KonstanzAuf einen Kaffee mit Ralf-Mario Grässer [1]
Kirsten Schlüter im Gespräch mit Ralf-Mario Rässer.
Nein, ich bezeichne mich nicht als Wetterfrosch (lacht). Meine Freunde und Bekannten sagen immer Wetterfrosch zu mir, aber wir haben auch keinen Wetterfrosch auf der Station. Was machen Sie denn auf der Wetterstation? Wir sind noch acht Beamte. Unsere Hauptaufgabe, da wir eine synoptische Station sind, ist die Wetterbeobachtung. Alles, was mit Wetter zu tun hat, Sicht, Wolken, Niederschlag fest und flüssig, alles was man so gucken und messen kann. Synoptisch heißt, dass wir beobachten und keine Vorhersagen machen. Wir machen die Grundlagenarbeit für die Vorhersage. Warum ist das Wetter immer Thema Nummer eins, wenn Menschen zusammenstehen und nicht wissen, worüber sie reden sollen? Weil das Wetter jeden interessiert, jeder weiß es immer besser als die, die es wirklich wissen. Jeder will morgens wissen, was er anziehen soll, wenn er aus dem Haus geht und wie das Wetter in zwei, drei Tagen aussieht. Es ist einfach ein Thema, das alle berührt. Glauben Sie selbst an die Wettervorhersagen? Ja, schon. Es gibt immer Ausnahmen, aber das Wetter ist nicht hundertprozentig berechenbar, aber die Vorhersagen im Drei-Tages-Bereich sind weitgehend richtig. Der Deutsche Wetterdienst macht Vorhersagen bis zu einer Woche, danach wird es schwierig. Bis Mitte der 90er-Jahre haben wir auch in Konstanz Vorhersagen gemacht, und zwar für den Sturmwarndienst auf dem Bodensee in Zusammenarbeit mit Schweizer und österreichischen Kollegen. Dann wurde das aber nach Stuttgart verlegt wegen Zentralisierung und Einsparung von Personal. Es gab einen großen Aufschrei in der Presse, auch die Segler und die Wasserschutzpolizei haben sich beschwert, aber unser Dienst ist dadurch nicht schlechter geworden. Man kann auch aus Stuttgart Vorhersagen für Konstanz machen. Sind Sie selbst wetterfest? Ja. Als Wetterfrosch sollte man ein bisschen wetterfest sein, weil wir draußen messen und unsere Beobachtungen machen. Übrigens gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Gehen Sie nie raus und sagen: Heute ist schlechtes Wetter? Doch, klar. Wenn es drei Tage lang regnet, ist das Wetter schlecht. Dann haben Sie einfach nicht die richtige Kleidung… Ja, nein (lacht). Aber dann gehe ich ja trotzdem raus. Ist es gerechtfertigt, dass die Konstanzer sich ständig über den Nebel beschweren? Das ist berechtigt. Man hat so ein bisschen das Gefühl, dass es schon mal schlimmer war, aber wenn man die Statistik anschaut, ist das nicht unbedingt der Fall. Das ist aber schwer zu erfassen. Wir zählen einen Nebeltag, wenn die Sicht unter 1000 Meter war. Es geht aber nicht in die Statistik ein, ob das den ganzen Tag oder nur eine Stunde der Fall war. Das Personal auf der Wetterwarte hat das Gefühl, dass die Nebelstundenzahl leicht rückläufig ist. Die statistische Zahl der Nebeltage spricht eigentlich nicht dafür. Aber es stimmt schon, dass wir im Bodenseebecken durch die Mulde viel mit Nebel zu kämpfen haben. Was halten Sie denn von Jörg Kachelmann? Herr Kachelmann ist ein sehr guter Geschäftsmann, sicher auch ein guter Meteorologe. Die Art, wie der den Deutschen Wetterdienst in die Knie gezwungen hat, ist aber nicht ganz korrekt. Er sagt auch, er sei besser als wir und das sehe ich nicht so. Wir sind besser. Wir haben über 2000 Stationen in Deutschland, teilweise sind sie rund um die Uhr bemannt, andere bestehen aus Automaten. Stellt Kachelmann sich als Person zu sehr in den Vordergrund? Meiner Meinung nach ja. Er geht ja auch viel in Talkshows, aber wie er das Meteorologische rüberbringt, finde ich nicht so gut. Viele Leute verstehen dann nicht, was er meint, wenn er von Stratocumulus-Wolken redet. Er hat eine kleine Firma und wir sind eine Bundesbhörde, die an gewisse Regeln gebunden und dadurch etwas unflexibel ist. Wie finden Sie die Wettervorhersagen im Fernsehen? Die sind schon verständlich, aber etwas steif präsentiert. Das könnte etwas lockerer und trotzdem für alle nachvollziehbar sein. Das geht ja nur maximal fünf Minuten, da kann man natürlich nichts über das Wetter in ganz Deutschland erzählen. Wenn jemand Fragen hat, kann er deshalb auch gern bei uns anrufen. Vorhersagen für Firmen sind gebührenpflichtig, aber wenn ein Kindergarten oder eine Schule nachfragt, machen wir das umsonst. Sie machen ja auch Übungen zur Radioaktivität und hatten dazu vergangene Woche eine Übung. Wie war das Szenario? Die Übung ging zwei Tage und eine Nacht und ist sehr gut verlaufen. Der Deutsche Wetterdienst unterhält 41 Messstationen für Radioaktivität, eine davon ist in Konstanz. Die wurde nach Tschernobyl gebaut, weil plötzlich Geld frei wurde. Wir messen die Radioaktivität in der Luft und im Niederschlag. Dieses Mal haben wir angenommen, dass ein Kernkraftwerk in Nordfrankreich eine Störung hat. Wir ziehen dann die aktuelle Wetterlage zu Grunde und überlegen, wo diese radioaktive Wolke hinzieht, damit der Wetterdienst die Bevölkerung warnen kann. Wäre es im Übungsszenario für die Konstanzer gefährlich geworden? Nein, das Ganze blieb etwas mehr im Norden, es zog nach Osten und Nordosten ab. Aber die Wetterlage kann sich ja am nächsten Tag ändern. Nach Tschernobyl zog die Wolke erst Richtung Skandinavien ab und kam dann doch nach Deutschland. Wie sind die radioaktiven Werte in Konstanz im Moment? Da können wir die Leute beruhigen, wir sind an der absoluten Untergrenze des Messbaren. Fragen: Kirsten Schlüter Weitere Artikel zu: aufeinenkaffee, |


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Richtige Kleidung und dann doch wieder falsch gekleidet...
War da wirklich nur Kaffee in den Tassen?
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