Werner Allweiss vermisst die öffentliche Debatte. Der Stadtrat der Freien Grünen Liste wundert sich, wie wenig über den Neubau von Brillen Müller an der Stelle des Altstadtbrandes diskutiert wird. Nur der SÜDKURIER habe das Thema aufgegriffen, sagte er im Technischen und Umweltausschuss. Bürgermeister Kurt Werner kündigte an, der Abbruch des Gebäudes werde im November beginnen.
Das Gebäude wurde beim Altstadtbrand an Weihnachten 2010 schwer beschädigt. Zunächst war geplant, die alte Fassade zu erhalten, doch nun ist ein Neubau geplant. Es soll ein modernes Gebäude mit Beton-Fassade und großen Fenstern werden. Der erste Entwurf hatte Kritik hervorgerufen, so war der Gestaltungsbeirat nicht zufrieden. Das bauliche Umfeld sei zu wenig berücksichtigt, hieß es. Dabei ging es um das Volumen, die Dachflächen und die Gestaltung im Hinterhof. Ein Architekt hatte zudem die geplante Fassade mit den großen Fenstern kritisiert, der Bau passe nicht in die Häuserzeile.
Der Architekt des Bauherrn hat nachgebessert. Die Stadtverwaltung ist mit der jetzigen Lösung zufrieden. Mit dem Sichtbeton, den quadratischen Fenster-Öffnungen und dem ruhigen Ziegeldach füge sich der Neubau gut in die Kanzleistraße ein, sagte Axel Mothes, Leiter des Baurechtsamts, im Technischen und Umweltausschuss. Frank Mienhardt vom städtischen Denkmalamt sagte, der Architekt habe den Entwurf grundlegend überarbeitet, so sei die Höhe angepasst worden, die Dachfläche wirke ruhig. „Die wesentlichen Forderungen von uns sind erfüllt.“ Die Landesdenkmalpflege habe den Plänen ebenfalls zugestimmt. „Der Bau setzt in gewisser Weise einen neuen Akzent.“ Kurt Werner sprach von einem zeitgenössischen Entwurf.
Werner Allweiss wies auf die zentrale Stelle der Altstadt hin. Die Stadtbildsatzung müsse Maßstab für die Pläne sein. So sei der Neubau anstelle des beim Brand eingestürzten Nachbar-Hauses sehr gut gelungen. Mit der Fassade des jetzt geplanten Gebäudes ist er dagegen nicht ganz glücklich: „Dieser Bau fordert zur öffentlichen Diskussion heraus.“ Der Entwurf müsse noch einmal beraten werden. Bürgermeister Werner lehnte das Ansinnen jedoch ab, da alle Forderungen aus Sicht der Stadtverwaltung erfüllt seien. Die Baugenehmigung werde erteilt, der Abriss solle im November beginnen, „je früher, desto besser.“ Schließlich sei es der Stadt wichtig, die Fußgängerzone wieder frei zu bekommen. Regine Rebmann (FWG) sieht eine öffentliche Debatte als zu zäh an, ein Verfahren ziehe sich dann über Jahre hin.
Die Stadtverwaltung und der Denkmalschutz werden ein strenges Auge auf die Bauausführung haben, kündigte Frank Mienhardt an. Der Gestaltungsbeirat wolle den gewählten Beton und die anderen Materialien sehen. Entscheidend seien die Details: „Der Bau kann gelingen.“

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