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Konstanz Ab 2016 gehören Lastenräder zum Stadtbild in Konstanz

Bundesweit Vorreiter: Als eine von zur zwei Städten in Deutschland wird Konstanz zum Testfeld für ein Transportrad-Mietsystem. Ab Juni 2016 sollen 30 Gefährte an zahlreichen Stationen stehen. Das Mieten soll ganz einfach sein, versprechen die Macher.

Schnell einen Kasten Sprudel nach Haus bringen, ohne Parkplatzsuche die Einkäufe transportieren, zwei Kinder direkt von Tür zu Tür bringen: Das soll ab nächsten Sommer in Konstanz möglich sein. Die Stadt Konstanz hat den Zuschlag für ein Mietsystem mit Transporträdern erhalten, mit dem der Bund eine neue Form der Mobilität ausprobieren will. Das sagten am Mittwoch Marco Walter als Initiator und Leiter des Projekts sowie Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn. Wie auch das Bundesverkehrsministerium erhoffen sie sich aus dem dreijährigen Versuch Aussagen darüber, wie Städte von Verkehr und Abgasen entlastet werden können. Der Bund lässt sich das 190 000 Euro kosten, die Stadt weitere knapp 50 000 Euro. Dafür gibt es auf die Stadt verteilt Mietstationen für 30 robuste Fahrräder, mit denen die Nutzer auch größere Lasten oder bis zu zwei Kinder ohne extra Anhänger transportieren können.

Gesteuert wird das Projekt von Konstanz aus, als einzige weitere Kommune ist Norderstedt in Schleswig-Holstein noch mit dabei. Die Fäden laufen bei Marco Walter zusammen, dem bundesweit bekannten Konstanzer Radverkehrsexperten. Er ist als Partner der Firma E-Fect dabei, die das Vorhaben managt. Sie schreibt nun auch den Auftrag an Unternehmen aus, die die Fahrräder kaufen, warten und das Mietsystem betreiben sollen. Begleitet wird der bis Mitte 2018 laufende Modellversuch von wissenschaftlichen Studien: „Wir wollen herausfinden, wie sich die eigentlich alte Idee vom Transportrad verbreiten lässt, was Menschen dazu bewegt, solche Fahrzeuge zu benutzen, welche Zweifel und Ängste es gibt und wie sich der Verkehr in Städten durch solche Angebote verändern lässt“, sagt Marco Walter.

Diese wissenschaftliche Begleitung ist ihm zufolge auch ein Grund, warum das Projekt so teuer ist. Auch darüber hinaus ist einiges an Kopfarbeit gefordert. So müssten die Verleihstationen geplant, Reservierungs- und Bezahlungssysteme programmiert und Informationskampagnen gestartet werden. Und die zukünftigen Nutzer sollen von Beginn an mitreden. Auch an der Auswahl der Räder können sie durch eine Online-Umfrage mitwirken. Denn es gibt lange und kurze Transporträder, flotte zweirädrige oder kippsichere dreirädrige. Auch elektrische Hilfsmotoren stehen zur Debatte, wie Marco Walter sagt. Einen ersten Testparcours gab es bereits beim 30. Geburtstagsfest des Technologiezentrums.

Baubürgermeister Langensteiner-Schönborn hofft nun, dass sich möglichst viele weitere Akteure an dem Vorhaben beteiligen. Nach seinen Worten könnten Einzelhändler ihren Kunden Lastenräder zur Verfügung stellen, damit diese ihre Einkäufe nach Hause bringen. Auch die Immobilienwirtschaft wünscht er sich als Partner, die Wobak habe bereits Unterstützung signalisiert. Wenn die Lastenräder gut angenommen werden, könnte die Stadt ein gut eingeführtes Mietsystem übernehmen und müsse keine weiteren Einführungskosten mehr tragen, sagt er. Und er ist sich sicher, dass von dem Projekt Tink (Transportrad in Konstanz) ein Impuls für viele andere Kommunen ausgehen könnte: „Wir werden unser Wissen teilen und sind auch ein bisschen stolz darauf, bundesweit Vorreiter und das Zentrum dieses Versuchs zu sein“, sagt er. Und: „Man muss diese Räder einfach einmal ausprobieren. Sie sind nicht nur total praktisch, sondern machen auch richtig Spaß.“

 

Informationen über das Projekt Tink  (Transportrad in Konstanz) gibt es auch auf deren Facebook-Seite:

 
 

Das TINK-Team macht einen Betriebsausflug und bringt die getestete #Radkutsche zurück. Besonders schön waren geräumige...

Posted by TINK on Thursday, October 1, 2015

 

 

Transporträder: Eine alte Idee kommt in die Städte zurück

Lastenfahrräder gibt es schon seit rund 100 Jahren. In Entwicklungsländern prägen sie bis heute das Straßenbild. Aber auch in Europa kommen sie zurück in den Fokus.

Kinder transportieren: In Holland und Dänemark werden viele Kinder nicht im Anhänger, sondern auf einem besonderen Fahrrad transportiert, das vorne eine Art Kabine oder Kiste hat. Der Vorteil: Eltern sehen ihre Kinder und können während der Fahrt mit ihnen sprechen. Wenn der Kindersitz ausgebaut oder hochgeklappt ist, dient das Kinderabteil für schwere und sperrige Gegenstände.

Lasten befördern: Die Stadtreinigung setzt an vielen Orten – darunter auch Konstanz – auf Lastenräder, denn sie brauchen wenig Platz, sind wendig und machen keinen Lärm. Auch Handwerker haben in früheren Zeiten oft ihr Werkzeug mit speziellen Fahrrädern transportiert. Eine eigene Bauform ist das so genannte Bäckerrad. In Innenstädten setzen auch Logistikfirmen und Kurierdienste vereinzelt Lastenräder ein.

Räder mieten: Eine der großen Neuerungen in vielen städtischen Verkehrssystemen sind Mieträder. Sie können auch für kurze Zeit benutzt werden, oft ist auch die Rückgabe an einer anderen Station als der der Ausleihe möglich. Buchung und Bezahlung erfolgen in der Regel über das Internet, oft über Handys. Statt Schlüsseln haben die Schlösser Zahlenfelder, auf denen man einen Code eingibt. Die Räder werden per Satellit überwacht und von einem Systembetreiber betriebsbereit gehalten.

Erfahrungen sammeln: Lastenräder sind in Deutschland noch wenig verbreitet. In Konstanz sollen Erkenntnisse gewonnen werden, ob sich das ändern lässt. Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn wünscht sich als Ergänzung aber auch ein Mietsystem für ganz normale Fahrräder. Dafür liegen Erfahrungen aus anderen Städten längst vor.

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