Mein
24.05.2012  |  3 Kommentare

Konstanz Bruno Helmle kein Ehrensenator mehr

Konstanz -  Universität Konstanz erkennt früherem OB wegen Nazi-Verstrickungen Titel ab

Ehrensenatorwürde aberkannt: Die Uni Konstanz geht auf größtmögliche Distanz zu Alt-Oberbürgermeister Bruno Helmle (1911-1996). Grund sind seine Verstrickungen mit dem NS-Regime und die Täuschung der Öffentlichkeit über seine Biographie.  Bild: archiv



Die Universität Konstanz hat dem früheren Oberbürgermeister Bruno Helmle posthum die Ehrensenatorenwürde entzogen und wird künftig prominent darauf hinweisen, dass sie größtmögliche Distanz zu Helme wahrt. Denn der CDU-Politiker taucht weiterhin in der Liste der Ehrensenatoren auf, aber mit einem Verweis auf den Entzug des Titels. Dies teilte die Hochschule nach einem entsprechenden Senatsbeschluss am Mittwoch mit.

Der Senat kritisierte die Verstrickung Helmles in den Machtapparat der Nationalsozialisten und warf ihm vor „Nutznießer der von ihm als zuständigem Finanzbeamten vollzogenen Entrechtung und Enteignung der jüdischen Bevölkerung im Umfeld von Auswanderung und Deportation“ gewesen zu sein. Auch Helmles Umgang mit seiner Biographie sei nicht hinnehmbar, hieß es weiter.

Uni-Rektor Ulrich Rüdiger äußerte sich ebenfalls zu dem in der Uni-Geschichte bisher einmaligen Vorgang: „Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde der Universität Konstanz ist eine hohe Auszeichnung, der Bruno Helmle aufgrund der heute bekannten und durch unsere Wissenschaftler bewiesenen Erkenntnisse über seine Vergangenheit sowie der damit verbundenen fehlenden Glaubwürdigkeit und des Vertrauensbruchs nicht gerecht wird.“

Damit wird deutlich, dass die von Helmle betriebene Verschleierung seiner Biographie mindestens ebenso kritisiert wird wie seine Verstrickung mit dem NS-Regime selbst. Dem Senatsbeschluss liegt die Überlegung zugrunde, dass Helmle niemals Ehrensenator geworden wäre, wenn seine Vergangenheit bei der Verleihung im Jahr 1976 so bekannt gewesen wäre wie heute. So ist die Rede von „irreführenden und tatsachenverdrehenden Angaben“ in Helmles Buch „Erinnerungen“.

Mit dem Beschluss stärkt der Senat auch die Position der drei Gutachter, die den Fall Helmle für die Stadt aufgearbeitet hatten: Lothar Burchardt, Wolfgang Seibel und Stadtarchivar Jürgen Klöckler sind oder waren Professoren der Universität. Die Redlichkeit ihrer Forschungen war unter anderem im Gemeinderat öffentlich bezweifelt worden, so aus Teilen der CDU. Gefordert wurde, entlastendes Material zu Helmle zu suchen, was zugleich den Gutachtern eine einseitige Arbeit unterstellte.

Bruno Helmle, ehemaliger Konstanzer Oberbürgermeister, hat sich dem Nationalsozialismus offenbar mehr angedient als bislang bekannt war. Das belegt die Arbeit einer Forschergruppe. Seither wird debattiert, ob Helmle posthum der Ehrenbürgertitel und die Ehrensenatorwürde aberkannt werden soll.

Korrektur-Hinweis Korrektur-Hinweis melden Korrektur-Hinweis
3 Kommentare
peinlich
diese ganze "demontage-diskussion" ist eigentlich nur peinlich. wer von denen die über die aberkennung diskutieren war denn "damals" dabei? aus erzählungen meiner eltern und on bekannten weiss ich, dass hr. helmle mit einer der besten ob´s war die jemals hatt. weder die stadt noch die überhebliche uni wärn heute das was sie sind. für diese leistungen wurde er ausgezeichnet... ihm dies jetzt abzuerkennen ist erbärmlich und lächerlich,,,,,,,
Helmle
Helemle wure nicht für seine "Heldentaten" im dritten Reich sondern für seine Leistungen als OB geehrt
OB Helmle
Wie tief sind die Menschen gesunken, die einen anderen nach Jahrzenten demontieren, obwohl sie selbst nicht in dieser Zeit gelebt haben, und sich nicht vorstellen können, wie schwierig es war, in dieser Zeit zu überleben.
Zuerst der Gemeinderat, von denen wahrscheinlich keiner die Nazi-Zeit mitgemacht hat, und jetzt auch der Senat der Uni, wo wahrscheinlich auch keiner diese Zeit erlebt hat.
Man sollte auch bei diesen "Entscheidungträger" einmal nachforschen, ob sie nicht auch "Dreck am Stecken" haben. Hierbei wird wahrcheinlich auch viel herauskommen, was man nicht weiß.
Das Sprichtwort: " Wer Dreck am Stecken hat, werfe den erten Stein". Es wird kein Stein geworfen, weil von Denen auch die Meisten nicht "Sauber" sind.
Helmle hat sehr viel für Konstanz getan, doch dies ist nicht mehr relevant, sondern Alle waren die besten Freunde von ihm, doch er kann sich ja nicht mehr wehren, und deshalb kann man ihn nieder machen.
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
 Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln

Jetzt Newsletter anfordern:
© SÜDKURIER GmbH 2014