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Konstanz 

04.09.2007  .

Barocke Pracht trotz kleiner Besetzung

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Der Ensemble-Titel "Cologne New Philharmonic Chamber Orchestra" klingt nach größerer Besetzung. Doch auf dem Altar-Podium der Lutherkirche agierte, wenn Soli, Tutti und Continuo zusammenwirkten, ein Oktett. Gleichviel! Die Kölner Kammerstreicher samt Flöte und Cembalo musizierten mit Elan, Dynamik, Tempo, Farbigkeit, dass orchestrale Wirkungen erzielt und mit Bravo-verstärktem Langapplaus am Ende belohnt wurden. Der Stil der jungen Spieler erfreute durch Lust am Effekt und eine Kunst, die - schon von der Spar-Besetzung her - sich mühsamer Historisierung entzog. Sicher wurden beim Barockspiel die Taktakzente zuweilen etwas druckvoller von den Saiten geholt, was man erst so recht merkte, als im zweiten Teil die noble Sanglichkeit des Klassischen mit anderer Spielart sich vom Perücken-Stil unterschied: Ein Haydn-Adagio wie eine Bariton-Arie für Cello (weich, cantabel, fein phrasiert von Philipp von Morgen), Mozarts Divertimento KV 136 mit figurenreicher Durchführungsdramatik, lyrischem Andante, zart getupftem Rokoko im Finale, und in der Zugabe, wo Glucks "Selige Geister" mit sanftem Klangreigen bewiesen, wie lieblich selbst in der Unterwelt die Gefühle sich artikulieren können.

Sicher kann man sich den Kontrast von Solo und Tutti in Vivaldis "Vier Jahreszeiten" kräftiger, deftiger, vor allem bei den "alla rustica"-Szenen vorstellen. Dennoch hörte man die Violin-Bravour von Angelika Lichtenstern stets als profilierte Individualität. Wie da die Bilder eines ganzen Jahres in 39 Minuten konturensicher und mit gehörigen Affekten gemalt wurden, das überzeugte durch formklares Format und pittoreske Szenen. In die zwölf Sätze hat Vivaldi 34 Bilder, Stimmungen, Ereignisse, Gefühle hineinkomponiert und sogar mit dichterischen Worten festgeschrieben. Gemütlich feierte man den Frühling, die Geigen flatterten in die Baumkronen, wo dann die Sologeige Vögel mit Trillern und Triolen zwitschern ließ. Auf zart punktierter Blumenaue sang das Solo ein schönes Legato-Lied, ehe die Hirten ihre Siziliana tanzten. Der Sommer mit seinem Angst-Moll, seinen wilden Winden und seinen gewittrigen Klimakatastrophen (im Wintersturm später gesteigert) hatte Dramatik, der Herbst wurde zum Fest der Jäger und Bauern, der Winter rutschte auf den Skalen (immer notenexakt!) aus, ergötzte sich sanglich hinterm Ofen (mit etwas belebendem "Regietheater" der Cellostimme), bevor der Sturm in rasanten Zweiunddreißigsteln brillant dem Ende entgegentobte.

Auch Bachs h-moll-Suite bot Prunkbarock trotz kleiner Besetzung. Die Bassregion hatte mehr als das gewohnte Klanggewicht, wodurch die punktierten Ouvertüren-Schleifer markant bis theatralisch daherkamen. Die bassfreien Geigenklänge im Rondeau setzten sich wie Pastell- von Ölbildern ab. Der Sarabanden-Kanon konzertierte deutlicher. Andreas Haas blies die Flöte mit Eleganz, genau bis in die delikaten Nuancen und Ornamente der Polonaisen-Dublette. Die "Badinerie"-Tändelei wurde zum doppelten Virtuosenstück: Eine flotte Galanterie zuerst, mit gesteigertem Tempo und pfiffiger Piccoloflöte als Zugabe.

Helmut Weidhase

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