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Konstanz Damit Flüchtlinge kochen können - Darum rüstet die Stadt Konstanz Küchen in Unterkünften nach

Die Stadt Konstanz zieht Lehren aus dem Versäumnis im Zergle. Die Anschlussunterbringungen Egg und Schottenstraße werden besser möbliert.

Das Herzstück einer Wohnung ist die Küche. Hier wird gekocht, gegessen, geredet und gelacht. Fehlt die Küche, ist die Wohnung nicht komplett. Diesen Gedanken hatten viele der interessierten Bürger, die sich die Anschlussunterkunft in Egg vor dem Einzug der Geflüchteten, angeschaut haben. Alle Räume waren hell, offen und leer. Nur die Anschlüsse in der Wand zeigen, wo der angedachte Platz der Küche sein soll. In diesem Zustand wurden auch vor etwa zwei Monaten die Wohnungen in der Unterbringung im Zergle den Bewohnern übergeben. In den Unterkünften in Egg und der Schottenstraße werden in den kommenden Wochen Einbauküchen nachgerüstet. Damit revidiert die Stadt Konstanz die Entscheidung, ihre Anschlussunterbringungen ohne Küche auszustatten.

  • Warum wurden die Wohnungen in den Anschlussunterkünften ohne Küche gebaut? Der Kauf einer Küche solle die Integration und Selbstständigkeit der Flüchtlinge fördern, so die Begründung der Stadtverwaltung. Man habe Flüchtlinge fördern und fordern wollen. Aus diesem Grund wurden die Neubauten ohne Einbauküchen geplant, sagt Walter Rügert, Sprecher der Stadt Konstanz.
  • Warum hat die Stadt nun doch den Kauf von Küchen für die Unterkünfte in Egg und Schottenstraße beschlossen? Die Stadtverwaltung sei laut Walter Rügert ursprünglich von einem völlig anderen Satz an Einrichtungsbeihilfe ausgegangen. Ein Betrag von 2000 Euro, die Flüchtlinge vom Jobcenter bekommen sollten, habe bei den Planungen für die Unterkünfte im Raum gestanden. Dieser fällt nun deutlich geringer aus. Ebenfalls ist es schwierig, die Gelder für die Wohnungseinrichtung bei einer Wohngemeinschaft zu verteilen. Wenn mehrere Einzelpersonen in einer Wohnung leben, könne nicht jeder Geld für eine Küche bekommen, sagt Sabine Senne, Leiterin des Jobcenters Konstanz. Senne und ihre Kollegen überlegen noch, wie sie mit Wohngemeinschaften verfahren sollen. Die Stadt Konstanz hat aus diesem Grund entschieden, in der Schottenstraße, wo hauptsächlich Einzelpersonen untergebracht sind, Küchen nachzurüsten. Und im Zuge dessen wurden auch die Küchen für Egg ausgeschrieben. 
  • Wie viel Geld bekommen Flüchtlinge für eine Küche? Beim Jobcenter können anerkannte Flüchtlinge, wie jeder andere Sozialhilfeempfänger in Deutschland, einen Antrag auf Einrichtungshilfe stellen. Für eine Küche, bestehend aus Herd, Spüle mit Unterschrank, Waschmaschine, Kühlschrank und Geschirrschrank, bekommt eine Familie maximal 780 Euro zur Verfügung. In der Regel werde dieses Geld bar ausgezahlt, sagt Sabine Senne vom Jobcenter. Quittungen über gekaufte Geräte und Möbelstücke werden nicht verlangt. Diese Beihilfe entspräche natürlich nicht dem Neupreis einer Küche, wie Senne betont. Die so gekauften Geräte gehen in den Besitz des Sozialhilfeempfängers über. Bei einem Auszug aus der Wohnung kann dieser die Küche mitnehmen. Ein ähnliches Verfahren zur Wohnungseinrichtungsbeihilfe gilt auch für die restliche Möbel, wie Tische, Stühle und Schränke.
  • Wann kommen die Küchen für die Unterkünfte? "Das ist noch nicht klar", sagt Walter Rügert. Die Ausschreibung läuft bereits. In Egg sollen, falls die Lieferung der Küchen nach dem Ende des Ausschreibungsverfahrens doch länger dauert, Leihküchen aufgestellt werden. "Für die Bewohner, die am 12. Mai einziehen werden, wird es eine Kochgelegenheit geben", so Rügert.
  • Wie ist die Situation im Zergle? Diese Unterkunft wurde vor zwei Monaten als Erstes in Konstanz bezogen und hier wird die Stadt keine Küchen nachrüsten. Die Bewohner haben sich mit viel Unterstützung von Ehrenamtlichen bereits um Mobiliar gekümmert. Die Übergangszeit ohne Küche habe man laut Gabi Sehmsdorf vom Verein Miteinander, die die Bewohner im Zergle betreut, einigermaßen gut überstanden. "Ich habe jeder Familie beim Einzug geraten, sich eine elektrische Herdplatte im Elektrofachmarkt zu kaufen", sagt sie. Für die Übergangszeit diente eine Wanne im Badezimmer als Spüle, ein gespendeter Herd wurde gemeinschaftlich genutzt und auch der Rest wurde geteilt. "Es war ein schönes Miteinander", berichtet Sehmsdorf. Etwa die Hälfte der insgesamt 17 Wohnparteien im Zergle hat sich mittlerweile komplett eingerichtet. Die andere Hälfte ist aktuell noch auf der Suche nach der richtigen Küche. Über Kleinanzeigen, Inserate, Discounter – Stück für Stücken haben sich die Zergle-Bewohner ihre Küchen zusammen gesucht. Ohne die Hilfe der Ehrenamtlichen, wäre dies allerdings nicht machbar gewesen, so Sehmsdorf. "Es war spannend und herausfordernd", sagt sie.
  • Was passiert mit den Geräten aus den Notunterkunften des Landkreises? Aus den Notunterkünften, wie beispielsweise der Schwaketenhalle, die aufgelöst wurden, sind etliche Küchengeräte (siehe Kasten) übrig geblieben. Laut Benedikt Graf, Sprecher des Landratsamtes, können Städte und Kommunen bei der Einrichtung ihrer Anschlussunterkunft diese Geräte vergünstig kaufen. "Dieses Angebot wird von den Kommunen auch gerne angenommen", so Graf. Die Stadt Konstanz hat sich laut Walter Rügert jedoch gegen den Kauf dieser Geräte für die Ausstattung der Unterkünfte entscheiden, weil man einheitliche Küchen einbauen wolle.
 

Übrige Geräte

Aus den ehemaligen Notunterkünften können bisher rund 80 Prozent der Geräte weiterverwendet werden. Laut Benedikt Graf, Pressesprecher des Landratsamtes Kreis Konstanz, sind etwa 40 Waschmaschinen, 70 Kühlschränke, 20 Herde und 40 Trockner aus den Notunterkünften in ein Zentrallager in Gottmadingen gebracht und gereinigt worden. Kommunen, Städte und Geflüchtete können diese zu vergünstigten Preisen für die Einrichtung der Anschlussunterbringungen beim Landkreis kaufen. Weil sie nicht mehr zu gebrauchen waren, weil sie defekt oder erheblich abgenutzt waren, sind eine Waschmaschine, neun Herde und 16 Kühlschränke entsorgt worden. (ans)

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