Konstanz „Wir sind Freunde geworden“

Auf einen Kaffee mit Richard Lohse und Christopher Motz. Der 22-jährige Physikstudent und der 15-jährige Berufsfachschüler haben sich über das Coachingprogramm Rock your life! (RYL) kennen gelernt.

Auf einen Kaffee mit Richard Lohse und Christopher Motz. Der 22-jährige Physikstudent und der 15-jährige Berufsfachschüler haben sich über das Coachingprogramm Rock your life! (RYL) kennen gelernt

Wie würdet ihr RYL in wenigen Sätzen erklären?

Richard: RYL ist eine Mentoringbeziehung zwischen Hauptschülern und Werkrealschülern und Studenten. Es gibt gemeinschaftliche Veranstaltungen wie Workshops und Feste. Im Mittelpunkt stehen aber die Einzeltreffen zwischen Mentor und Mentee, die etwa alle zwei Wochen stattfinden.

Was macht ihr bei einem solchen Treffen?

Christopher: Wir unternehmen etwas, gehen auf den Weihnachtsmarkt oder treffen uns in einem Café. Dann reden wir über Gott und die Welt, zum Beispiel über Zukunftspläne oder anstehende Klassenarbeiten.

Wie lange dauert eine Mentoringbeziehung normalerweise?

Richard: Das Programm ist auf zwei Jahre angelegt. Bei uns beiden sind die schon vorbei, wir treffen uns aber trotzdem noch oder telefonieren manchmal.

Wie wird entschieden, welcher Schüler welchem Mentor zugeordnet wird?

Christopher: Wir mussten Bögen ausfüllen, darin ging es um die eigenen Interessen und was für einen Studenten man sich wünscht.

Richard: Ich hätte nicht gedacht, dass das nur durch ein Blatt Papier so gut funktioniert. Inzwischen finden zusätzlich persönliche Gespräche zwischen Schülern und Studenten statt.

Erinnert ihr euch noch an das erste Treffen?

Christopher: Das war in einem Klassenraum mit den anderen Mentoren und Mentees. Richard hat mir von Quantenphysik erzählt.

Richard: …und Christopher mir von den Büchern, die er gerade liest. Da hatten wir gleich gemeinsame Themen: Bücher und Naturwissenschaften, das interessiert uns beide.

Wie würdet ihr Euer Verhältnis heute beschreiben?

Richard: Wir sind Freunde.

Christopher: Ja, gute Freunde.

Was waren für Euch Gründe, bei RYL mitzumachen?

Christopher: Einen Studenten kennenzulernen, mit dem man auch mal Dinge besprechen kann, über die man mit den Eltern vielleicht nicht so gerne redet.

Richard: Ich wollte mehr machen als nur zu studieren und mir hat die Idee von RYL gefallen. Man trifft Leute, die man sonst vermutlich nicht kennengelernt hätte.

Was gefällt euch besonders an Rock your life?

Christopher: Man hat jemanden, mit dem man über alles reden kann, jemanden der einem hilft…

Richard: Es entstehen Freundschaften. Obwohl wir in unterschiedlichen Lebenssituationen sind, haben wir doch ähnliche Probleme, da wir beide in der Ausbildung sind, ob in der Schule oder an der Uni. Da kann man sich gut austauschen.

Was mögt ihr aneinander?

Richard: Christopher kann sich für Dinge begeistern, er hat nicht diese Null-Bock-Haltung wie manch andere in seinem Alter, die dümpeln nur so vor sich hin.

Christopher: Richard kann gut erklären, wenn man etwas nicht versteht, man kann sich gut mit ihm unterhalten und er hat manchmal Dinge schon gemacht, die ich noch nicht gemacht habe, dann kann er mir Tipps geben.

Gibt es Momente, die Euch in Erinnerung geblieben sind?

Christopher: Treffen auf dem Weihnachtsmarkt, zusammen am See sitzen…

Richard: Als wir zusammen im archäologischen Landesmuseum waren. Da hat Christopher mir auch etwas erklärt, in Geschichte kennt er sich super aus.

Hat die RYL-Zeit deine Zukunftspläne verändert, Christopher?

Christopher: Ja, ich interessiere mich für Bücher und durch RYL bin ich auf die Idee gekommen, ein Praktikum in einer Bibliothek zu machen. Das hat geklappt und es hat mir gut gefallen. Ich könnte mir gut vorstellen, dort eine Ausbildung zu machen.


Zu den Personen

Richard Lohse: Der 22-jährige Physikstudent aus Konstanz teilt sich mit Felicitas Binder den Vorsitz des Vereins Rock-you life (RYL) und hat zudem als Mentor am Programm teilgenommen. In seiner Freizeit hört er gerne Musik und liest. Rock you life ist ein Projekt an der Universität Konstanz und hat es sich zur Ausgabe gemacht, die vorhandene Bildungsungerechtigkeit und Chancenungleichheit zu verbessern.

Christopher Motz: Der 15 Jahre alte Jugendliche hat im vergangenen Jahr seinen Hauptschulabschluss gemacht und besucht momentan die Berufsfachschule in Hegne. Auch er liest in seiner Freizeit gerne, er spielt Klavier, interessiert sich zudem für Sprachen und sammelt Münzen. (js)

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