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11.01.2007  |  von  |  0 Kommentare

Friedrichshafen/Tettnang - Bordell-Pläne scheitern am Geld

Friedrichshafen/Tettnang -  -  Ein 35-jähriger Mann aus dem Bordellgewerbe hat sich derzeit wegen Betrugs vor dem Amtsgericht Tettnang zu verantworten. Er soll bei neun Baufirmen noch rund 650000 Euro Schulden haben, für einen Bordellbau in Friedrichshafen. Heute werden Zeugen vor dem Schöffengericht gehört.

Das Bordell an der Flugplatzstraße ist Gegenstand einer Gerichtsverhandlung. Der Vorwurf: Der Angeklagte habe die Baufirmen getäuscht.  Bild: Schall



Das Bordell an der Flugplatzstraße ist Gegenstand einer Gerichtsverhandlung. Der Vorwurf: Der Angeklagte habe die Baufirmen getäuscht.
Im Zeitraum zwischen Juli und Dezember 2002 habe der Angeklagte neun handwerkliche Betriebe mit Umbaumaßnahmen am Gebäude in der Flugplatzstraße 9 beauftragt, heißt es in der Anklageschrift. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet: Bei Erteilung dieser Aufträge an die Handwerker spiegelte der Angeklagte falsche Tatsachen vor. Obwohl er mittellos gewesen sei, habe er vorgegeben, die Baukosten tragen zu können.

Laut Staatsanwaltschaft seien Rechnungen über insgesamt 650000 Euro nicht bezahlt worden. Neun Firmen aus dem Raum Bodensee-Oberschwaben, die mit den Umbauaufträgen betraut worden waren, erfüllten jedoch einen Großteil der ihnen aufgetragenen Arbeiten - im Vertrauen darauf, dafür bezahlt zu werden.

Der angeklagte Mittdreißiger wollte besagtes Gebäude kaufen und nach den Umbauarbeiten als Bordell nutzten. Die Gesamtkosten von 1,2 Millionen Euro sollten über einen Kredit finanziert werden, erklärte der Angeklagte vor Gericht. "Bordellfinanzierung ist eine recht schwierige Angelegenheit. Man kann nicht einfach bei einer Bank einen Kredit dafür aufnehmen. Ich war mir sicher, dass das alles klappt und dass das Geld kommt", beteuert er.

Der Angeklagte wandte sich an ein Kreditvermittlungsbüro in Stuttgart, das die Summe über 1,2 Millionen Euro über eine Privatinvestorenfirma in der Schweiz beschaffen sollte. Die Übergabe dazu hätte in Luxemburg stattfinden sollen. Im Laufe des ersten Prozesstags stellte sich jedoch mehr und mehr heraus, dass es sich bei dem Kreditvermittler um eine dubiose Firma handelte. Denn das Geld kam und kam nicht, wunderte sich der 35-Jährige. Eine Mitarbeiterin dieser Firma sitze mittlerweile in Aachen in der Justizvollzugsanstalt, so die Verteidigerin.

Der Kaufvertrag für das Gebäude sei datiert auf den 24. Mai 2002. Die erste Rate sei bereits im darauf folgenden Juni fällig gewesen, meinte der vorsitzende Richter. "Wie konnten Sie davon ausgehen, da am 23. September immer noch kein Geld da war, dass es noch irgendwann kommen wird?", wollte er vom Angeklagten wissen. "Ich war davon überzeugt, dass das glatt geht", antwortete der Beschuldigte. "Warum erteilten Sie dann weiterhin Aufträge?" "Die Aufträge hat größtenteils der zuständige Architekt erteilt", erklärte der Angeklagte.

Die Verteidigerin erklärte vor Gericht, sie sehe den Tatbestand der Bereicherungsabsicht ihres Mandanten "als nicht erwiesen" an. Er sei zu keinem Zeitpunkt Besitzer des Hauses gewesen und habe immer versucht, das Gesamtpaket von 1,2 Millionen Euro zu schultern, nicht nur den Kauf des Hauses über 510000 Euro. Ihr Mandant habe immer auch die Bauarbeiten bezahlen wollen. "Er ist blind, blauäugig und dumm in diese Geschichte hineingeraten", sagte die Rechtsanwältin des 35-Jährigen.

Richter und Staatsanwaltschaft sind jedoch davon überzeugt, dass der Angeklagte früh genug auf die Firmen hätte zugehen und sie informieren müssen, dass er kein Geld hat, die Arbeiten zu bezahlen. Zeugen könnten am zweiten Verhandlungstag, dem heutigen Donnerstag, Aufschluss über den genauen Hergang geben.

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