Konstanz Arme gehen oft leer aus
Ist diese Werbung eine Mogelpackung? Arme Familien haben nichts vom Elterngeld, dies beklagen Traudel Benz-Witznick und Inka Kielholz von der Konstanzer Diakonie. Bild: Rindt
Arme seien davon aber ausgeschlossen, bedauern Traudel Benz-Witznick und Inka Kielholz von der Konstanzer Diakonie. Wer Hartz IV oder Wohngeld beziehe, habe seit einem Jahr nichts oder sehr wenig vom Elterngeld. Die Gelder kommen nicht bei denen an, die sie am dringendsten benötigten, so die Kritik der Frauen aus der Schwangeren-Beratung.
Ein arbeitsloser Hartz IV-Bezieher müsse zwar einen Antrag aufs Elterngeld stellen, profitiere aber von der Leistung nicht. Denn die 300 Euro Mindestsatz werden als Einkommen gerechnet und die Sozialleistungen um diesen Betrag gekürzt. Einem Arbeitslosen bleibe kein zusätzlicher Cent. Bis vor einem Jahr wurde das Elterngeld noch vollständig zusätzlich ausgezahlt. Auch wer so wenig verdient, dass er Anspruch auf Wohngeld hat, könne von Abzügen betroffen sein, sagen die Vertreterinnen der Diakonie. In einzelnen Fällen könnten die Wohngeldzuweisungen sinken.
Kielholz und Benz-Witznick halten es für falsch, Geringverdiener und Leistungsbezieher nicht wenigstens die 300 Euro Mindestsatz voll auszuzahlen. Die Finanznot sei wegen notwendiger Anschaffungen, etwa für einen Geschwisterkinderwagen, gerade nach der Geburt eines Kindes besonders groß, wissen die Frauen aus der Beratungstätigkeit. Benz-Witznick und Kielholz hielten es für sinnvoll, Familien von den Finanzsorgen zu entlasten. Dann könnten Ressourcen frei werden für die Erziehung der Kinder.
Kielholz und Benz-Witznick beobachten, wie schwer es für Eltern mit Kindern ist, sich aus Leistungen wie Hartz IV zu befreien. Die Arbeitszeiten vieler Tätigkeiten seien oft nicht kompatibel mit den Anforderungen einer Mutter, die sich auch um Kinder kümmern müsse. Ein Lichtblick sei das Landeserziehungsgeld. Ab 1. Oktober soll es ab dem ersten Monat nach der Geburt gelten. Bisher gab es dies nur nach dem ersten Jahr der Geburt.
