Konstanz Bernhard Gedrat trommelt für die Jugend
Spielwiese für Sport, Kultur und Entspannung: Bernhard Gedrat will Jugendlichen der Stadt einen neuen Freiraum geben. Was ihm fehlt ist allerdings jemand, der das bezahlt. Bild: hanser
Konstanz – Bernhard Gedrat (55) denkt gerne an die Vergangenheit. Seit 1969 lebt er in Konstanz und seine Jugendzeit, „die wilden Jahre“, wie er sagt, hat er genossen. Er erinnert sich an eine Vielzahl freier Plätze, Grünflächen und Nischen, wo sich Jugendliche treffen konnten. „Das war damals an vielen Orten möglich: am Bundesbahngelände, wo jetzt das Lago steht, oder am Tannenhof, an der Chérisykaserne oder auch im Stromeyersdorf“, so Gedrat. Denkt er an die Gegenwart oder die Zukunft, dann verdunkelt sich seine Miene eher. „Viel zu viel wird inzwischen zugebaut, alles wird zugepflastert. Ist doch kein Wunder, dass dieser enge Lebensraum Unzufriedenheit schafft“, sagt Gedrat.
Damit kritisiert der Musiker vor allem das städtische Baukonzept der Nachverdichtung: Um neuen Wohnraum zu schaffen, werden zunächst noch freie Flächen zwischen bereits bestehenden Häusern erschlossen. Dadurch verschwinden freie Grünflächen, die Stadt wächst aber natürlicher. Dass die Nachverdichtung Ursprung der Jugendproblematik ist, will Jürgen Treude, Jugendamtsleiter der Stadt, nicht so recht glauben: „Man würde es sich zu leicht machen, wenn man das komplexe Thema auf eine Ursache zurückführen wollte.“
Allerdings: Gedrat, Musiker und Chef der Musikwerkstatt Musambara, kennt die Jugendlichen in Konstanz ziemlich gut. Immer wieder hat er mit ihnen zu tun: Im Guten bei seinen regelmäßigen Fußballturnieren (siehe Infokasten), im Schlechten, wenn es Ärger gibt mit betrunkenen Jugendlichen, die an seiner Musikwerkstatt vorbeiziehen. Der Trommler und selbsternannte Jugendarbeiter beobachtet eine steigende Aggressivität und ist sich sicher, dass das auch was mit der immer stärkeren Einschränkung von Aufenthaltsräumen für Jugendliche zu tun hat. Er sieht zu viele Verbote, zu viel Ausgrenzung und befürchtet, dass die Stadt ihre Zukunft verspielt, wenn sie so wenig Rücksicht auf die Jugend nimmt. „Der erste Kuss, der erste Rausch: Jugendliche brauchen einfach Räume, um sich auszuprobieren. Das gehört doch zum Erwachsenwerden dazu“, findet Gedrat.
Deshalb schließt sich der 55-Jährige den Forderungen der Jugendinitiative „Pro Freiraum“ an. Die hatten vor wenigen Wochen nachdrücklich darauf hingewiesen, dass es für sie zu wenig Platz in der Stadt gebe. „Ich finde es gut, dass sie sich wehren. Sonst hört man ihnen ja nicht zu“, sagt Bernhard Gedrat. Er selbst will neue Räume für junge Menschen schaffen, aber nicht nur für die. „Das ist ein altersübergreifendes Thema“, sagt er. Die große Wiese im Chérisy-Areal (hinter dem Zebrakino) will er dafür nutzen. „Sport, Kultur im Freien, Events, Feste – alles könnte hier stattfinden“, sagt Gedrat. Hierfür will er einen Investor finden. Denn: Das Grundstück gehört der Bezirkssparkasse Reichenau. Im vergangenen Jahr gab es mal Pläne für eine Hotelbebauung, die sind aber gescheitert. Aktuell gibt es keine Pläne für die Fläche bei der Sparkasse. Einfach so hergeben wird das Geldinstitut den Platz sicher nicht. Gedrat hat dennoch Hoffnung, dass sich für seine Idee noch ein Investor findet. „Davon würden alle profitieren“, glaubt er.
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