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Konstanz Biber beißt sich im Tägermoos durch

Biss-Spuren an Bäumen, Staudämme, Unterhöhlungen: Die Biber hinterlassen im Tägermoos deutliche Spuren. Trotz einiger Konflikte mit dem Menschen werden die Nagetiere als Bereicherung empfunden.

Der Stamm ist rundum angeknabbert. Im Tägermoos tragen Obstbäume an der Konstanzer Straße eindeutige Beißspuren von Bibern. Für Harald Jacoby, Vorsitzender des Naturschutzbunds (Nabu) in Konstanz, ist dies keine Überraschung. Seit Jahren schon, so sagt er, seien Biberfamilien grenzüberschreitend zwischen Ermatinger Becken, Gottlieben, dem Wollmatinger Ried und dem Tägermoos unterwegs. Die Tiere querten den Seerhein und bewegten sich in den Wassergräben dort. Die reinen Vegetarier ernähren sich im Sommer von Gräsern, Kräutern, Wasserpflanzen, Blättern sowie Gehölztrieben, im Winter fressen sie die Rinde von Bäumen und Sträuchern.

„Im Herbst sind die Biber besonders aktiv.“ Dann legten sie sich Vorräte mit Ästen an, die sie unter Wasser in ihren Burgen lagern. Einer dieser Bauten steht nahe der Gottlieber Werft. Von dort aus reiche das Revier bis über den Seerhein ins Wollmatinger Ried. Entlang des Seerheins seien einige Bäume schon mit Manschetten aus Gitterdraht gegen Biberbisse geschützt. Der Biber setze dann auch mal über den Seerhein, um an die Rinden von Weichhölzern zu kommen. Bevorzugt würden dabei Pappeln und Weiden. In einem Fall habe sich ein Biber an einem Weidenstamm im Wollmatinger Ried zwei Meter in die Höhe gearbeitet und dort erst begonnen, am Baum zu nagen.

„Welche Sippschaft sich im Tägermoos zu schaffen macht, kann ich nicht sagen“, erzählt Jacoby. Junge Biber müssen sich etwa drei Jahre nach der Geburt neue Reviere erobern. Ob nun solche oder die Bewohner der Biberburg von Gottlieben die Bäume annagten, sei nicht bekannt. Auch im Wollmatinger Ried seien Biber schon in Konflikt mit den Menschen gekommen. Ausgerechnet an einem Kläranlagenkanal hätten sie Staudämme bauen wollen. Dies sei mit einem Gitter unterbunden worden.

Andreas Böhler, Landwirt vom Ziegelhof im Tägermoos, berichtet von einigen Problemen durch die Nager. So seien schon mehrfach Wege in der Nähe von Drainagegräben durch die Tiere unterhöhlt worden. Die Löcher seien so groß gewesen, dass ein Traktor, der dorthinein geriet, hätte umstürzen können. Die Leerstellen seien von der Stadt Konstanz wieder gefüllt worden. Zudem habe es schon Versuche der Tiere gegeben, die Drainagegräben zu verstopfen. Auch diese Eingriffe seien wieder beseitigt worden. Grundsätzlich aber, so sagt er, habe er Freude daran, dass sich der Biber im Tägermoos wieder heimisch fühlt. Nach seiner Beobachtung sind dort mindestens zwei Tiere aktiv.

Auch der Naturschützer Harald Jacoby betrachtet die Wiederkehr des durch den Menschen im 19. Jahrhundert fast schon ausgerotteten Tiers als Bereicherung. Fell und Fleisch der Tiere waren lange Zeit bei Jägern begehrt. Jacoby betont: „Es ist eine heimische Tierart.“ Wie lange es dauerte, bis der Biber am Seerhein wieder Fuß fasste, zeige ein Blick in die Wiederbesiedelung. Ende der 1960er-Jahre seien neun Biber aus Norwegen südlich von Stein am Rhein ausgesetzt worden, sagt Harald Jacoby. Inzwischen sollen im Kanton Thurgau wieder rund 500 Biber leben. 2011 fielen erste Bissspuren der Tiere im Wollmatinger Ried auf. In der Kulturlandschaft seien Konflikte mit dem Menschen wahrscheinlich. Der Raum, in dem sich die Tiere frei bewegen können, werde immer enger.

Naturschutzverbände verweisen auf einfache Möglichkeiten, Bäume gegen die Bisse zu schützen: Durch Drahtmanschetten bis einen Meter Höhe oder durch ein Schutzmittel, dem grober Quarzsand beigemischt wurde. An Gärten, Wald- und Ackerflächen hätten sich zudem Elektrozäune bewährt.

Der europäische Biber
Der europäische Biber | Bild: Harald Olsen (CC BY-SA 3.0)

Das Tier

Der Biber zählt zum weltweit zweitgrößten Nagetier. Er kann bis zu 1,3 Meter lang werden und mehr als 30 Kilogramm auf die Waage bringen. Die Lebenserwartung liegt bei 12 bis 14 Jahren. Der Biber lebt in und am Wasser. Tagsüber hält er sich im Bau auf, in der Dämmerung und nachts ist er in seinem Revier unterwegs. Der Biber kennt keine Winterruhe, ist in der Kälte nur etwas weniger aktiv als im Sommer. Wegen der Fressgewohnheiten fallen Biberbisse im Winter aber besonders auf. Während sich die Nager im Sommer von Gräsern, Kräutern, Wasserpflanzen, Blättern sowie Gehölztrieben ernähren, knabbern sie im Winter die Rinde von Bäumen und Sträuchern ab. Es ist verboten, Bibern nachzustellen, sie zu stören oder ihre Baue und Dämme zu zerstören. (rin)

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