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Konstanz „Alles viel zu aufgeräumt“

Manche Städte handeln nach dem Prinzip der sich selbst erfüllenden Prophezeiung: Sie verleihen sich den Titel kreativ, richten ihre Stadtplanung nach diesem Markenzeichen aus und hoffen so, Menschen anzuziehen, die den Ruf als kreative Stadt festigen. Konstanz gehört nicht zu diesen Kreativstädten, musste sich jedoch jüngst mit ihnen messen lassen. Die Soziologin Anna-Lisa Müller vom Exzellenzcluster der Universität Konstanz sprach über Kreativstädte, die schon durch ihre Größe mit jeweils über 500 000 Einwohnern Konstanz weit übertrumpfen. Bürgermeister Kurt Werner stellte mit Blick auf die Ausführungen der Wissenschaftlerin vor rund 100 Zuhörern fest: „Die Messlatte liegt hoch.“ Selbst Metropolen wie Frankfurt erlebten Abwanderungsbewegungen. Sie verlieren kreative Köpfe an Berlin, das als besonders sexy und aufregend wahrgenommen wird.

Werner fiel dann doch noch ein Punkt ein, der für Konstanz als Kreativstadt spricht: Zu einer kreativen Stadt gehöre auch ein einzigartiges Flair und über das verfüge Konstanz, dank Konzil, Fasnacht, Münster, Altstadt sowie großer Geschichte. Der Konstanzer Stadtplaner Roland Jerusalem meldete sich als Zuhörer zu Wort und zeigte sich erstaunt über die Vorstellung der Stadt Göteborg, mit dem Markenzeichen der kreativen Stadt eine Lösung für die nächsten 100 Jahre gefunden zu haben. Der Trend gehe schon wieder weg von der „Creative City“ hin zur „Open City“, also zur Stadt, die für alle offen ist, nicht nur für Vertreter von Kreativberufen. Kreativ oder offen, einige Zuhörer, darunter Architekten, Studenten und Wissenschaftler sahen vor allem Mängel an Konstanz.

„Es ist alles viel zu aufgeräumt hier“, kritisierte ein Redner, ein anderer bemängelte: „Kreativität hat auch etwas mit Neugierde zu tun. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Bürger neugierig auf das sind, was an der Universität passiert“. Einer brach für Studenten die Lanze und beklagte, es gebe kaum eine Studentenkneipe in der Altstadt. Ein anderer sagte: „Ich erlebe die Stadt als wahnsinnig eng. Das einzige Große hier ist die Universität und die studiert irgendwo im Wald. Ich spüre keinen studentischen Geist in der Stadt.“ Er forderte, Freiräume für studentisches Leben. Doch genau diese fehlen in Konstanz, das Höchstpreise für Grund und Wohnungen hat. Diese erschwerten Kreativprojekte, räumte Bürgermeister Werner ein. Er sieht Chancen für Konstanz, mit Erholungswerten zu punkten. „Unsere wertvollste Ressource ist die Landschaft.“ Zu den Kritikern sagte Werner: „Vielleicht muss man in Konstanz in längeren Zeiträumen denken.“ Eventuell reichten 40 Jahre nicht aus, damit die Universität auch in der Stadt ankomme.

Claudia Rindt

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