Die Dramatik am Markt lässt sich aus den Wobak-Zahlen fürs vergangene Jahr lesen: 2483 Bürger bemühten sie um eine Wobak-Wohnung, 8,6 Prozent mehr als im Vorjahr. 191 kamen tatsächlich mit einer Wobak-Wohnung neu zum Zuge.
Dabei hatte die Wobak Millionen in Neubauten investiert. Vergangenes Jahr vollendete sie das 15,5 Millionen-Euro-Projekt für 109 Wohnungen an der Bruder-Klaus-Straße. Weiter legte die Gesellschaft die Grundsteine für Neubauten in der Schillerstraße (fünf Wohnungen), in der Unterseestraße (16 Familienwohnungen), am Schreinerweg (zehn Wohnungen) sowie am Bahnhof Petershausen (143 Studentenzimmer und 18 Familienwohnungen).
Jacob-Burckhardt-Straße: Noch bis Mitte 2013 nutzt die Universität die Laborhäuser in der Jacob-Burckhardt-Straße. Danach wollen die Stadt und die Wobak auf dem 10 000 Quadratmeter großen Grundstück neue Wohnungen bauen.Ein Architekten-Wettbewerb ist geplant.
Martin-Schleyer-Straße 29: Die Wobak hat in Litzelstetten-Mitte das 1100 Quadratmeter große Grundstück übernommen. Sie hält es für künftige Bebauungen vor.
Riedstraße 8: Die Wobak hat das noch vermietete Wohnhaus erworben. Das Grundstück kann langfristig neu überplant und bebaut werden.
Zum Jahreswechsel hatte die Wobak 3606 eigene Wohnungen. Dennoch gelang es ihr nicht, die lange Warteliste mit Wohnungssuchenden abzubauen, dies bestätigt Hans-Joachim Lehmann, Referent der Wobak-Geschäftsführung, auf Nachfragen. Er beziffert die Zahl der Bürger, die ganz dringend auf eine günstige Mietwohnung warten auf 200 bis 300 im Jahr. Diese Zahl sei seit Jahren konstant. Vielfach betroffen seien Familien, die in deutlich zu kleinen oder zu teuren Wohnungen lebten.
Lehmann erklärt sich den Dauermangel mit der wachsenden Wohnbevölkerung, aber auch dem Wegfall von günstigem Wohnraum an anderer Stelle, etwa durch Abbruch. Wegen des engen Markts verlasse auch kaum jemand eine günstige Wobak-Wohnung. Auch bei den frei, also ohne Zuschüsse, finanzierten Wohnungen bleibe die Wobak im Schnitt zehn Prozent unter den Preisen, die im Konstanzer Mietspiegel ermittelt wurden, sagt Lehmann. Die Wobak wirke so preisdämpfend am Markt.
Eine der größten Herausforderungen in Konstanz sieht Lehmann in der energetischen Modernisierung des Wohnungs-Altbestands, ohne einen Preissprung bei den Warmmieten auszulösen. Denn dieser würde wegen des grundsätzlich schon sehr hohen Mietniveaus sozialen Sprengstoff bergen. Idealerweise sollten Neuerungen so starke Einsparungen bei den Energiekosten ermöglichen, dass die wegen der Sanierung angehobene Kaltmiete nicht ins Gewicht fällt. Die Warmmiete sollte also vor und nach der Sanierung etwa in gleicher Höhe liegen. Die bisherigen Förderangebote reichten nicht aus, um dieses Ziel zu erreichen, bemängelt Lehmann. Er hofft, dass die Bundespolitik reagiert. Vergangenes Jahr investierte die Wobak 7,43 Millionen Euro in die Modernisierung ihrer Wohnungen.
Weiter sieht Lehmann Korrekturbedarf bei der vom Land wieder aufgenommenen Wohnungsbauförderung. Aktuell sei sie so unattraktiv, dass sie kaum abgerufen werde. Der Verband baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen sei deswegen in Gesprächen. Trotz des Zuwachses an Wohnungen bleibt der Mitarbeiterstamm bei der Wobak nahezu gleich. Dank technischer Neuerungen sei es möglich, die Mehrarbeit auszugleichen, sagt Lehmann.
Große Nachfrage, wenig Platz, hohe Mieten: Die Lage auf dem Immobilienmarkt in Konstanz ist seit Jahren angespannt. Lesen Sie alles zum Thema Wohnen in unserem Themenpaket.

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