Konstanz Akzeptanz statt Toleranz
CSD am See Bild: Harms
| Fotos vom Christopher Street Day | ||
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Mehrere tausend Menschen feierten am Samstag den Christopher Street Day (CSD) in Konstanz. Mit einem Demonstrationszug durch die Innenstadt und einem bunten Programm im Stadtgarten machten Schwule, Lesben und Bisexuelle ihre Forderungen an die Gesellschaft deutlich: mehr Akzeptanz, Respekt und "Gayrechtigkeit". Schirmherr OB Horst Frank lobte Konstanz als weltoffene Stadt.
"Es sollte sich niemand verstecken müssen, sondern fröhlich leben", sagte Horst Frank bei der Kundgebung auf der Marktstätte. "Gayrechtigkeit - Liebe an allen Ufern" lautete das Motto des CSD Südwest am See. Und von "Verstecken" kann und sollte an diesem Tag wirklich nicht die Rede sein: Auf dem Sammelplatz der Demonstranten parkt ein weißer Golf auf dessen Kühlerhaube ein großes rotes Plüschkondom steckt. Ein paar Meter weiter stehen die aufwendig verkleideten schwulen Nonnen des "Ordens der Perpetuellen Indulgenz", einer Aidshilfe-Organisation aus Berlin, und verteilen Präservative und Gleitmittel. Die Gruppe der "CheerluderS" aus Stuttgart bringt mit ihren knallgelben T-Shirts und den wuschligen schwarz-gelben Pompons Farbe in den verregneten Samstagmittag und die als Kleinkinder verkleideten Reutlinger Mitglieder von "SchwuBert" präsentieren stolz ihren kunstvoll geschmückten Demowagen. "Gottes schwule Kindlein leben, auch ohne Papa Ratzis Segen" steht darauf geschrieben.
Mit lautem Hupkonzert und Musik ziehen die LesBiSchwulen-Gruppen durch die Brückengasse, am Münster vorbei zur Marktstätte. Zwischen 1200 und 1500 Teilnehmer zählt die Konstanzer Polizei, die Veranstalter gehen am Nachmittag von der doppelten Zahl aus. Die Strecke ist gesäumt von Zuschauern, die dem Spektakel teils schüchtern, teils freundlich lächelnd, in jedem Fall aber neugierig gegenüberstehen. Helmut Schmid (77) ist mit seinem 13-jährigen Sohn Michael zufällig am Rande der CSD-Parade gelandet und zeigt sich verständnisvoll: "Ich kann sie verstehen", sagt er und weist auf die bunte Gruppe. Es sei für Homosexuelle gar nicht leicht, sich mit der Gesellschaft positiv zu arrangieren.
Die Organisatoren und Teilnehmer des CSD haben sich jedoch viel mehr als nur ein "Arrangement" mit der Gesellschaft zum Ziel gesetzt. Auf der Marktstätte verlesen CSD-Vorstandsmitglied Anke Mey und der erste Vorsitzende Stefan Baier wichtige Textstellen aus dem insgesamt zwölf Punkte umfassenden Forderungskatalog der Homosexuellen: Sie fordern unter anderem Akzeptanz statt Toleranz und "ein verschärftes Vorgehen der Strafverfolgungsbehörden bei hassmotivierten Gewalttaten", plädieren für die Öffnung der Standesämter für gleichgeschlechtlich Liebende, bessere Sexualpädagogik an Schulen und fordern den Staat dazu auf, auch intersexuellen Menschen - also all jenen, die mit "uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen" geboren werden - das Recht auf Selbstbestimmung zu gewähren. Grünen-Politiker Volker Beck propagiert, den nächsten Wahltag "zum CSD zu machen" und seine Stimme nicht an Parteien zu verschenken, die gegen ein Antidiskriminierungsgesetz seien.
Nach etlichem Regenschirm auf- und wieder zuklappen endet die Demonstration schließlich im Stadtgarten. Endlich dürfen die CheerluderS zeigen, was sie können. Im strömenden Regen liefern sich die Männer fröhlich lächelnd ein Tanzduell mit Konstanzer Cheerleadern. Lotus Blüte von den städtischen "Lucky Ladies" rockt als Tina Turner über die Bühne und Anke Mey und Lydia Malmedie drehen den Spieß als viel beklatschten Drag Kings mit Liedern von Right said Fred und Herbert Grönemeyer um.
Für alle, die ihre Homosexualität nicht so offen ausleben können wie die Konstanzer CSD-Teilnehmer, gibt es am Abend eine Schweigeminute.
Siehe Seite 16, Bilder auf Seite 25 und Seite Baden-Württemberg
