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Konstanz Anekdoten aus 75 Jahren Rheinstrandbad

19.07.2012
Konstanz -  Es gehört zu Konstanz wie das Inselhotel oder das Münster. Zwar bestehen diese Gebäude bereits seit Jahrhunderten und sie haben vermutlich mehr erlebt.

Das Rheinstrandbad unter Hakenkreuzflaggen: Damals war gleich nebenan noch ein Steg für Personenfähren. In den folgenden Jahrzehnten stand das Gelände an der Spanierstraße immer wieder als Standort für ein Konzerthaus zur Diskussion.  Bild: Stadt Konstanz

Das Kur- und Hallenbad entsteht dort, wo die Konstanzer zuvor ihre Wäsche reinigen konnten. Ein Kies- und Schotterlagerplatz wird ins Rheingut verlegt.

Wettkampf, die Zuschauer stehen dicht gedrängt um das Becken. Der SK Sparta hat zum Beispiel 1956 eine Deutsche Meisterschaft ausgerichtet.

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Doch auch hinter 75 Jahre Rheinstrandbad und Hallenbad verbergen sich einige Anekdoten, die so mancher Konstanzerin und manchem Konstanzer noch in Erinnerung sind.
 

Ein Dreiviertel Jahrhundert alt ist nun das Hallenbad am Seerhein mit seinem Rheinstrandbad. Vermutlich wird es keinen Konstanzer geben, der nicht einmal in das überdachte Becken oder das Wasser im Freibad eingetaucht ist, dort vielleicht sogar das Schwimmen gelernt hat. Und seine ganz eigenen Geschichten und Geschichtchen in und mit der Anlage erlebt hat. Georg Geiger hat einige ausgegraben, die sich in 75 Jahren zugetragen haben. Anlässlich des Jubiläums hat der Leiter des Sportamts und zugleich Geschäftsführer der Bädergesellschaft ins Archiv geblickt und die Historie der Badeanstalt notiert.

Eine Anekdote stammt vom 26. März 1941: Vier Jungen benahmen sich unruhig, als eine Rede Adolf Hitlers ins städtische Hallenbad übertragen wurde. Der Kreisleiter der NSDAP schrieb an Oberbürgermeister Albert Herrmann, er solle die Jungen mit einem Badeverbot zwischen drei und sechs Wochen bestrafen. Einer der Buben war Walter Dannecker, bekannt als einstiger Präsident des Schwimmklubs Sparta, der damals wie heute eng mit der Badeanlage verbunden ist.

Dreist verhielt sich der Wirt des Restaurants „Neue Welt“: Er lagerte illegal Kartoffeln im Keller des Pavillons ein. Fünf Reichsmark sollte er künftig als Monatsmiete bezahlen. Beglichen hat er die Beträge nie. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste das Hallenbad – es war beim Bau 1937 das erste am Bodensee – wegen Brennstoffmangels geschlossen bleiben. Anfangs drei Tage die Woche, von 16. Dezember 1946 bis 10. April 1947 sogar ganz. Ab 8. August 1949 durfte das Terrassen-Café Rheinstrandbad auch alkoholische Getränke ausschenken.

Am 31. Dezember 1965 ging eine kleine Ära zu Ende. Das Konstanzer Original Theresia Heidobler, bekannt als „Hallenbad-Resle“, setzte sich zur Ruhe. Bis 1937 war sie Badewärterin im Aktienbädle, dem einst am Stadtgarten von Bürgern getragene Freibad. Seit der Eröffnung des Hallenbads am Seerhein und der Schließung des Aktienbädles war sie mit Unterbrechung von 1939 bis 1945 dort tätig. 1993 starb sie im Alter von 88 Jahren. Am 13. August 1974 öffnete die Schwimmhalle erstmals im Sommer. Grund: Der Bodensee war nur 14 Grad warm. 1982 fand sich Georg Geiger als Zuständiger für die Badeanlage in einer prekären Situation wieder: vor 90 barbusigen Frauen. Sie demonstrierten gegen die Haus- und Badeordnung und forderten mehr Kleidungsfreiheit. Mit Erfolg. Allerdings heißt es, so Geiger, am 31. Dezember 1991: „Das 1982 eingeführte textilfreie Baden am Freitag von 19 bis 21 Uhr wird mangels Nachfrage eingestellt.“

In Sascha Trautmanns Ausweis müsste streng genommen „Hallenbad“ als Geburtsort stehen. Er hat am 16. August 1993 in der Wannenbad-Abteilung das Licht der Welt erblickt, nachdem seine Mutter aufgrund der schon starken Wehen Schutz gesucht hatte. Im Februar 2003 scheiterte die CDU-Ratsfraktion mit ihrem Antrag, das Kur- und Hallenbad zu schließen und in ein Rock-Café umzurüsten. Es war nicht das einzige Mal, dass die Existenz der Anlage auf der Kippe stand. Mehrmals war der Standort an der Spanierstraße für den Bau einer Konzerthalle in der Diskussion. Am 27. Mai 2011 war die Schwimmhalle zum letzten Mal für den öffentlichen Badebetrieb geöffnet. Seither ist sie Schulen und Vereinen vorbehalten. Welche Anekdoten noch folgen, wird vielleicht zum 100. Geburtstag der Anlage nachzulesen sein.

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