Konstanz Aus dem Leben vieler Widerstandskämpfer
Jürgen Weber zeigt eine andere Seite von Italien – jenseits der Reiseführer. Bild: Bild: archiv
Die Deutschen lieben Italien. In Massen reisen sie im Frühling, Sommer und Herbst in die Toskana, nach Rom, in die Emilia Romagna oder nach Sardinien – und genießen das, was sie für das ‚dolce vita' halten. Über die italienische Geschichte wissen die meisten Deutschen indes eher wenig. Auch dann, wenn die Historie direkt das deutsch-italienische Verhältnis betrifft. Der Konstanzer Autor Jürgen Weber möchte das jetzt ändern. Mit seinem Buch „Einmal Partisan – immer Partisan. Partisaninnen und Partisanen im Piemont und die Befreiung Turins 1945“ beleuchtet er einen Teil der Geschichte, der hierzulande zumeist im Dunkeln liegt. Er habe das Buch aus einer inneren Verpflichtung heraus gemacht; weil die Geschichten der Zeitzeugen von damals erhalten bleiben sollten, findet Jürgen Weber.
Und so machte er sich vor 16 Jahren zum ersten Mal auf den Weg in die Bergregion um Turin. Damals war er mit einem Filmteam unterwegs und befragte Protagonisten der italienischen Partisanenszene. „Damals gab es zunächst Vorbehalte gegen mich als Deutschen, der sich jetzt ausgerechnet für die Geschichte der italienischen Partisanen und ihren Kampf gegen Hitlers Besatzungstruppen interessierte“, sagt Weber. Das habe sich aber später gelegt. „Weil sie gemerkt haben, dass ich mich wirklich für ihre Geschichte interessiere“, so Weber. Nun dokumentiert sein Buch einerseits die Interviews von damals mit den Zeitzeugen der italienischen Widerstandsbewegung während des Zweiten Weltkriegs. Andererseits reiste Weber aber 2010 noch mal ins Piemont und führte erneut Interviews mit den Akteuren von damals. Angereichert werden diese Zeitzeugenberichte mit einem geschichtlichen Abriss über die Entwicklung des Widerstands im Italien des Zweiten Weltkriegs.
Herausgekommen ist dabei ein bemerkenswertes Buch, das einem einen Teil der Geschichte nahe bringt, der bisher unterbelichtet war. Der Autor macht keinen Hehl daraus, dass es sich nicht um ein klassisches Geschichtsbuch handelt, sondern hier die Zeitzeugen zu Wort kommen und ihre subjektive Sicht schildern. Insofern ist die Erzählperspektive und die Haltung dahinter klar. Die Gespräche porträtieren nachdenkliche und nach wie vor willensstarke Menschen. Zum Beispiel der 80-jährige Ernesto Giorda, der auf die Frage, was das eigentlich bedeute, Partisan zu sein, antwortet: „Der Mensch hat seine Würde, ist die Antwort. Und all jene mit ihrem ,Aber wenn dieses und wenn jenes…', das ist alles Opportunismus.“ Unterm Strich ist Webers Buch eine Geschichte über Leid und Leidenschaft im Widerstand. Sehr lesenswert.
Das Buch: Jürgen Weber: „Einmal Partisan – immer Partisan“. Erschienen im Verlag Querwege. ISBN: 978-3-941585-03-4. 144 Seiten. 12,95 Euro
