Es ist ein Coup, der an die nächtliche Aufstellung der Imperia-Statue am Konstanzer Hafen im Jahr 1993 erinnert – doch der Schabernack hielt nicht lange. Während halb Konstanz noch darüber rätselte, wer in der Nacht zum Mittwoch ein Schelmenstück erster Klasse an der Bundesstraße 33 vollbracht hat, haben die Bauarbeiter dem Spaß ein rasches Ende bereitet. Der auf der – für ihre massive Ausführung und enorme Größe oft bespotteten – neuen Grünbrücke nahe der Abfahrt zur Insel Reichenau angebrachte Elefant war sehr schnell wieder abgebaut.
Die durchaus solide Konstruktion mit Metallgerüst und großen bemalten Holzplatten ist mehrere Meter hoch und breit und gekonnt bemalt. Unübersehbar grüßte die satirische Tierstatue die Autofahrer, die aus Richtung Allensbach nach Konstanz fuhren. Schon in den ersten Stunden hatte der Elefant viel Gelächter ausgelöst, wie die Reaktionen gegenüber dem SÜDKURIER zeigen.
Weniger witzig fand die Straßenbaubehörde die Aktion. Dieter Bollinger, Chef der zuständigen Neubauleitung Singen, erfuhr erst durch einen Anruf der Redaktion von der Nacht- und Nebelaktion. Schon zur Mittagszeit teilte er mit, der Elefant sei wieder abgebaut worden. Offenbar sahen die Fachleute das Risiko, dass das Kunstwerk trotz solider handwerklicher Ausführung auf die Fahrbahn, die gerade von zwei auf vier Spuren erweitert wird, stürzen könnte. Ein Bekennerschreiben oder ein anderer Hinweis auf die Urheber habe man an dem Elefanten nicht gefunden: „Wir haben keine Ahnung, wer hinter der Aktion stecken könnte.“
Wer die Urheber des fast fasnächtlich anmutenden Schabernacks sind, bleibt nicht nur für Bollinger unklar. Anzeige bei der Polizei wurde zunächst nicht erstattet, wie ein Sprecher sagte. Ob das Aufstellen des Elefanten als gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr nach Paragraph 315b des Strafgesetzbuches darstellt, dürfte umstritten sein.
Ein erster Verdacht fiel auf die Erste Konstanzer Karnevalsgesellschaft Elefanten AG, die immer wieder Späße mit ihrem Wappentier treibt. Elefanten-Präsident Markus Biehler, selbst Handwerker, wies seine Beteiligung allerdings weit von sich: „Leider nicht, auf diese Idee wären wir auch gerne gekommen“, entgegnete er auf die Frage, ob seine Gruppe das auffällige Tier an die Straße gestellt habe.
Gut möglich ist unterdessen, dass der Elefant an der Bundesstraße kein Einzelstück bleibt. Selbst wenn die Konstanzer Elefanten AG das kleine Kunstwerk nicht aufgestellt hat, könnten sich andere Narrengesellschaften im ironischen Kräftemessen durchaus inspiriert fühlen – in der Stadt gibt es unter anderem noch eine Kamelia, die Giraffen, die Quaker sowie die Kuckuck.
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