Konstanz Als erste im Land: Konstanzer Gebhardschule bekommt gymnasiale Oberstufe

Die Gebhardschule Konstanz wird die erste Gemeinschaftsschule im Land, die den neuen, neunjährigen Weg zum Abitur anbieten kann. Am heutigen Dienstag bestätigte eine Sprecherin des Kultusministeriums, dass Ressortchefin Susanne Eisenmann den Antrag auf die Oberstufe genehmigt hat. Die Raumfrage bleibt aber weiter ungeklärt

Konstanz wird die erste Stadt im Land, die den neuen, neunjährigen Weg zum Abitur an einer Gemeinschaftsschule anbieten kann. Christine Sattler, Sprecherin des Kultusministeriums, erklärte am Dienstagnachmittag, Ressortchefin Susanne Eisenmann habe den im Februar dieses Jahres gestellten Antrag der Stadt Konstanz auf Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe für die Gemeinschaftsschule genehmigt.

Damit hat das lange Warten für die Eltern, Schüler und Vertreter der Gemeinschaftsschule zumindest in Konstanz ein Ende. Auch, wenn die Konstanzer Gebhardschule als Modellschule für das ganze Land gilt und Volker Schebesta, Staatssekretär im Kultusministerium, schon bei der Eröffnung des neuen Schulhauses durchblicken ließ, dass die Gebhardschule große Chancen auf Genehmigung habe – die Sicherheit gibt es erst jetzt. Wie von der Stadt beantragt, kann die neue Oberstufe nun ihren Betrieb zum Schuljahr 2018/2019 aufnehmen. Weitere Anträge auf eine gymnasiale Oberstufe seien derzeit nicht für das Ministerium unterschriftsreif, hieß es gestern aus Stuttgart weiter.

"Das ist wunderbar. Wir freuen uns sehr", kommentierte Gemeinschaftsschulleiterin Elke Großkreutz gestern die Genehmigung aus Stuttgart für Konstanz. "Es ist immer unser Wunsch und der der Eltern und Kinder gewesen, dass es dieses Angebot gibt. Weil es einfach zur Idee der Gemeinschaftsschule passt."

Die einen freuen sich, die anderen sehen das neue Angebot kritisch: Bereits im Vorfeld des Antrags hatte es Gegenwind gegen ein weiteres Abitur-Angebot von Seiten der beruflichen Schulen gegeben, mit dem Verweis auf den Trend zur Akademisierung, die Mittelverteilung und die Schulentwicklung insgesamt. Auch im Gemeinderat gab es unterschiedliche Meinungen. "Überzogenes Konkurrenzdenken", urteilte zuletzt Till Seiler, Mitglied der Freien Grünen Liste und Gymnasiallehrer. Heinrich Everke von der FDP-Fraktion sah das anders, wenngleich er die Arbeit von Elke Großkreutz und des Kollegiums schätze. "Wir legen großen Wert darauf, dass das duale System erhalten bleibt und nicht geschwächt wird." Everke erklärte, dass sich die FDP auf die Seite der berufsbildenden Schulen stellen werde, sollte es zu einer Konkurrenzsituation um Geld, Lehrpersonal oder Räumlichkeiten kommen.

Denn längst sind mit der Genehmigung nicht alle Fragen geklärt. Offen ist noch, wo die Schüler überhaupt ihr Abitur schreiben. Schon jetzt platzt die Schule aus allen Nähten, ist bereits auf zwei Standorte verteilt und zum kommenden Schuljahr müssen erneut sechs Züge aufgenommen werden. Die Klärung der Raumfrage sei Sache des Schulträgers, also der Stadt, erklärte das Kultusministerium. Die Stadt stand zuletzt in Verhandlungen mit dem Landkreis. Angedacht ist ein neues Berufsschulzentrum, in dessen Fachräumen es dann auch Kooperationen zwischen den beiden beruflichen Schulen, also der Zeppelin- und Wessenbergschule, und der Gemeinschaftsschule geben könnte. "Wir befinden uns diesbezüglich noch in der Findungsphase, aber der Prozess läuft", so Elke Großkreutz.

Aus Erfahrung der vergangen Jahre wisse sie aber: "Wir haben noch immer eine Lösung gemeinsam mit der Stadt gefunden." Im Gespräch mit dem Kollegium, den Eltern und Schüler habe sich aber herauskristallisiert: "Wenn wir mit der Oberstufe anfangen, machen wir das hier am Standort Pestalozzistraße".

Während die Gemeinschaftsschule zumindest erst einmal den Sekt aufmachen kann, erwartet die Geschwister-Scholl-Schule unterdessen weiter dringend eine Antwort des Kultusministeriums. Dieses muss entscheiden, ob die Schule ihren Sonderstatus Orientierungsstufe behalten darf oder die dortige Werkrealschule mangels Schülern aufgelöst werden muss. Bereits Ende September 2016 stellte der Gesamtelternbeirat mit Unterstützung der Stadtverwaltung eine Anfrage.

Abitur in neun statt acht Jahren: An welchen Schulen das in Baden-Württemberg möglich ist

Gemeinschaftsschule: Wie viele gymnasial lernende Kinder es landesweit an den Gemeinschaftsschulen gibt, lasse sich nicht klar erfassen, erklärt Birgit Zauner von der Eltern-Arbeitsgemeinschaft der Gemeinschaftsschule im Regierungsbezirk Tübingen. "Aber einen regelrechten Ansturm auf ihr G9-Angebot erleben Gemeinschaftsschulen erfahrungsgemäß ab Klasse 6, 7 und 8, wenn etliche Kinder dem G8 den Rücken kehren."

Gymnasium: An 44 Modellschulen in Baden-Württemberg können Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines Schulversuchs das Abitur nach neun statt nach acht Jahren erwerben. Nach Klasse 10 beziehungsweise Klasse 11 besuchen G8- und G9-Schüler eine gemeinsame Kursstufe und legen gemeinsam dieselbe Abiturprüfung ab. Im Landkreis Konstanz gehört nur das Nellenburg-Gymnasium in Stockach zu diesen Modellschulen.

Berufliche Schulen: Etwa jedes dritte Abitur in Baden-Württemberg (33 Prozent) wird nach Angaben des Kultusministeriums nach neun Jahren an einem Beruflichen Gymnasium erworben. In Konstanz ist das an der Zeppelin- und an der Wessenbergschule möglich. (sap)

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