker, noch der städtische Arbeitskreis Rad vorangekommen: Die Beschilderung von Radrouten mit farbigen Punkten erschließt sich selbst Einheimischen kaum. Ein Blick nach Kreuzlingen zeigt, wie man es besser machen kann. Und bis auf die langsam an ihrem eigenen Erfolg leidende neue Achse entlang der Bahnlinie sind nicht nennenswert neue Radwege dazugekommen. Dass auch eine Stadt durch Information, Kontrollen und Kooperationen etwas gegen die oft verheerende Verkehrsmoral der Radler tun könnte und dass Radstreifen auf der Fahrbahn sicherer sind als kombinierte Geh- und Radwege hinter Reihen von parkendenden Autos, diese Erkenntnisse kommen dagegen an.

Die Schwächsten unter den Verkehrsteilnehmern sind die Fußgänger. Für sie sieht die Bilanz der vergangenen fünf Jahre vielleicht noch am besten aus. Die Öffnung des Petershauser Seerhein-Ufers hat ihnen, wie auch den Radfahrern, ganz neue Verbindungen eröffnet. Zudem steht ihnen ein über die Jahrzehnte gewachsenes Wegenetz abseits der großen Autostraßen zur Verfügung. Und auch wenn die Begegnungszone zwei Jahre nach dem einst versprochenen Start des Endausbaus vor allem eine große Enttäuschung ist: Die Rechte von Fußgängern haben auch vor dem Bahnhof eine Aufwertung erfahren.

Mit Spannung darf man nun erwarten, ob sich nun die Interessensvertreter derer durchsetzen, die gelegentlich  jemanden mit dem Auto direkt ans Gleis chauffieren oder von dort abholen wollen – oder derjenigen, die für die Bedürfnisse von mehr als 10.000 Fußgängern eintreten, die nach Zahlen der Stadt an einem starken Tag den Bahnhofplatz überqueren. Auch das ist ein Teil der Debatte um Einbahn-Ringverkehr oder C-Konzept mit seiner Durchfahrtssperre zwischen Lago und Dammgasse. Dass genau diese Frage im Kern eine politische ist und deshalb auch politisch entschieden werden kann, hat den scheidenden Gemeinderat freilich nicht davon abgehalten, erst einmal weitere Gutachten zu bestellen, anstatt etwas zu beschließen.

Den weitgehenden Stillstand in Sachen Verkehr allein dem Gemeinderat anzulasten, greift allerdings zu kurz. Stadträte verschiedener Couleur haben mehr oder weniger engagierte Versuche unternommen, Bewegung in das Thema zu bringen. Aber es bedurfte wohl erst eines neuen Oberbürgermeisters, um das Thema Park and Ride entschlossen anzugehen und die Doktrin vom wertvollen Kofferraum-Kunden zumindest anzukratzen. Und eines neuen Baubürgermeisters, um für die Marktstätte auch Bedarf für mehr Fahrrad-Stellplätze zu sehen und nicht nur für die Frage, ob Segmentbogenpflaster oder Reihenpflaster mehr Aufenthaltsqualität schafft. Im Gegenzug kann freilich auch die Verwaltungsspitze den Ausbau- und Innovationsstau ohne den Gemeinderat auflösen: Wer in das Thema Verkehr investiert, braucht Geld, das die Volksvertreter erst einmal genehmigen müssen. Und einen Plan, wie die Mobilität in der Stadt künftig organisiert sein, wem welche Reche und wie viel Platz zugestanden wird.

Diesen Plan hat der Gemeinderat schon beschlossen. Gut möglich, dass die nächste Periode auf der praktischen Ebene Verbesserungen bringt – ob in Wollmatingen oder der Altstadt, ob für Autofahrer, Buspassagiere, Radler oder Fußgänger. Die Bürger würden sich freuen. 87 Prozent der rund 1300 Teilnehmer an der jüngsten Bürgerbefragung finden eine Verbesserung des Verkehrsflusses/der Ampelschaltungen wichtig oder sehr wichtig, 83 Prozent den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und 80 Prozent den Ausbau des Fahrradwegnetzes. Es sind die drei Bereiche, in denen die Konstanzer den größten Handlungsbedarf überhaupt sehen: Die Agenda ist gesetzt.

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