Radfahrer müssen an Konstanzer Neubauten künftig mindestens so gut versorgt werden wie Autobesitzer: Bauherren müssen bei neuen Vorhaben überdachte Stellplätze vorhalten, an denen das Rad stabil angeschlossen und ohne Umstellen anderer Drahtesel abgestellt und wieder abgeholt werden kann. Bei Wohnungen muss je 30 Quadratmeter Wohnfläche ein Stellplatz errichtet werden (höchstens aber vier pro Wohnung), bei Büro- oder Praxisräumen sowie Geschäften richtet sich die Zahl nach der Fläche. Eine Arztpraxis im Neubau mit 150 Quadratmetern muss demnach mit fünf, ein neuer Supermarkt mit 1000 Quadratmetern mit 13 überdachten Stellplätzen ausgestattet werden.
Bei Grundschulen gilt in etwa: Ein Stellplatz pro drei Schüler, bei allgemeinbildenden Schulen sind für drei Schüler zwei Plätze vorzusehen. Und würde die Universität heute neu gebaut, müsste sie mehr als 7000 überdachte, einzelne Fahrradstellplätze, jeden mit solidem Bügel zum Anschließen des Rahmens, bereitstellen. So sieht es die am Donnerstag vom Gemeinderat erlassene „Satzung über die Herstellung und Bereithaltung von Fahrradabstellanlagen“ vor. Sie tritt zum 1. September in Kraft. Wer das neue Regelwerk als Bauherr nicht einhält, muss bis zu 100 000 Euro Strafe zahlen.
Im Gemeinderat gab es keine Debatte über das Thema mehr, obwohl nicht alle Stadträte mit der neuen Regelung – eine ähnliche wird bereits seit Jahren in Friedrichshafen angewendet – einverstanden sind. Grüne, SPD, Linke und Teile der CDU waren dafür. FDP, Freie Wähler und Klaus-Peter Koßmehl von der CDU wollten entweder Radlern nicht so viel Komfort ermöglichen oder Bauherren nicht so hohe Lasten aufbürden. Bei neun Gegenstimmen wurde die Satzung am Ende erlassen.
Nicht erfüllen wollten die Stadträte dagegen mehrheitlich einen anderen Wunsch aus dem Arbeitskreis Radverkehr. Der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen wird Konstanz nicht beitreten, die Abstimmung endete mit 18 Nein- und 15 Ja-Stimmen. Vor allem im bürgerlichen Lager gab es schwere Vorbehalte gegen den geforderten Jahresbeitrag von 3000 Euro. Heinrich Fuchs (CDU) fand das viel zu viel. Peter Müller-Neff und Günter Beyer-Köhler (beide Freie Grüne Liste) sahen das anders, und Jürgen Ruff (SPD) glaubte, dass durch den Beitritt die Verwaltung Wissen erwerben könne, das in Konstanz offensichtlich fehle.
Jürgen Faden schlug schließlich vor, das Geld doch lieber in Verbesserungen für Radler zu stecken als in einen „Debattierclub“. Große Sprünge sind mit den 3000 Euro im Jahr freilich nicht drin: Wie Baubürgermeister Kurt Werner auf eine Frage von Roland Wallisch erklärte, kostete allein die allgemein für gut befundene Markierung der neuen Radweg-Führung am Fischmarkt und in Richtung Bahnhof 15 000 Euro.
Gutes Radwegenetz und ebene Strecken: Konstanz gilt als Paradies für Radfahrer. Doch nicht alles ist aus Sicht der Radler so rosig wie es scheint - sie fordern weitere Verbesserungen am Radwegenetz. Und auch mit anderen Verkehrsteilnehmern kommen Radfahrer in Konstanz immer wieder in Konflikt. Lesen Sie alles rund ums Thema in unserem Online-Dossier.

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