Konstanz Bahnhofs-Vorplatz wird zum Boulevard
So soll die Begegnungszone in Konstanz aussehnen. Zunächst wird sie aber nur provisorisch angelegt. Bild: Stadt Konstanz
Der Bahnhofplatz soll zum richtigen Boulevard werden, auf dem sich die Menschen wohlfühlen. Die Bezeichnung Begegnungszone ist daher etwas irreführend. Aber amtlich ist die Rede davon. Und sie soll so schnell wie möglich Wirklichkeit werden. Der Gemeinderat hat zwar nur eine provisorische Lösung beschlossen, doch Bürgermeister Kurt Werner hofft auf einen kompletten Umbau bis 2014. „Für das Oberzentrum und die Touristenstadt ist das eine zentrale Maßnahme.“
Fußgänger werden künftig auf dem Bahnhofplatz eine ganz andere Qualität erleben. „Teilweise verbreitern wir die Gehwege um vier Meter – das ist schon beachtlich“, berichtet Markus Heier vom Tiefbau- und Vermessungsamt. Was den Fußgängern zugeschlagen wird, geht den Autofahrern verloren: Die Fahrbahn verengt sich deutlich. Im Provisorium wird dies nicht mit den später vorgesehenen Platten erreicht, sondern mit Asphalt, der günstigeren Lösung. Mit den breiten Gehwegen und Tempo 20 wird der Verkehr deutlich verlangsamt, Fußgänger bekommen so mehr Sicherheit beim Überqueren der Straße. Der spätere Platten-Belag soll optisch dazu beitragen. Im Planungsprozess wurde breit über die Anliegen der Geh- und Sehbehinderten diskutiert. Ergebnis seien nun die Übergänge, die getestet werden, berichtet Kurt Werner.
Um den Durchgangsverkehr stärker in Richtung B 33/Schänzlebrücke zu verlagern, hat der Gemeinderat außerdem Tempo 30 ab dem Fischmarkt beschlossen und nachts in der Konzilstraße und auf der Laube. „Das ist der Einstieg in einen stadtverträglichen Verkehr“, kündigt Kurt Werner an. Es wird nur noch wenige Kurzzeit-Parkplätze geben. Mit einer großen Informationskampagne sollen die Verkehrsteilnehmer darauf vorbereitet werden.
Gegen das angekündigte Fällen von drei Ginkgobäumen vor der Ladenzeile am Bahnhof haben Bürger heftig protestiert. Bürgermeister Werner verteidigt dies aber, denn in diesen Bereich sollen die Bushaltestellen verlegt werden. In der endgültigen Begegnungszone wird der Boulevard von Platanen gesäumt sein. Durch den Schnitt lassen sie viel Licht durch. Kurt Werner spricht von italienischem Flair.
Derzeit ist aus rechtlichen Gründen nur ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich mit Tempo 20 möglich. Doch die Stadtverwaltung kämpft beim Land um eine Lösung nach Schweizer Vorbild mit Vorrang für Fußgänger: „Wir werden weiter dicke Bretter bohren.“ Das erhoffte Pilotprojekt im Land sei bislang nicht möglich. „Ich baue aber auf den Zeitgeist.“ Das Provisorium wird von April bis Juni gebaut. Bis Ende des Jahres läuft der Test, dann soll der Gemeinderat über den endgültigen Ausbau entscheiden. Kurt Werner ist überzeugt vom Erfolg: „Räumlich wird schon das Provisorium ein Gewinn für die Fußgänger sein.
“ Die Kosten in Höhe von rund 177 000 Euro trägt größtenteils der private Investor des Lago-Parkhauses, 40 000 Euro übernimmt die Stadt. Da der Bereich im Sanierungsgebiet liegt, erwartet Kurt Werner für den Ausbau, der rund 2,6 Millionen Euro Kosten wird, Zuschüsse in Höhe von etwa 800 000 Euro.

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