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Konstanz Brisante Zahlen zur Fahrradstraße: Autos sind in der Minderheit

Es geht also doch: Die Konstanzer Stadtverwaltung hat nun die Ergebnisse der Verkehrszählung vom Mai an der wichtigen Rad-Achse durch Petershausen herausgerückt. Sie dürften die Debatte um eine Fahrradstraße neu befeuern. Dass nun aber sofort die diskutierten Poller gegen den Auto-Durchgangsverkehr kommen, ist dennoch unwahrscheinlich.

Auf der Achse Jahnstraße/Petershauser Straße zwischen Ebert- und Zähringerplatz sind deutlich mehr Radler als Autofahrer unterwegs. Sieben Monate nach der Verkehrszählung in diesem Bereich hat die Stadtverwaltung Konstanz am Donnerstagabend nun doch Zahlen bekannt gegeben. Danach wird die Route innerhalb von 24 Stunden von 6000 bis 8000 Radlern befahren. Ihnen stehen 4500 bis 5000 Autofahrer gegenüber, von denen bis zu 40 Prozent reiner Durchgangsverkehr darstellen.

Nachdem die Zahlen monatelang unter Verschluss waren, reagierte Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn auf Kritik auch aus dem Gemeinderat. Er entschuldigte sich dafür, dass die Verwaltung einen Ratsbeschluss vom Dezember 2014 missachtet hatte, nachdem bereits im Juni die Zählungsergebnisse hätten präsentiert werden sollen.

Welche Schlüsse die Planer nun ziehen, bleibt allerdings offen. Im Rathaus ist die Stelle eines Verkehrsspezialisten seit Monaten mangels Bewerbern nicht besetzt. Auch das Handlungsprogramm Radverkehr ist bis Frühjahr deshalb auf Eis gelegt, wie Langensteiner bestätigte. Eine bereits angesetzte Pressekonferenz zu dem Thema war jüngst kurzfristig wieder abgeblasen worden. Langensteiner sagte, er trage dies mit, weil zunächst grundsätzlich über Aufgaben, Arbeitsbelastung und Personalausstattung der Verwaltung diskutiert werden müsse – ein Hinweis, dass das ehrgeizige Projekt zunächst aus Kostengründen gestoppt wurde.

Schneller soll es mit einem Konzept für den Gesamtverkehr in dem betroffenen Teil Petershausens gehen. Denn bisher hat die Gemeinschaftsschule, die im September 2016 ihren Betrieb aufnimmt, nicht einmal eine Bushaltestelle. Die Stadtwerke wollen eine Linie statt über den Zähringerplatz und die Wollmatinger Straße durch die Steinstraße führen. Allerdings gibt es, wie in der Sitzung deutlich wurde, noch erheblichen Gesprächsbedarf mit der Feuerwehr, an deren Wache die Busse entlangfahren müssten. Im weiteren Verlauf würden sie eben jene Achse queren, die sich für die Radfahrer erneut als so wichtig erwiesen hat. An der Kreuzung könnte eine Ampel mit Bus-Vorrang entstehen, hieß es dazu.

Die Stadträte Stephan Kühnle (Freie Grüne Liste) und Jürgen Ruff (SPD), die nach dem Eklat und dem Scheitern des ersten Anlaufs im Herbst 2014 mehrfach Informationen zum Thema Fahrradstraße eingefordert hatten, nahmen die Entschuldigung der Verwaltung an. Ruff erinnerte aber daran, dass die SPD seit Jahren auf eine Lösung für den Radverkehr auf der Verbindung zwischen Altstadt und Universität dringe. Zuletzt habe sich „Frustration“ angestaut. Kühnle sagte, auch Politik mache sich unglaubwürdig, wenn sie Fragen von Bürgern zu einem Aufregerthema mangels Informationen aus der Verwaltung einfach nicht beantworten könne.

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