Die Bruder-Klaus-Gemeinde besteht seit 50 Jahren. Höchster Gratulant war Erzbischof Robert Zollitsch aus Freiburg, der vor über 600 Besuchern einen feierlichen Gottesdienst hielt.
Konstanz (fvb) In der ersten Nacht wachten Männer aus der Gemeinde vor dem Pfarrhaus über den drinnen schlafenden Pfarrer Adalbert Schnatterer. Noch fehlten die Türen im Neubau an der Markgrafenstraße. So begann am 1. Dezember 1955 das Leben der neuen Bruder-Klaus-Pfarrei. 50 Jahre später öffnete die Gemeinde gestern ihre Türen und Tore für Gäste, die zu einem halben Jahrhundert Bruder-Klaus-Gemeinde gratulierten.
In seiner Predigt erinnerte Zollitsch an den Namensgeber der Pfarrei, den Schweizer Heiligen Nikolaus (Klaus) von Flüe (1417-1487). Er war aus einfachen Verhältnissen zum Ratsherr und Kantonsvertreter aufgestiegen und entschied sich als 50-Jähriger für die Einsiedelei, während der er zum gefragten Ratgeber und Friedensstifter wurde. Damit sei er Beispiel, dass Politik und Glaube sich verbinden ließen, sagte der Erzbischof. "Gebet und politische Aktion sind eben keine Gegensätze." Vielmehr täten Politiker gut, die auf die Kraft des Gebetes und auf Gott vertrauten. Ausdrücklich ging Zollitsch in seiner Predigt auf das Koalitions-Hickhack in Berlin ein. Dort stritten die fünf Fraktionen, "statt sich mit vollem Engagement um das Notwendige zu kümmern". Es sei höchste Zeit, sich auf die Verantwortung vor Gott und gemeinsame Ziele zu besinnen, mahnte er. Bei der Fürbitte betete die Gemeinde für die Politiker aller Parteien und ihre "Suche nach einem guten Weg für unser Land."
Von der Predigt beeindruckt zeigten sich die politischen Gäste: Landtagsabgeordneter Andreas Hoffmann, die Räte Alexander Fecker und Wolfgang Müller-Fehrenbach sowie Bürgermeister Claus Boldt (alle CDU). Beim Empfang im Gemeindezentrum sagte Boldt: Die Kirche habe die Aufgabe, auf Werte hinzuweisen. Es gelte, "die Werte unserer christlichen Gesellschaft in den Vordergrund zu rücken".
Pfarrer Andreas Rudiger schlug einen Bogen von der Politik ins Gemeindeleben, als er sagte: "Wo unterschiedliche Kräfte auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten, kann Erstaunliches geleistet werden." Das passte zu mehreren Entwicklungen vor Ort: Seit drei Jahren gehört die Bruder-Klaus-Gemeinde mit ihren 2250 Mitgliedern zur Seelsorger-Einheit Petershausen. Eine Leistung von Gemeinde und Fachleuten ist die neue Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Kirche. Die evangelische Pfarrerin Sabine Zeller-Schock gratulierte für die protestantischen Nachbarn.
Pünktlich zum Jubiläum erscheint überdies ein Kirchenkunstführer für Bruder-Klaus, in dem Experten die 1956 für die neue Gemeinde erbaute Kirche erklären. Damals fehlten noch 4000 Mark für das große Relief Oskar Steidles über dem Altar. Nachdem das Geld nicht aufzubringen war, machte sich laut Erzählungen der damalige Pfarrer auf eine private Wallfahrt in die Schweiz nach Sachseln, dem Geburtsort von Bruder Klaus. Als er zurückkam steckten die 4000 Mark im Briefkasten. Der Spender blieb unbekannt. Nach Sachseln aber macht sich die Pfarrei bis heute regelmäßig auf. Am 3.Oktober steht die Pfarrwallfahrt wieder an.