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Konstanz Asbestfund macht Studieren schwierig

Vor kurzem sorgte die Universitätsbibliothek Konstanz noch für deutschlandweite Begeisterung, als sie den Preis „Bibliothek des Jahres 2010“ durch den deutschen Bibliotheksverband und die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius verliehen bekam. Jetzt fällt die Unibibliothek negativ auf: Aufgrund eines Asbestfundes musste sie geschlossen werden.

Vor den Asbestfunden war die Unibibliothek Konstanz ein beliebter Lernort.
Vor den Asbestfunden war die Unibibliothek Konstanz ein beliebter Lernort. | Bild: Bild: Scherrer

Routineuntersuchungen bei Bauarbeiten hatten zu Tests geführt, die den Anfangsverdacht erhärteten: In 9 von 18 Kontakt- und Wischproben wurden Asbestspuren gefunden, die ein mögliches Gesundheitsrisiko für Bibliotheksbesucher darstellen können. Woher die Spuren stammen und wie lange sie schon vorhanden sind, ist momentan ebenso wenig abzusehen wie die Schließungsdauer und die Frage nach den Folgen.

„Wie groß das Ausmaß genau ist, wird sich erst in den kommenden Tagen herausstellen“, so Uni-Rektor Professor Ulrich Rüdiger. Erst einmal muss durch weitere Proben die Ausbreitung der Kontamination festgestellt werden, dann soll eine Spezialfirma mit der Reinigung beauftragt werden. Informieren will sich die Universität auch bei der Universität Bielefeld, die 2008 Teile ihrer Bibliothek aufgrund von Asbestfunden vorübergehend schließen musste – es entstanden Kosten von mehreren 100 000 Euro.

Mitten im Chaos der Bibliotheksschließung gibt es allerdings auch einen Grund zur Zufriedenheit für die Universitätsleitung: Die Reaktion auf die Ereignisse hat gut geklappt, der Krisenstab der Universität hat seinen ersten Einsatz bisher gut gemeistert. Das sieht auch Landrat Frank Hämmerle so: Eine umfassende Zusammenarbeit von Landratsamt und Universität habe zu zügigem Handeln geführt. Nun wolle man mit größtmöglicher Transparenz und Offenheit vorgehen, erklärte er auf einer Pressekonferenz am Samstag.

Thomas Steier vom Amt für Vermögen und Bau, der das Land Baden-Württemberg als Gebäudeeigentümer vertritt, kündigte eine sorgfältige Untersuchung an, an deren Ende ein Sanierungskonzept für die betroffenen Bereiche stehen müsse. 2004 habe man in Teilen der Universität den Schadstoff PCB gefunden, der wie Asbest das Krebsrisiko erhöhen kann. Damals habe man durch Sanierungen alle Gefahren gebannt – so wolle man auch in der Bibliothek vorgehen.

Für Studenten und wissenschaftliche Mitarbeiter stellt die Schließung der Bibliothek momentan die größte Einschränkung dar. Sowohl Literatur, Computerarbeitsplätze und Kopierer als auch Plätze zum ruhigen Lernen sind nun knapp. Der Krisenstab der Universität und der Allgemeine Studierendenausschuss Asta arbeiteten bereits am Wochenende unter Hochdruck an Lösungsvorschlägen. Erst einmal werden verfügbare Medien, Computer und Arbeitsplätze in die Naturwissenschaftliche Bibliothek verlegt, die zwar wesentlich kleiner ist als die Hauptbibliothek, aber später gebaut wurde und deshalb asbestfrei ist. Durch Zukauf von Literatur und Übertragung von gereinigten Büchern und Computern soll das Angebot aufgestockt werden. Auch die Rückgabe von ausgeliehenen Büchern der Hauptbibliothek wird darüber laufen.

Oliver Kohl-Frey, stellvertretender Bibliotheksdirektor, bedankt sich auch bei den anderen Universitäten Baden- Württembergs: „Wir erfahren eine große Hilfsbereitschaft – so werden uns etwa viele Bücher leihweise angeboten.“

Uni sucht nach Lösungen
Hintergrund: Asbest war Zufalls-Fund
Hintergrund: Asbest in der Konstanzer Uni-Bibliothek

Interview: "Die Bibliothek ist das Herzstück der Uni"

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