Konstanz Ausstellung „Spirit“ im Konstanzer Kulturzentrum veranstaltet Poetry Slam Workshop

Poetry Slam Workshop in der Ausstellung „Spirit“: Hier machen Gedichte und Geschichten Spaß.

Wer sich an zwei bestimmten Tagen durch Zufall in die Ausstellung „Spirit“ im Konstanzer Kulturzentrum verirrte, der traute seine Augen kaum. Zwischen den multimedialen Ausstellungsstücken standen da nämlich zehn Schüler im Halbkreis und brüllten ihrer Lehrer aus vollen Kehlen an: „Fischers Fritz fischt frische Fische!“ Doch dazu später mehr.

Literatur, das vergessen viele heute im Angesicht von aufkeimender Virtual Reality und allgegenwärtigen digitalen Diskursen, war einst ein absolut revolutionierendes Medium. Im Mittelalter war sie der High Society vorbehalten, später (nämlich im ausklingenden 18. Jahrhundert) diskutierte man im Angesicht der sogenannten Lesesucht sogar über das Verbot von bestimmten Büchern. Und Sprache erscheint als entscheidendes Identitätsmerkmal. Sei es der Dialekt als Spur der Heimat, sei es die verbindende Sprache als komplexer Marker eines ganzen Landes.

Dieser Verbund der Eigenschaften von Sprache offenbarte sich nun besonders prägnant im Richentalsaal des Konstanzer Kulturzentrum, wo sich auch die eingangs beschriebene Szene abspielte. Grund dafür: Ein Poetry Slam Workshop, mit intensiver Rückkopplung zur aktuellen Ausstellung, die sich vielschichtig mit den Themen Identität und kulturelle Prägung auseinandersetzt. „Fischers Fritz“ war hierbei Teil einiger kompakter Sprachübungen, die Dozent und Slammer Marvin Suckut mit einer achten Klasse des Ellenrieder Gymnasiums durchführte.

Im Zentrum des Workshops stand ein Genre, das bei den Schülern im Deutsch-Unterricht einen denkbar schweren Stand hat: Lyrik! Langweilig! Oder? Von wegen! Speziell im Poetry Slam, den typischen Dichterwettstreiten die sich weltweit größter Beliebtheit erfreuen, erlebte die große Kunst um Reime und Versmaß eine regelrechte Revolution. Das sieht auch Workshop-Leiter Marvin Suckut so, der sich als Veranstalter, Moderator, vor allem aber auch als Poet einen Namen in der deutschen Poetry-Slam-Szene gemacht hat. „Solche Workshops sind deshalb sinnvoll, weil man den Kindern einen cooleren Umgang mit Literatur vermittelt. In der Schule ist es meistens doch relativ stringent und man hat einfach diesen autoritären Lehrer-Charakter da vorne, der versucht etwas zu vermitteln, dass vielleicht nicht immer bei den Schülern auch ankommt. Vor allem Lyrik ist oft einfach ein Tabuthema – aber durch Poetry Slam gibt es die Möglichkeit zu zeigen, dass es cool sein kann Gedichte zu schreiben und das Geschichten nicht langweilig sind.“ Die Räumlichkeiten und der Geist der Ausstellung tun ihr Übriges: Die Schüler beziehen die Ausstellung aktiv in ihre Arbeit mit ein: Die zeltförmige Installation der Künstlerin Magda Korsinsky wird zum Rückzugs- und Reflektionsort, Adibal Abou-Chamats Fotographien „Borderlines“ zum Stichwortgeber. „Identität steht für Jugendliche im Zentrum ihres Selbstfindungsprozesses. Unterschiedliche kulturelle Bezüge gehören für viele zum Alltag.“, erklärt Monika Drach, Initiatorin der Ausstellung.

Und weiter: „Die beteiligten Schüler sind aufgefordert, ihre eigene Biografie und Erfahrungen zu befragen, andere Wahrnehmungen kennenzulernen. Die künstlerischen Arbeiten in der Ausstellung sind Impulsgeber für eigene Gedanken und Assoziationen und schaffen ganz unkompliziert einen Umgang mit zeitgenössischer Kunst.“ Und genau das funktioniert: Die Texte der Schüler beziehen sich direkt auf unterschiedliche Werke der vier ausstellenden Künstlerinnen – ein Großteil der Texte sind explizit selbstreflexiv und politisch.

Workshop als Film

Die Ausstellung "Spirit" ist eine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit Erinnerung und Biografie, Kultur und Identität, Spiritualität und Religion. Der Poetry-Slam-Workshop wird nun in filmischer Form selbst zum Teil der Ausstellung. Darüber hinaus findet am 4. Februar noch die Schreibwerkstatt mit Sudabeh Mohafez statt. Anmeldeschluss: 2. Februar.

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