In der Stadt können es viele kaum fassen. Vor einem halben Jahr hat die Firma Centrotherm erst den eilig hochgezogenen, großen, weißen Bau zwischen Reichenaustraße und Seerhein bezogen. Mindestens 25 Millionen Euro hatte die Gruppe mit Hauptsitz in Blaubeuren investiert, sich sogar noch eine Option aufs rheinabwärts gelegene Nachbargrundstück geben lassen. Und jetzt: Insolvenz. Schon machen die ersten Ideen die Runde: Man könne es vielleicht billig bekommen und zur Stadthalle umbauen.
Nur wenige Autos standen am Mittwochmorgen vor dem Bau, der noch vor wenigen Monaten so etwas sein sollte wie das Flaggschiff des Wirtschaftsstandorts. Da war die Nachricht, zu nächtlicher Stunde per Ad-hoc-Mitteilung an die Aktionäre verschickt, erst wenige Stunden alt: Die Centrotherm Photovoltaics AG in Blaubeuren ist insolvent. Nicht nur Kommunalpolitiker und Verwaltungsmitarbeiter, die die Ansiedlung auf einem der letzten großen Reservegrundstücke der Stadt einst in Rekordtempo möglich gemacht hatten, zeigten sich irritiert: Hat Konstanz aufs falsche Pferd gesetzt?
Nein, sagt Oberbürgermeister Horst Frank, doch seine Reaktion kündet auch von Sorge um die Außenwahrnehmung: „Der Solarstandort Konstanz hat sich in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Verkauf sehr gut entwickelt und wird international als High Tech Standort geschätzt“, heißt es aus dem Rathaus: „Mit dem Solarnetzwerk haben wir eine gute und verlässliche Basis geschaffen, damit die Solarindustrie hier gute Rahmenbedingungen und weiterhin Perspektiven findet.“
Dennoch sehe man die Entwicklung mit Sorge, immerhin ist es noch kein Jahr her, dass die einst von Uni-Wissenschaftlern gegründete Sunways AG vom chinesischen Konkurrenten LDK übernommen wurde. Frank macht für die Branchenprobleme auch die schwarz-gelbe Bundesregierung verantwortlich: „Leider zeigt sich jetzt, dass sich die schlimmsten Befürchtungen über die Konsequenzen der Wirtschaftspolitik von Minister Rösler im Bereich Photovoltaik bewahrheitet haben.
“ Die schwierige Situation der Solarindustrie werde verstärkt durch die Kürzung der Photovoltaikförderung. Der OB wörtlich: „Es ist unverständlich, dass auf der einen Seite Banken durch Milliarden der Steuerzahler gestützt werden, auf der anderen Seite aber der Photovoltaikbranche als nach wie vor zukunftsträchtigem Sektor der Boden unter den Füßen weggezogen wird.“
Dass am Seerhein nun bald die Lichter ausgehen, ist dennoch unwahrscheinlich. Als die Krise des Unternehmens schon absehbar war, hieß es von Centrotherm, man könne die Technologieführerschaft des Unternehmens nur halten, wenn man weiter forsche und entwickle – und genau dafür war der Neubau errichtet worden. Ganz am Ende einer Presseerklärung von Centrotherm wird dann auch Restrukturierungsvorstand Jan von Schuckmann zitiert: Parallel zu „weiteren Kapazitätsanpassungen und Kostensenkungen werde die Firma „weiterhin in Forschung und Entwicklung investieren und unsere außergewöhnliche Marktposition ausbauen.“
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