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04.02.2013  |  von  |  1 Kommentare

Konstanz Begegnungszone: Hochrisikogebiet für Behinderte

Konstanz -  Conrad Schechter ist der Behindertenbeauftragte der Stadt Konstanz. Wie dringend dieser Mann in Konstanz gebraucht wird, zeigt sich am Donnerstagabend. Die Dauer-Klagen über den Bahnhofplatz geben ihm Recht doch gegen die Macht der Verwaltung kommt er oft nicht an.

Mitglieder der Gruppe „Wir-na-und“ machen in der Bürgerfragestunde im Ratssaal deutlich, dass sie mit der Gestaltung des Münsterplatzes und der Begegnungszone weiterhin große Probleme haben.  Bild: Hanser

2008 freuten sie sich über Fortschritte bei der Barrierefreiheit am Münsterplatz. Heute ist das Verhältnis zwischen Conrad Schechter (links) und Bürgermeister Kurt Werner nicht mehr so gut.

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Redakteur Konstanz / Regionalleiter

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Wie dringend dieser Mann in Konstanz gebraucht wird, zeigt sich nur eine Stunde nachdem die Politiker ihre lobenden Sätze gesagt haben. Donnerstagabend, 18 Uhr, Bürgerfragestunde im Gemeinderat. Überraschend hat sich eine kleine Demo zusammengefunden von genau den Menschen, denen Conrad Schechter seine Stimme gibt. Die mitgebrachten Protest-Tafeln schwenken sie dann doch nicht, aber in Redebeiträgen machen sie ihrer tiefen Enttäuschung Luft. Die Begegnungszone am Bahnhof ist für sie ein Hochrisikogebiet, weil sie nicht gut sehen oder hören, auf den Rollstuhl angewiesen sind oder anderweitig Unterstützung brauchen.

Die Gruppe unter dem Dach der Caritas nennt sich „Wir-na-und“, und ihre Mitglieder mit und ohne Behinderung sind sichtlich aufgeregt, als sie an das Mikrofon im Ratssaal treten. Doch dann sagen sie in wenigen Minuten, was auch viele andere stört am umgebauten Bahnhofplatz: Stolperfallen an den hohen Bordsteinen, unklare Orientierung, Verwirrung durch die grünen Kringel-Linien, Angst vor dem Überqueren der Straße. Für die, die da sprechen, hat der Platz alles andere als Aufenthaltsqualität. Von einer zentralen Drehscheibe in Konstanz fühlen sie sich ausgeschlossen, von politischen Debatten und vom Verwaltungshandeln aber offenbar auch: „Wir wollen“, sagt eine Frau in einem bemerkenswerten Beitrag über den Ausschluss von Menschen aus dem öffentlichen Raum, „zum Teil der Lösung werden.“



Conrad Schechter, seine Aufgaben und Positionen
  • Der Mann: Conrad Schechter, 52 Jahre alt, wurde 2006 erstmals vom Gemeinderat zum städtischen Beauftragten für Menschen mit Behinderungen gewählt. Fast blind, weiß er selbst, was es heißt, durch eine körperliche Benachteiligung Hürden und Hindernisse im Alltag meistern zu müssen. Der gelernte Verwaltungswissenschaftler kennt sich in Bau- und Planungsrecht aus. Er wurde mehrfach im Amt bestätigt und erstattet dem Gemeinderat jährlich Bericht über seine Arbeit.
  • Die Probleme: Immer wieder hat Conrad Schechter, was zum Teil durchaus auch in der Natur der Aufgabe liegt, die Arbeit im Baudezernat beklagt. So hat er den Eindruck, dass seine Einwände nicht immer ernst genommen werden und dass er, wenn überhaupt, erst spät einbezogen wird. Von Anfang an sagte er etwa, dass eine Begegnungszone am Bahnhof für Behinderte schwierig ist und hat damit Recht behalten. Seit Amtsantritt kämpft er auch für einen besser begehbaren Münsterplatz und für einen barrierefreien Zugang zu allen Bahngleisen.
  • Der Anspruch: Die Stadt Konstanz hat im Frühsommer 2008 die Erklärung von Barcelona unterzeichnet. Sie verpflichtet sich darin unter anderem, Behinderten den Zugang zu Kultur-, Sport und Freizeitangeboten zu ermöglichen. Seither gibt es einen Rechtsanspruch auf Inklusion, also auf Teilhabe an der Gesellschaft. Das gilt auch für Schulen: Behinderte dürfen demnach nicht mehr auf eine Sonderschule gezwungen werden.
  • Die Zukunft: Bei der geplanten Neuwahl des Behindertenbeauftragten im November hatte Schechter überraschend einen Gegenkandidaten, Stephan Grumbt. Wie damals im Rat beschlossen, sollen die beiden das Amt künftig gemeinsam ausüben. Die Gespräche mit den Betroffenen liefen, so Hauptamtsleiter Roland Bunten. Das weitere Vorgehen soll den Kommunalpolitikern bald im Haupt- und Finanzausschuss vorgestellt werden, eine gütliche Einigung scheint bevorzustehen
 

