Kreis Konstanz – Tim Schäfer hat gestern seine Ausbildung als Berufkraftfahrer begonnen. Er ist einer von 18 Auszubildenden, die bei der Spedition Transco in Konstanz ihren ersten Arbeitstag haben. Viele Lehrlinge beginnen mit dem Eintritt in die Arbeitswelt einen neuen Lebensabschnitt. Nicht so Tim Schäfer. Er ist 26 Jahre alt und hat bereits zehn Jahre als Zweiradmechaniker gearbeitet. Während dieser Zeit hat er drei Jahre in Kanada verbracht und bemerkt, „dass ich sehr gerne auf Achse bin und daher noch etwas Neues lernen wollte“, so der Auszubildende. Schwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, hatte er nicht. „Ich habe schon vorher bei Transco gearbeitet und mich daher nur hier beworben“, so der Engener.
Doch nicht jeder Jugendliche konnte am 1. September mit der gewünschten Ausbildung beginnen. Laut Arbeitsagentur sind noch etwa 240 der 1249 Bewerber im Landkreis Konstanz unversorgt. Dem gegenüber stehen 315 unbesetzte Ausbildungsstellen. „Angebot und Nachfrage stimmen nicht immer überein“, erklärt Sascha Hain von der Agentur für Arbeit Konstanz. „Das Anforderungsprofil der Arbeitgeber entspricht oft nicht dem, was die Jugendlichen bieten können.“ Doch er betont, dass bis zum 30. September noch eingestellt wird. Im Agenturbezirk westlicher Bodensee seien nach diesem Datum im vergangenen Jahr nur noch 33 Jugendliche ohne Platz gewesen. Für diejenigen gibt es Nachvermittlungsaktionen. „Wir helfen den Jugendlichen dann bei der Suche nach konkreten Alternativen zum Traumjob“, so Hain.
Sowohl die Industrie- und Handelskammer (IHK) Hochrhein-Bodensee als auch die Handwerkskammer Konstanz sprechen von einer positiven Entwicklung der Einstellungszahlen. „Wir hatten selten so eine hohe Zahl an Ausbildungsverträgen wie dieses Jahr“, so Eva Wiedemann von der Handwerkskammer über die 349 neuen Lehrverträge im Landkreis Konstanz. „Wir bemühen uns schon sehr früh um die Jugendlichen“, erläutert Wiedemann. Die beliebtesten Berufe sind auch dieses Jahr wieder KfZ-Mechatroniker und Friseur. Die meisten offenen Stellen gibt es noch für Einzelhandelskaufleute und Köche.
Von „sehr positiven Entwicklungen in Industrie und Handel und einem Plus bei Ausbildungsverträgen von über zehn Prozent zum Vorjahr“ spricht auch Anja Schröder von der IHK. Bei den kaufmännischen Berufen macht sich der Aufschwung des Handels in den vergangenen zwei Jahren bemerkbar. „Wir haben allein hier 266 neue Lehrverträge, dazu zählen Kaufleute im Einzelhandel, Verkäufer und Drogisten“, sagt Schröder. Bei den technisch-gewerblichen Berufen liegt der Bereich Metalltechnik mit 180 Neueintragungen auf dem Spitzenplatz. Dazu gehören die beliebten Berufe Industriemechaniker und Mechatroniker.
„Auch wir haben dieses Jahr mehr Auszubildende als sonst“, sagt Lukas Bügler von der Spedition Transco. Dass eine Ausbildung Spaß macht, aber beileibe nicht immer ein Zuckerschlecken ist, weiß Sarah Baumgartner. Sie ist seit gestern im zweiten Lehrjahr als Speditionskauffrau bei Transco und hat einen Tipp für die Neulinge: „Man sollte sich nicht immer alles zu Herzen nehmen.“
