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Konstanz Croupier im Spielcasino: Der etwas andere Studijob

Nach der Vorlesung geht es an den Spieltisch: Felicia Vivas Stadler und Kristina Lipin arbeiten im Nebenjob im Konstanzer Spielcasino als Croupiers. Die Spielbank wiederum zählt auf die jungen Teilzeitkräfte.

Die Karten liegen bereit, die Jetons sind einsortiert. Wer hier sitzt, muss schnell rechnen können, eine rasche Auffassungsgabe haben. Immerhin gehen tausende Euro binnen kurzer Zeit durch seine Hände. Das bedeutet viel Verantwortung, der Arbeitgeber muss viel Vertrauen in seine Mitarbeiter haben. In diesem Fall sind es zwei Studentinnen. Felicia Vivas Stadler und Kristina Lipin tauschen nach der Vorlesung die lockere Bekleidung in schwarze Hosenanzüge und weiße Blusen. Sie haben den etwas anderen Studentenjob: im Konstanzer Casino.

Arbeiten bis spät in die Nacht hinein. Die einen bedienen im Lokal Gäste, andere fahren Pizza aus, Felicia Vivas Stadler und Kristina Lipin haben ihre perfekten Nebenjobs im Glücksspiel gefunden. Er habe klare Vorteile, sagen sie. Die Arbeitszeiten stünden absehbar und verlässlich fest und passten gut zu den Vorlesezeiten. Am Black-Jack-Tisch geht es erst um 17 Uhr los, Ende ist zwischen 2 und 3 Uhr. Ein paar Stunden Schlaf und dann wieder zur Uni? "Wir sind Studenten, wir können so etwas", sagt Felicia Vivas Stadler mit einem Augenzwinkern. Hart werde es allerdings, wenn die Vorlesungen sehr früh beginnen. Für solche Fälle könne sie bei ihren Einsatzzeiten am Spieltisch jonglieren.

Die zwei Studentinnen haben sich offiziell beim Casino um die Croupier-Stellen beworben. Direktor Agron setzt gerne auf Studierende als Mitarbeiter. Bei ihnen könne er davon ausgehen, dass sie das durchaus komplexe Spielsystem mitsamt Berechnung der Gewinne rasch aufnehmen und umsetzen können. Zudem seien sie bei den Einsatzzeiten flexibel, gerade an Wochenenden. 45 Studierende seien derzeit in Teilzeit angestellt – von insgesamt 120 Kollegen. Immer wieder würden die jungen Menschen nach dem Studium fest in der Konstanzer Spielbank einsteigen. Felicia Vivas Stadler und Kristina Lipin können sich das im Moment nicht vorstellen, so gern sie im Casino arbeiten, die Arbeitsatmosphäre und die Kollegen schätzten. Vivas Stadler hat fest im Blick, nach Jurastudium und Staatsexamen als Rechtsanwältin zu arbeiten, Lipin zieht es als dann ausgebildete Psychologin in die Forensik.

Binnen Sekunden müssen die zwei Studentinnen die Gewinne der Gäste ausrechnen. "Ich war immer schlecht in Mathe", sagt Felicia Vivas Stadler, doch die Übung macht's. Nach 30 bis 45 Minuten haben die Croupiers eine Pause, "sonst explodiert der Kopf" angesichts der vielen Zahlen und Rechnungen, sagt die 23-Jährige. Sie arbeitet seit Oktober 2016 im Casino, nachdem sie in einem Hotel an der Rezeption Gäste empfangen hatte. Jetzt tut sie das am Black-Jack-Tisch. Um hier die Bank darzustellen, wie es heißt, hat sie einen mehrwöchigen Kurs erhalten. Mit jeder weiteren Fortbildung erhalten die jungen Mitarbeiter einen Euro mehr in der Stunde, erklärt Agron Salihi. In der ersten Stufe zahlt die Spielbank zehn Euro pro Stunde aus.

Das liegt im Durchschnitt. Wer denkt, es winkt ein üppiges Trinkgeld direkt für die junge Spielleiterin, der irrt. Jeden Extra-Jeton kassiert das Casino und er landet in einer Sammelkasse. Mit der Gesamtsumme finanziert die Spielbank einen Teil der Mitarbeitergehälter.

Kristina Lipin ist nach ihrem Einstieg im Oktober 2015 einige Stufe weiter. Die 26-Jährige hat weitere Fortbildungen durchlaufen und darf auch am Pokertisch die Karten austeilen. Demnächst nimmt sie einen Roulette-Kurs in Angriff, um die Leitung des komplexesten Glücksspiels übernehmen zu dürfen. Seit dem Alter von 16 Jahren verdient sie Geld in Nebenjobs, zuletzt als Servicekraft eines Restaurants. Im Casino schätzt Lipin den Umgang mit den Menschen auf der Suche nach dem Glück. Gewiss, "man muss konzentriert sein", sagt Felicia Vivas Stadler. Die Arbeit bereite umso größeren Spaß, je besser die Laune am Tisch sei, ergänzt Lipin. Wenn zum Beispiel Junggesellenabschiede in der Spielbank enden, die unerfahrenen Gäste sich über jeden Gewinn überschwänglich freuen. Das sei bei Black Jack häufig der Fall, weil hier mehrere Spieler vereint gegen die Bank, also den Croupier, ankämpfen. "Es darf auch mal gelacht werden", sagt Direktor Agron Salihi. Allerdings hat die Lockerheit bei den Croupiers Grenzen, ein Maß an Distanz zu den Gästen muss gewahrt bleiben. Damit klar ist, wer am Tisch das Sagen hat.

Spielbank

Das Konstanzer Casino ist eines von drei Häusern innerhalb der Baden-Württembergischen Spielbanken GmbH, eine Tochter des Landes. Der Bruttospielertrag ist von 2015 auf 2016 um 13,6 Prozent auf 22,4 Millionen Euro gestiegen. Das ist auch auf die zahlreichen Schweizer sowie Unterhaltungsangeboten zurückzuführen. Rund 104 000 Gäste (plus fünf Prozent) hatte das Casino 2016, heißt es auf Anfrage von der Spielbanken GmbH. Alle drei Häuser hatten einen Bruttospielertrag von 82,07 Millionen Euro (plus 4,8 Prozent). 60 bis 80 Prozent fließen in die Landeskasse. Mehr als 3 Millionen Euro erhält die Stadt Konstanz. Das Konstanzer Casino wird im August Umbauten in Angriff nehmen, um Barrierefreiheit herzustellen. Laut Direktor Agron Salihi entsteht an der Treppe zum Eingang ein Lift und der Parkplatz werde erneuert.

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