Viele Petershauser Einwohner sind besorgt und fühlen sich von der Stadtverwaltung übergangen. Bei einer kontroversen Podiumsdiskussion im Treffpunkt Petershausen kritisierten sie die Pläne zur Nachverdichtung als zu massiv und forderten mehr öffentliche Grünflächen. Stadtplaner Roland Jerusalem stellte einen offenen Dialog über den Bebauungsplan für das Bahnhofsviertel in Aussicht.
Konstanz – Eine zeitweise hitzige Debatte erlebten die rund 100 Bürger im fast voll besetzten Saal des Treffpunkts Petershausen. SÜDKURIER-Lokalredakteur Josef Siebler, der die abendliche Diskussion auf Einladung der Bürgergemeinschaft Petershausen moderierte, gab den fünf geladenen Gesprächspartnern auf dem Podium zunächst die Möglichkeit, ihre Positionen zum Thema Nachverdichtung in Petershausen vorzustellen.
Roland Jerusalem, Leiter des städtischen Amtes für Stadtplanung und Umwelt, verwies auf einen wachsenden Bedarf an zusätzlichen Wohnungen für die kommenden zehn Jahre: „Unsere Absicht ist es, der Stadt ein konstantes Bevölkerungswachstum zu sichern, das die derzeitige Einwohnerzahl ungefähr stabil hält.“ Konstanz müsse auf den Wettbewerb zu benachbarten Städten und zum Schweizer Hinterland mit einem angemessenen Bauprogramm reagieren. Dafür sei die Verdichtung innerhalb des Stadtgebiets wirtschaftlich und umweltpolitisch sinnvoller als eine weitere Bebauung nach außen. Zudem müssen viele bereits bestehende Gebäude grundlegend renoviert werden: „Viele Gebäude aus den 50er und 60er Jahren bieten heute keinen zeitgemäßen und angemessenen Wohnraum mehr an.“ Für den weiteren Planungsprozess regte er einen offenen Dialog mit den Bürgern an: „Problemlösungen lassen sich im gemeinsamen Konsens viel schneller umsetzen.“
Thomas Schaefer, Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), widersprach den städtischen Berechnungen: „Der tatsächliche Bedarf an zusätzlichem Wohnraum ist bei weitem nicht so hoch wie ihn die Stadtverwaltung derzeit einschätzt“. Um die Lebensqualität der Bürger zu sichern, müsse insbesondere der Baumbestand im Stadtgebiet in zukünftigen Bebauungsplänen für Petershausen erhalten bleiben: „25 Meter Grünfläche links und rechts einer Brücke reichen Kindern und Jugendlichen noch nicht einmal zum Fußball spielen“. Viele Bürger im Saal unterstützten Schaefers Einwände mit spontanem Beifall und Zwischenrufen.
Scharfe Kritik musste sich CDU-Stadtrat Alexander Fecker gefallen lassen: Viele Bürger im Publikum warfen seiner Fraktion Untätigkeit und mangelnden politischen Durchsetzungswillen im Kampf gegen dichte Bebauungspläne und Baumfällungen vor. Fecker wies die Kritik zurück: „Bei der Stadt und im Gemeinderat sind klare Bemühungen für den Erhalt der Grünflächen vorhanden.“
Peter Müller-Neff (FGL) sprach sich konsequent gegen weitere Verdichtungen und Baumfällungen aus: „Man muss manchmal klar Nein sagen können.“ Jürgen Ruff (SPD) plädierte dagegen für eine maßvolle Verdichtung im Stadtgebiet: „Eine weitere Bebauung nach außen erhöht das Verkehrsaufkommen und die Kosten für den öffentlichen Nahverkehr.“ Das hohe Mietniveau zwinge die Stadt zur Bereitstellung von Wohnraum, dürfe aber nicht zu Lasten der Grünflächen gehen.
Henrich Tiessen von der Bürgergemeinschaft Petershausen begrüßte die Bereitschaft der Stadtverwaltung und des Gemeinderats zum Dialog mit den Bürgern. Er vermisst aber konkrete Lösungsansätze: „Wie es in Zukunft in Petershausen weitergeht, ist mir heute Abend noch nicht klar geworden.“