Wenn das Auto, wenigstens zeitweise, zum Arbeitsplatz wird, ist ein gewisser Komfort sicher gerechtfertigt. Den Verwaltungschefs im Kreis Konstanz kann etwas Komfort getrost zugebilligt werden, zumal die meisten Fahrzeuge aus der Privatkasse angeschafft wurden. Und wenn dann mal eine Kommune dem Bürgermeister ein Dienstfahrzeug stellt, kann es mitunter auch von anderen Rathaus-Bediensteten genutzt werden. Dies ergab eine Umfrage unserer Lokalredaktionen bei den Verwaltungschefs im Landkreis.
Wer, wie Landrat Frank Hämmerle, jährlich 40.000 Kilometer im Auto zurücklegt, braucht einen mobilen Arbeitsplatz, der auch Aspekte wie Gesundheitsschutz berücksichtigt. Eine Freisprecheinrichtung für die zahllosen Telefonate während selbst zurückgelegter Strecken versteht sich von selbst, denn nicht immer sitzt Hämmerles Fahrer am Steuer des Audi A8, dessen Dieselmotor laut Landratsamt neun Liter Sprit auf 100 Kilometer verbraucht.
Am anderen Ende der Komfortskala ist der Sommerwagen von Bürgermeister Bernhard Volk aus Orsingen-Nenzingen angesiedelt: sein heiß geliebter und mit Herzblut gepflegter Fiat 500 ist auch den Rathaus-Bediensteten ans Herz gewachsen. Sie wundern sich immer wieder, wie ein so hoch gewachsener Mann in dem niedlichen Wägelchen Platz hat. Meist benutzt Volk jedoch einen privaten Ford für seine Dienstfahrten.
Großes Vertrauen genießen bei den Bürgermeistern und dem Landrat die deutschen Fabrikate. Ganz oben rangiert VW, die Marke wird von sieben Bürgermeistern gefahren. In der Rangliste folgen Audi (6) und Mercedes Benz (4). Ausländische Erzeugnisse, wie Mazda oder Toyota, werden nur je einmal genutzt. Dies gilt auch für Porsche: Diesen Traum leistet sich der Gaienhofer Bürgermeister Uwe Eisch aus eigener Schatulle, er fährt Cayenne.
In einigen Gemeinden kommen auch andere Bedienstete in den Genuss, den Dienstwagen des Bürgermeisters fahren zu dürfen. Beispielsweise in Steißlingen bei Bürgermeister Artur Ostermaier oder in Stockach, wenn Rainer Stolz bei innerstädtischen Terminen von seinem BMW 530d aufs E-Bike umsteigt. Dieses hat die Stadt für den Sommer gemietet, teilt Rainer Stolz mit. Andreas Funk, sein Kollege aus dem benachbarten Hohenfels, setzt sich bei entsprechenden Terminen gerne ins Fahrzeug der Bauhofmitarbeiter. Denn für manch einen Untergrund ist sein privater Fiat 124 Spider, Baujahr 1985, sicher zu schade. Einer für alle wird in Kürze in Bodman-Ludwigshafen angeschafft. Gegen einen etwas umweltfreundlicheren BMW mit Hybrid-Triebwerk hat sich der hinsichtlich des Stauraums vielleicht etwas günstigere Mini Clubman durchgesetzt. BMW kann's egal sein: Mini gehört inzwischen schließlich zur Familie.
Ein Dienstfahrzeug kann auch Anlass zum Schmunzeln geben. In einem anderen Landkreis konnte in der kalten Jahreszeit relativ präzise vorhergesagt werden, wann der damalige Landrat bei abendlichen Veranstaltungen mit geselligem Aspekt den Heimweg antreten wird. Immer, wenn sein Fahrer sich unauffällig zurückzog, ließ es sich noch eine knappe halbe Stunde mit dem Landrat netzwerken. Und dann verabschiedete er sich unwiderruflich. Das Geheimnis lüftete eines solchen Abends der Fahrer nach kurzem Blickkontakt mit dem Landrat mit respektvollem Unterton: „So, ich muss jetzt los und die Sitzheizung anwerfen. Sonst bekommt der Chef nachher einen kalten Popo.“

Alle Kommentare 