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Konstanz Ausflug in die dritte Dimension: Wie ein Redakteur ein Segelflugzeu steuert

Die Region von oben, ganz leise, ohne Motorengeräusch: Wie ein Redakteur in die Luft geht und den Segelflieger selbst steuert.

Den Griff am Fallschirm erst nach dem Ausstieg ziehen. Bloß nicht zuvor. Ausstieg? Und das ist der Hebel für den Notfall. Kräftig daran ziehen. Dann sollte der Gegenwind das Verdeck des Segelflugzeugs wegreißen. Falls nicht, sagt Sven Scharr, noch einmal kräftig dagegen pressen. War das wirklich eine so gute Idee, mit ihm in die Lüfte zu gehen? Ein mulmiges Gefühl macht sich breit.



Scharr, noch nicht einmal Mitte 20, beruhigt. Den Notausstieg bräuchten wir sicherlich nicht. Es ist ein herrlicher Tag. Die Sonne strahlt, allerdings ist es diesig. Eine Kaltfront sei angekündigt, sagt Ingo Schwabbaur und blickt gen Himmel über dem Konstanzer Flugplatz. An diesem Morgen schult die Segelfluggruppe Konstanz ihren Nachwuchs. Sven Scharr ist der Fluglehrer. Ingo Schwabbaur zieht als Pilot der Schleppmaschine (DR400) das Segelflugzeug (ASK21) binnen kurzer Zeit nach oben. Er legt mir noch den Fallschirm an, bevor ich auf dem vorderen Sitz des Seglers Platz nehme. Scharr erklärt die Instrumente. Und los geht's.

Wie in einem Schlitten, unter dem Segelflugzeug sind Miniräder, gleiten wir im Schlepptau Schwabbaurs über das Gras am Flugplatz. Wir schweben schon in der Luft, als sich das schwerere Motorflugzeug endlich erhebt. Mit Kurs auf die Reichenau gewinnen wir an Höhe, die Häuser der Insel werden zu Punkten, andere bunte Tüpfelchen fahren auf grauen Bändern. Einen halben Kilometer über der Region konzentrieren sich die Gedanken für mich aufs Wesentliche. Was passiert, wenn jetzt etwas schief geht? Dann gibt es ja noch den Fallschirm. Mit Sven Scharr an meiner Seite, vielmehr im Rücken, mit dem angehenden Verkehrspiloten und erfahrenen Fluglehrer des Konstanzer Vereins sollte es doch soweit nicht kommen. Wir fliegen die Kurve, immer noch verbunden mit Schwabbaurs Maschine, und können die Topografie des Bodanrücks analysieren.

Je länger wir in der Luft sind, desto mehr entweicht meine Anspannung. Auch, als Sven Scharr den Hebel zieht – zum Ausklinken aus dem Zugseil. Ingo Schwabbaur dreht ab und kehrt zum Flugplatz zurück. Je weiter er sich mit dem Motorflugzeug entfernt, desto ruhiger wird's im Segelflugzeug. Nur der Flugwind kommt als leichtes Zischen an. Das lauter wird, wenn die Insassen eine kleine Luke öffnen und Frischluft hinein lassen – notwendig bei Sonnenschein und zwei Personen im aufgehitzten Cockpit. Wir schweben. Die Thermik wiegt uns behutsam.

Generell ist die Regel, dass Segelflieger nördlich des Areals kreisen, Motorflieger südlich unterwegs sind. Somit kommen sie einander möglichst nicht in die Quere. Ein Instrument zeigt zwar nahende Flugzeuge an. Jedoch nur jene Segelflugzeuge, die dieselbe Technik installiert haben. Ansonsten heißt es: Obacht geben und Augen offen halten.

„Fliegen Sie jetzt mal“, fordert mich Sven Scharr auf. Es sei gar nicht schwer. Rechtes Pedal drücken und Steuerknüppel nach rechts, dann fliegen wir logischerweise eine Rechtskurve. Klingt einfacher als gesagt. Gleichzeitig muss ich darauf achten, den Joystick nicht nach vorne oder hinten zu bewegen, um nicht einen Salto zu schlagen oder einen Sturzflug zu provozieren. Segelfliegen ist nichts für Grobmotoriker. Eine gute Koordination ist Voraussetzung. Alles eine Frage der Übung, sagt Scharr. Er übernimmt wieder das Ruder. Sicher ist sicher. Er fliegt eine letzte Schleife. Von Westen setzen wir auf die Landebahn auf. Es ruckelt, wippt bei jeder Bodenwelle. Leicht verschwitzt, aber mit dem Gefühl der erlebten Vogelfreiheit steige ich aus dem Flugzeug. Ein Ausflug in die dritte Dimension, wie Winfried Boos von der Segelfluggruppe im Interview sagte, endet. Was war das noch? Ach ja, der Hebel für den Notausstieg. Unnötig.

Der Weg zum Piloten

Im Alter von 14 Jahren dürfen Interessierte mit den Flugstunden beginnen. Es muss jedoch ein Lehrer dabei sein. Erst mit 16 Jahren darf die Prüfung abgelegt werden und das selbständige Fliegen ist möglich. Zwei Prüfer müssen aber unabhängig voneinander das Können bescheinigen. Piloten müssen immer wieder Tests auf ihre Flugtauglichkeit ablegen. Die Segelfluggruppe in Konstanz bildet zum Pilot aus. Der Verein hat einen Doppelsitzer zur Ausbildung, einen Einsitzer, ein Schleppflugzeug und einen Motorsegler.
 

Im Internet:
 

www.segelfluggruppe-konstanz.de

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Wir in Konstanz: Wir in Konstanz: Das sind über 81.000 Bürger, das sind mehr als 90 Vereine mit fast 32.000 Mitgliedern, davon über 9600 Jugendliche. Für Allensbach (über 7000 Einwohner) stehen 57 Vereine im Register und für die Gemeinde Reichenau (rund 5100 Einwohner) 49 Vereine zu Buche. Mit der Printseite »Wir in Konstanz« wirft die Lokalredaktion einen Blick hinter die Kulissen von Vereinen und Gruppen. Gibt es auch Interessantes aus Ihrem Verein zu berichten? Schreiben Sie uns per E-Mail: wirinkonstanz@suedkurier.de
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