Bärbel Baumann war überrascht: Nichtsahnend war sie wie so oft auf die Autofähre Konstanz-Meersburg gefahren, um über den Bodensee zu schippern. Doch dann kamen mehrere Menschen auf sie zu: Die Konstanzerin ist ein Jubiläums-Fahrgast. Sie lenkte am Freitag den 75 millionsten Pkw auf eines der Fährschiffe der Stadtwerke Konstanz – zumindest symbolisch. Ganz genau konnte vorher niemand sagen, welches das Jubiläums-Auto sein würde. So durfte Glücksfee Amalie Vayhinger, Vorsitzende der Trachtengruppe Alt-Konstanz, einen Wagen auswählen. Statistische Hochrechnungen der Stadtwerke hatten ergeben, dass das 75 millionste Personenfahrzeug Mitte September auf die Fähre kommen würde. „Es ist eine beeindruckende Zahl, die zeigt, dass die Autofähre für Konstanz und die Region nach wie vor eine wichtige Rolle spielt“, freute sich Stadtwerke-Geschäftsführer Konrad Frommer.
Gemeinsam mit Fähre-Geschäftsbereichsleiter Stefan Ballier und der Besatzung der Fähre Lodi überreichte Frommer einige Flaschen Konstanzer Wein und zwei Gutscheine für die Bodensee-Therme Konstanz an Bärbel Baumann. Sie war gerade mit ihrer Schwester und ihrem Schwager aus Flensburg auf dem Weg zum Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen. „Ich wohne in der Nähe der Fähre und bin sehr oft mit ihr unterwegs, da sie mir weite Wege erspart“, erzählte die Rentnerin. „Und auf der Fähre fühle ich mich wie im Urlaub“, fügte sie lächelnd hinzu.
Die Verbindung zwischen Konstanz und Meersburg besteht inzwischen seit 84 Jahren. Im Jahr 1925 hat der damalige Konstanzer Gemeinderat beschlossen, eine Fähre nach Meersburg einzurichten. Kritiker waren gegen das Projekt, das Bürgermeister Fritz Arnold vorantrieb. Schließlich hatte die Stadt Konstanz nach dem Ersten Weltkrieg nicht viel Geld. So kursierten an Fasnacht 1927 aus Spott „Verlustanteil-Scheine“ für die Fähre. Die Entscheidung für das Projekt war also mutig, doch sie war richtig: Seit vielen Jahren ist die Fähre das einzige Transportmittel der Stadtwerke, das Geld erwirtschaftet. Durch den Erfolg der schwimmenden Brücke wird unter anderem das gut ausgebaute Busnetz finanziert. Welche Rolle die Fähre noch heute spielt, erklärte Konrad Frommer: „Diese Verbindung hat den Autofahrern bislang über vier Milliarden Straßenkilometer erspart“, sagte er.
Diese wären angefallen, wenn die Autos die 55 Kilometer um den Überlinger See nach Meersburg gefahren wären. Laut Stefan Ballier überqueren die sechs Fährschiffe jährlich über 61 000 Mal den Bodensee. Dabei befördern sie über vier Millionen Fahrgäste und rund 1,4 Millionen Autos. „Das ist in Europa einmalig“, so Ballier. Bis wieder ein Fahrgast mit Geschenken überrascht wird, dürfte es daher nicht mehr lange dauern: Laut einer Hochrechnung der Stadtwerke Konstanz könnte der 80 Millionste PkwEnde 2015 auf eine der Fähren rollen.

Alle Kommentare 