Die Stadträte applaudieren den „Wir-na-und“-Mitgliedern fleißig. Der Behindertenbeauftragte hatte ebenfalls den Bahnhof und sein Umfeld angesprochen, als er endlich im Gemeinderat seinen Tätigkeitsbericht vorstellen durfte – im November war dafür keine Zeit gewesen. Als zweite große Arena nennt Schechter den Münsterplatz. Sanft, aber klar erinnert er daran, dass es ein Jahr her ist, dass der Gemeinderat einen Grundsatzbeschluss zur Barrierefreiheit getroffen hat. Nun gibt es am Dienstag, 5. Februar, um 15.15 Uhr einen Ortstermin des Technischen und Umweltausschusses. Schechter bemerkt dazu: „Ein Ende der Nachbesserungsversuche scheint absehbar.“

Seinen Partner sieht der vom Rat bestellte Beauftragte vor allem im Gemeinderat und weniger in den Amtsstuben. „Gegen den Widerstand der Verwaltung“ habe der Rat das Thema Münsterplatz vorangebracht, sagt er. Und auf eine Nachfrage von SPD-Stadträtin Sonja Hotz sagt er ganz ruhig, dass er in der Stadt auch fünf Jahre nach Unterzeichnung der Erklärung von Barcelona meist vor vollendete Tatsachen gestellt wird. In dem Papier verpflichtet sich Konstanz, gleichwertige Lebensbedingungen für Behinderte zu schaffen. In der Realität bekommt Schechter Papiere für die politische Beratung erst, „wenn die Vorlage schon fertig ist.“

Beim Bahnhof- wie beim Münsterplatz könne er sich auf die CDU verlassen, sagt Stadtrat Andreas Ellegast; Ewald Weisschedel (Freie Wähler) lobt Schechters Fingerzeige auf „Dinge, die wir sonst nicht sehen würden“, Christiane Kreitmeier (FGL) würdigt seine Ausdauer, Vera Hemm (Linke) bedankt sich vorfasnächtlich mit einigen Reimen bei Conrad Schechter.

Abgekartete politische Spiele sind Schechters Sache nicht, der Auftritt der Caritas-Gruppe war nicht mit ihm abgestimmt. Daher ist er schon weg, als OB Burchardt seinem Baubürgermeister eine Antwort auf die Kritik der Behinderten und Nichtbehinderten abverlangt. Kurt Werner verweist darauf, man habe eine gemeinsame Ortsbegehung gemacht. Und: „Wir sind daran, diese Dinge aufzunehmen.“

Die Begegnungszone am Konstanzer Bahnhof sorgt für viel Diskussionsstoff.

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1 Kommentare
Gefahr beim Übergang von Querungen an Lichtzeichenanlagen
Auch nicht ganz ungefährlich ist so mach eine Querung in Konstanz.

Hier nur ein Beispiel:

So besteht z.B. an der Querung Zähringerplatz Ecke Jahnstraße die Gefahr,
dass trotz grüner Signalisierung
( besagt, das Fussgänger ohne Gefährdung durch Pkws, Radfahrer )
Radfahrer einem umfahren.

Für die Radfahrer
ist auf dem abgesetzten benutzungspflichtigen Radweg in Höhe des Lichtzeichenmaste an der Jahnstraße keine Haltelinie angebracht und somit fahren sie auch meist bei ROT erlaubt!! weiter.

Spätestens mit Umsetzung der neuen StVO2013
muss es geändert werden!!!!
Aber könnte man ja auch früher, z.B. umgehend,
denn bekannt ist der Verwaltung die Gefahrenstelle schon länger.

Danken würden es alle Fussgängen, da bin ich mir sicher.
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