Konstanz Amt warnt vor weiterer Asbest-Gefahr
Mit Schutzanzug und Atemmaske: Arbeiter in der Asbest-Zone der Unibibliothek.
In Zusammenarbeit mit den Wirtschaftskammern will Buser das Handwerk und die Gemeinden für die Gefahren durch den krebserregenden Asbest sensibilisieren. Dass dies Sinn macht, zeigt sich nach Einschätzung des Amtsleiters beim Fall der Arbeitsagentur Konstanz. „Das Problem wäre vermeidbar gewesen, wenn man sich vorher kundig gemacht hätte“, sagt Buser.
In der Arbeitsagentur wurde in der letzten Novemberwoche Asbest-Alarm ausgelöst, nachdem bei Sanierungsarbeiten alte Brandschutztüren ausgebaut worden waren. Der Asbest war in Türdichtungen enthalten. Erst nach dem Ausbau hatte die Verwaltung der Arbeitsagentur Verdacht geschöpft und zunächst das Gesundheitsamt eingeschaltet. Untersuchungen wiesen die feinen mineralischen Fasern, die durch die Atemwege aufgenommen werden, in der Raumluft und als Ablagerungen in kritischer Konzentration nach. Nach dieser Erkenntnis wurde das fünfstöckige Gebäude geräumt. 160 Mitarbeiter sind betroffen. Gewerbeaufsichtsamtsleiter Buser machte klar, dass vor dem Ausbau der Türen über eine Anfrage beim Hersteller leicht zu klären gewesen wäre, ob die Bauteile Asbest enthalten. Dann hätte man die Türen sachgerecht entsorgen können, ohne Gesundheitsgefahren zu provozieren.
Die Infokampagne soll nicht nur die Handwerker sensibilisieren, sondern auch die Kommunen als Eigentümer öffentlicher Gebäude mit hoher Publikumsfrequenz: zum Beispiel von Kindergärten, Schulen und Turnhallen. Viele Gemeinden nutzen Förderprogramme für Sanierungsmaßnahmen. Dächer und Gebäudefassaden werden gedämmt, alte Heizungen gegen neue ersetzt. Thomas Buser rät bei solchen Projekten zu einer Gefahrstoffuntersuchung, um die Risikopotenziale nicht nur einer Asbestbelastung abzuschätzen. In wie vielen öffentlichen Immobilien im Landkreis der feuerfeste Asbest verbaut worden ist, lässt sich schwer abschätzen. In Deutschland wurde die ehemalige Wunderfaser erst 1993 verboten, EU-weit sogar erst 2005.
Von November 2009 bis Sommer 2010 wurde das Konzilgebäude in Konstanz wegen Asbestbelastung saniert.
Seit 5. November 2010 sind mehrere Abteilungen der Konstanzer Unibibliothek wegen Asbestbelastung geschlossen. Die Schadstoffbeseitigung gestaltet sich schwierig und wird längere Zeit dauern. Inzwischen sind vier Schadstoffquellen ausgemacht.
Am 25. November 2010 wurde die Arbeitsagentur Konstanz wegen Asbestbelastung geräumt. Die Schadstoffquelle ist identifiziert, die Sanierung kommt gut voran.
