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Konstanz Alles Banane, oder was?

19.10.2011


Die bemerkenswerte Geschichte des Künstlers Thomas Baumgärtel oder: Wie eine Frucht zum Qualitätsmerkmal für Kunst wurde

Alles begann mit einer Nacht- und Nebelaktion im Köln der achtziger Jahre. „Ich bin einfach rausgegangen und habe an die Galerien, die mir gefallen haben, eine Banane gesprüht“, sagt Thomas Baumgärtel schlicht. Das sei zunächst vollkommen subjektiv gewesen, erklärt der Künstler, der immer noch in Köln lebt und gerade damit beschäftigt ist sein 500 Quadratmeter großes Atelier umzuziehen. „Eine furchtbare Arbeit“, sagt er am Telefon. Das ist auch der Grund weshalb er bei der Vernissage seiner aktuellen Ausstellung in der Galerie Bagnato in Konstanz-Oberdorf nicht anwesend sein konnte. Seine Arbeit kennt man aber auch in Konstanz sehr gut. Auch hier hat er ausgewählte Orte zeitgenössischer Kunst mit seiner Banane markiert (siehe Text unten). Was 1986 als Spaß begann, ist heute in Kunstkreisen zum Qualitätsfaktor geworden – jede Galerie, jedes Museum trägt Baumgärtels Banane mit Stolz.

Weltweit hat der Kölner Künstler sein Siegel heute auf Wände gesprüht. Man findet die gelbe Frucht in Berlin, München, Leipzig und Hamburg ebenso wie in Moskau, New York oder London. Jede dieser Bananen habe er selbst gesprüht, sagt Baumgärtel. „Ob ein Kunstort heute eine Banane erhält oder nicht, hängt von bestimmten Kriterien ab“, sagt Thomas Baumgärtel. Dazu zählen für ihn unter anderem die Internationalität einer Einrichtung, die Art und Weise wie hier mit Künstlern umgegangen wird und wie es gelingt, Kunst zu vermitteln. Die Nacht- und Nebelaktionen sind heute allerdings Vergangenheit, heute sucht sich der Künstler Kandidaten aus und vereinbart einen offiziellen Termin mit den Bewerbern.

Das sei professioneller, weil man so die Arbeit der Galerie oder des Museums wirklich kennenlernt, ist Baumgärtel überzeugt. Fragt man den Kölner, warum er ausgerechnet die krumme Frucht als Symbol gewählt hat, dann stockt er erstmal. „Ach, ich weiß auch nicht mehr so genau“, sagt Baumgärtel. In seiner ersten spontanen Kunstaktion während seines Zivildienstes Anfang der 1980er Jahre, die Kreuzigung einer Banane, hatte die Frucht eine große Rolle gespielt. Seitdem ist er von Farbe und Form der Schale fasziniert, bekennt er. Viele hatten den Kunst- und Psychologiestudenten damals auch gefragt, ob das jetzt eine Hommage an Andy Warhol sei. „Das kann man eigentlich nicht richtig sagen. Es war eher zufällig, dass das zeitlich in die Pop-Art-Ära fiel“, so Baumgärtel. Vielmehr sei es so: „Die Banane enthält einfach alles. Es gibt kaum ein Zeichen, das so wandelbar ist“, meint der Künstler. Ein Stück weit sei es ihm damals aber auch um eine Kritik am Kunstmarkt gegangen. „Die Preise schnellten damals in die Höhe, alles wirkte ziemlich überdreht, oder wie man bei uns so sagt, ganz schön Banane. Da erschien mir das Symbol passend“, sagt der Künstler.

Dass das Projekt überhaupt erst entstehen konnte, hat aus seiner Sicht auch viel mit der Stadt Köln zu tun. „So etwas konnte nur auf dem Humus der relativ liberalen Stadt Köln gedeihen. In München wäre das nicht möglich gewesen“, glaubt Baumgärtel. Tatsächlich sei er bei einer Sprühaktion in der bayerischen Landshauptstadt mal festgenommen werden, erzählt der Künstler. Nie hätte er am Anfang jedoch gedacht, dass seine Frucht mal ein Qualitätsmerkmal für zeitgenössische Kunst werden würde. Das habe sich erst schleichend entwickelt. Erst als er einen Brief des damaligen Direktors des Kölner Museum Ludwig erhielt, eines der bedeutenden europäischen Museen der Gegenwartskunst, mit dem Hinweis, dass er sich jede Hauswand des Museums für seine Banane auswählen könne, sei das endgültig wie ein Ritterschlag gewesen, erinnert sich Baumgärtel. Mehr als 5000 Bananen hat er bis heute an Wände von Kunstorten gesprüht.

Hat eine Galerie, die Banane mal erhalten, behält sie die in der Regel auch. Nur in wenigen Fällen habe er die Auszeichnung aberkannt, so der Künstler. Markiert wurden diese Orte mit dem Motiv einer geplatzten Banane. Wie auch sonst?

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