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Konstanz Auch die SPD will in Konstanz Wald für Wohnbau roden

Unterstützung für den Konstanzer CDU-Oberbürgermeister Uli Burchardt: Sieben Wochen nach seinem überraschenden Vorstoß erhält er von der SPD Unterstützung. Und der kann es gar nicht schnell genug gehen mit 1000 oder mehr neuen Wohnungen.

250 000 Quadratmeter Platz, Raum für 1000 neue Wohnungen, Quartier für rund 2500 Menschen aller sozialen Schichten: Das soll es nach dem Willen der SPD in einem komplett neuen Stadtviertel geben, und sie hat auch einen konkreten Vorschlag, wo das entstehen soll. Die SPD-Stadträte greifen die Idee von Oberbürgermeister Uli Burchardt auf, für den Wohnungsbau ein Stück Stadtwald zu roden. Und sie benennen als erste politische Kraft öffentlich, wo das passieren soll: Zwischen Geschwister-Scholl-Schule und Pfeiferhölzle, begrenzt durch die bestehende Bebauung im Sonnentauweg und die Hochspannungstrasse. Mit dem Vorstoß unterstützen sie Oberbürgermeister Uli Burchardt, der über genau diese Fläche ebenfalls schon seit Längerem nachdenkt. Das bestätigte er am Mittwoch dem SÜDKURIER.

Fraktionschef Jürgen Ruff und sein Stellvertreter Herbert Weber haben bereits einen Zeitplan. Sie wollen, dass der Gemeinderat im Januar über ihren Antrag abstimmt, auf genau dieser Fläche einen städtebaulichen Wettbewerb zu starten. Er könne noch 2016 abgeschlossen werden. Ein Jahr brauche es für Rodung und Erschließung mit neuen Straßen, Wegen sowie Leitungen. Zwei Jahre betrage die Bauzeit, so der Wohnbau-Experte Weber. Vor Ende des Jahrzehnts, stellen er und Ruff sich vor, könnte das neue Stadtviertel fertig sein.

Noch nicht festgelegt


Burchardt zeigte sich erfreut über die Unterstützung: „Gut, dass jemand den Ball aufgreift.“ Er sei aber nicht auf diese Fläche festgelegt: „Ich bin auch für jede bessere Idee zu haben“, erklärte er. Um Druck aus dem Wohnungsmarkt zu nehmen, seien große Lösungen zwingend nötig: „Das Handlungsprogramm Wohnen, das wir uns vorgenommen haben, ist auf jeden Fall zu langsam.“ Eine schnelle Entspannung könne es aber nur auf Grundstücken geben, die die Stadt bereits besitzt. Damit spielte er darauf an, dass viele private Grundbesitzer im Moment nicht verkaufen. Am Hafner nördlich von Wollmatingen, wo eigentlich ab 2024 auf 45,2 Hektar ein neues Stadtviertel mit bis zu 2250 Wohnungen entstehen soll, kommt die Stadt mit dem Flächenerwerb nicht voran.

Dieses Dilemma bestätigt auch Herbert Weber. Größere Neubau-Chancen wie anstelle der Uni-Laborgebäude oder des Autohauses Graf Hardenberg seien als „Glückmomente“ gekommen. Auf dem freien Markt gebe es keine Grundstücke zu Preisen, die auch einen sozialen Wohnungsbau ermöglichten. In dem neuen Quartier soll es nach seinen Worten vom Reihenhaus bis zur Gemeinschaftsunterkunft alles geben: „Eine gute soziale Durchmischung steht an erster Stelle.“

Jürgen Ruff räumte ein, er habe „zwiespältige Gefühle“, ein großes Waldstück aufzugeben. Allerdings gebe es in dem betroffenen Gebiet keinen Naturschutz, und es könne flächen- und kostensparend an die bestehende Infrastruktur aus Straßen, Schulen, Buslinien und mehr angebunden werden. Zur Diskussion stehe jetzt die Frage, ob „Konstanz nur eine Stadt für die Reichen sein“ solle. Wer das verneine, brauche einen „Befreiungsschlag“, nachdem die letzten Hinterhöfe inzwischen zugebaut seien. Und er ergänzte: „Auch Umweltpolitik muss dem Menschen dienen, sie ist kein Selbstzweck.“

 

Die Stadtwald-Idee

Am 23. September brachte OB Burchardt im Gemeinderat ein neues Stadtviertel in die Debatte ein. Wörtlich sprach er von der Idee, „dass wir ein größeres Stück Stadtwald, das uns gehört, zu einem neuen Stadtviertel erklären… Wann und wo, die Details können wir dann diskutieren.“

 

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