Kaum hat der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim das Glasverbot der Stadt abgeschmettert, kommt das nächste Problem auf die Verwaltung zu. Bürger beklagen massive Lärmstörungen am Seerhein. Sie haben ihren Brief an Oberbürgermeister Horst Frank, dessen Nachfolger Uli Burchardt, die Gemeinderatsfraktionen und das Bürgeramt mit „Hilferuf“ überschrieben. Die Bürgergemeinschaft Petershausen (BGP) hatte bereits im Frühjahr ein Konzept der Stadt für das Seeufer gefordert. Es müsse nun endlich vorgelegt werden, teilte die BGP auf SÜDKURIER-Anfrage mit.
Im Brief der Seerhein-Anwohner ist von einer Eskalation die Rede. „An warmen Sommertagen lagern am Ufer des Seerheins, vor allem am Herosé-Park und links und rechts der Bischofsvilla, Horden von jungen Leuten und produzieren eine Geräuschkulisse, die durch lautes Musikhören, sich verstärkenden Alkoholkonsum und die völlige Missachtung der Tatsache, dass hier Hunderte von Familien wohnen, eine angemessene Nachtruhe absolut unmöglich macht.“ Ihren Namen wollen die Familien trotz ihres Vorstoßes nicht in der Zeitung lesen, da ihre Balkone bereits Ziele von „geschossartigen Wasserbomben“ gewesen seien.
Die Bürger bitten die Stadt darum, einfach deren eigene Umweltschutz- und Polizeiverordnung umzusetzen mit einer Nachtruhe ab 22 Uhr. Sie laden die Politiker zu einem Vor-Ort-Termin in einer Sommernacht ein, um sich ein Bild zu machen. Es gehe aber nur um den Lärm nach 22 Uhr, schreiben sie. „Die Anwesenheit Hunderter von Badenden und sich vergnügenden Menschen tagsüber verläuft weitgehend reibungslos.“
Anwohner der Seestraße haben ebenfalls an Stadt und Stadträte geschrieben. Diese Woche sei es erneut zu einem Zwischenfall gekommen. Spätabends sei ein Spaziergänger von alkoholisierten Jugendlichen bedroht worden. Als die Polizei mit drei Streifenwagen vorfuhr, seien die Verdächtigen weg gewesen. Abhilfe kann aus Sicht der Bürger nur die Stadtverwaltung schaffen. Der Gemeinderat müsse die gesetzlichen Grundlagen dafür schaffen.
Polizeieinsätze mit Blaulicht sieht die BGP ebenfalls nicht als Lösung. Sie fordert von der Stadtverwaltung wirkungsvolle Maßnahmen. Die geltende Verordnung müsse aktiv durchgesetzt werden, „auch wenn dies zu Nachtdiensten der Ortspolizei führt und vielleicht wegen der ausfallenden Tagesstunden einige Parksünder weniger gestellt werden“. Zudem müsse die vom Bürgeramt bereits im Mai angekündigte neue Konzeption des Sozial- und Jugendamtes, um Konflikten am Seeufer zu begegnen, endlich vorgelegt werden. „Regelmäßige präventive nächtliche Streifen von Orts- und Landespolizei, ergänzt durch Sozialarbeiter, dürfen nicht an personalrechtlichen Regelungen scheitern."
Der Vorstoß richte sich nicht gegen die friedlichen Nutzer des Seeufers. Die Bürgergemeinschaft habe den breiten Uferstreifen schließlich vor Jahren gefordert, heißt es weiter. Es bestreite auch niemand das Recht junger Leute, sich friedlich zu versammeln. Problem ist aus Sicht der BGP der Alkoholkonsum, der zu Regelverstößen führe.
In einem Brief an die BGP hatte das Bürgeramt das Konzept angesprochen. Der Gemeinderat habe die von der Stadt vorgeschlagenen Sicherheitsdienste am Seeufer abgelehnt und das Konzept in Auftrag gegeben. Die Stadt hatte zudem im Frühsommer gemeinsam mit den Nachtwanderern „Seegespräche“ vor Ort angeboten.
Erst wird wieder eine Grünfläche mehr überbaut, und dann ... mehr ...