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Konstanz Aufregende Werkmischung

Concerto Constanz begeistert im Weißen Saal auf der Insel Mainau mit alter und neuer Musik auf verschiedenen Instrumenten

Blockflötistin Kristina Schoch brilliert bei den „Konzerten im Advent“ auf der Insel Mainau.
Blockflötistin Kristina Schoch brilliert bei den „Konzerten im Advent“ auf der Insel Mainau. Bild: Bild: Hanser

Adventskonzert im Weißen Saal von Schloss Mainau mit Concerto Constanz: Gute Tradition mit der Sicherheit, von vorweihnachtlichen Tönen umfangen zu werden. Diesmal war es mehr: Vom Fundament dreier barocker Streicherkonzerte ausgehend, wurde man entführt in eine Blockflötenwelt des 20., dann in eine philosophische Sichtweise chinesisch inspirierter Musik des 21. Jahrhunderts.

Vom tonalen Aufbruch des 20. Jahrhunderts war auch die Blockflöte erfasst worden, und Kristina Schoch zeigte im Verbund mit dem lebhaft mitgehenden Streichorchester in Gordon Jacobs Suite den neutonalen Charme, den Ideenreichtum, das Temperament und den Humor, mit dem die alte Form gefüllt wurde: Elegische Partien mit weitem Atem, flinke Rumba und virtuose Solokadenz der Altblockflöte; schließlich frech artistisches, blitzsauberes Bravourspiel, wie von der Tarantel gestochen, auf dem Sopranino. Großbeifall für die Künstlerin!

Auf experimentelles Feld begab sich Dirigent Wolfgang Mettler mit dem „Secret of the Seven Stars“: Europäische Erstaufführung des meditativen Werk satzes der Komponistin Hope Lee aus Taiwan, die hier einen Bogen von chinesischer Musiktradition zu westlicher Instrumentalkultur mit klanglicher Abbildung alttestamentlicher Poesie und heutiger globaler Welt schlägt. Das hatte sich nun im Spiel einer extrem schwierigen Partitur darzustellen: Sphärenklänge flirrender Streichtremoli, Glissandofiguren, weit ins Atonale entrückte Melodik und Harmonie, aufschreckende Cluster und flüsterndes Pianissimo, Ruhen und Drängen, verzahnt mit aufregender Percussion (Xylo- und Metallofon und Cymbeln) von Hsin Lee und klanglich fast elektronisch verfremdetem Akkordeon von Stefan Hussong. Bei aller meditativen Prägung der „Sieben Sterne“ hatte sich Concerto Constanz mit der in strengen, Halt gebenden Metren angelegten Komposition intensiv auseinandergesetzt, gab dem Werk Erlebnischarakter. Orchester, Solisten, Dirigent und die anwesende Komponistin ernteten großen Dankbeifall in Respekt und Bewunderung.

Da hätten die drei Barocksuiten und –konzerte leicht zum augenzwinkernden Weiße Weihnacht-Zugeständnis geraten können. Aber Henry Purcells „Abdelazer Suite“ (mit dem durch Benjamin Brittens „Young Person's Guide“ populär gewordenen Thema) bekam vom musikantisch artikulierenden Orchester (am Cembalo Thomas Pangritz) ebenso viel liebevoll musizierte Aufmerksamkeit wie Giuseppe Torellis und Francesco Manfredinis „Weihnachtskonzert“ mit dem klangvollen Concertino-Trio Claudia Forster und Sara Bichsel (Violine) und Eva Werdermann (Cello).

Alte wie neue Musik: Ein starkes Adventskonzert mit Hochstimmung und Tiefgang.

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