Am Ende waren alle sauer. Ein Mann in einem Baum, der eigentlich nur seiner Arbeit nachgehen wollte, einige Bürger am Boden, die genau das verhindern wollten, und ein bisschen auch die Polizei, die nicht wusste, weshalb sie eigentlich gerufen wurde.
Im Mittelpunkt des Ganzen stand eine Magnolie auf einem Grundstück nahe der Stephanskirche. Diese sollte ebenso gefällt werden wie ein weiterer Baum im Hof des Hauses. Ein Nachbar hatte die Situation beobachtet und die Polizei gerufen, weil er nicht verstehen konnte, weshalb ein gesunder Baum einfach so gefällt werden darf. Er sprach den Baumbearbeiter an und bekam zur Antwort, dass dieser nur einen Auftrag ausführe. Doch der Lärm der Motorsäge lockte weitere Menschen an und alle fragten sich, ob das rechtens ist, was da vor sich geht.
Erst Jörg Bambusch vom städtischen Amt für Stadtplanung und Umwelt konnte aufklären. Er vermaß die Bäume. Das Ergebnis: Der Stamm hat bei einem Meter Höhe nicht mehr als einen Meter Durchmesser. Deshalb sei die Fällaktion kein Verstoß gegen die Baumschutzsatzung. Freilich lag der Wert nur knapp darunter, denn die gefällten Bäume maßen an den entscheidenden Stellen 99 Zentimeter beziehungsweise einen Meter. "Schade, dass man sich hier mehr an den Wortlaut des Gesetzes hält als nach dem Sinn des Gesetzes zu handeln", sagte ein Beobachter. (lün)
