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Konstanz „Ausgesprochen: Wissenschaft“ endet furios

50 Abende, fast 5000 Besucher und ganz zum Ende sitzt der Moderator selbst auf dem heißen Stuhl: So ist in Konstanz die erfolgreiche Gesprächsreihe mit Spitzenforschern zu Ende gegangen.

Wissenschaft kurz und bündig erklärt, so dass sie jeder versteht. Das war vor fünf Jahren das Ziel der Macher von „Ausgesprochen: Wissenschaft“, einer Diskussionsreihe von SÜDKURIER, Universität und Hochschule HTWG Konstanz. Am Dienstagabend fand mit der 50. Ausgabe gleichzeitig auch die letzte statt. Über 100 Gäste erlebten das Finale im Café Voglhaus. „Es sollte zunächst nur ein Versuch sein, Wissenschaftler und Interessierte an einen Tisch zu bringen. Dann wurden daraus die erfolgreichen Gespräche mit fast 5000 Besuchern in den vergangenen fünf Jahren“, sagte Uni-Rektor Ulrich Rüdiger.

Trotz des schwülen Wetters standen Besucher vor dem Café Vogelhaus Schlange. Alle wollten Sie dabei sein, wenn Moderator und Leiter der Lokalredaktion Konstanz Jörg-Peter Rau zum letzten Mal diese spannende Diskussionsrunde mit Elan und präzisen Fragen moderierte. Die Professorin für Mittelalterliche Geschichte an der Uni Konstanz, Gabriela Signori, war sein Gast. Signori interessiert sich für ein Mittelalter jenseits der Vorurteile und erklärte, wie im Spätmittelalter die Geldgeschäfte in den Städten funktionierten. Konstanz fasste damals etwa 6000 Einwohner und hatte einen regen Zulauf zu verzeichnen. Das Zusammenleben in der Stadt musste geregelt werden und somit wurden auch die Geldgeschäfte, wenn es zu Streitigkeiten kam, in Gerichtsbüchern vermerkt.

Sonst wurde aber in Sachen Geldhandel wenig aufgeschrieben, erzählte Signori: Die Menschen gaben kein Bargeld aus, sondern liehen sich gegenseitig im Vertrauen Geld oder Waren. Jeder war mit jedem wirtschaftlich irgendwie verkettet. Die Schuldenwirtschaft war Alltag, und die Zahlungsmoral gering. Nur im Todesfall kamen die Gläubiger auf den Schuldner am Sterbebett zu und wollten ihr Geld zurück. Solche und andere Kuriositäten aus dem Mittelalter servierte Signori mit souveräner Leichtigkeit der gebannten Zuhörerschaft. „Ich kenne keine andere Epoche, die so materialistisch ist wie das Spätmittelalter“, erklärte Signori offen.

Sie räumte außerdem mit vielen typischen Vorurteilen vom angeblich dunklen Mittelalter auf. Ihre Existenz führte sie vor allem auf die Forschung und Dichtung des 19. Jahrhunderts zurück. Rau fragte nach ihrer Arbeitsweise als Forscherin, Signori verwies auf die vielen Originaldokumente aus der Zeit in ihrer Heimatstadt Basel: „Basel hat ein äußerst zusammenhängendes Gerichtsarchiv, darum forsche ich dort gerne. Die Masse an Dokumenten lassen mich in die Realität der Zeit schauen“, erläuterte sie ihre Arbeit.

In der Fragerunde nach dem Zwiegespräch wurde Jörg-Peter Rau überraschend vom Fragesteller zum Befragten – Harald Kühl brachte sein Projekt „Störfälle“ ins Voglhaus und verwickelte Rau in eine Diskussion über Deutsche und Schweizer. Mal ernst, mal heiter ging es hin und her, bevor Torsten Geiling, der stellvertretende Chefredakteur des SÜDKURIER mit einem Dank an alle Beteiligten das Finale des Finales markierte. Das letzte Wort hatte der langjährige Moderator Jörg-Peter Rau: „Wenn Sie sich gut informiert und gelegentlich auch gut unterhalten gefühlt haben, freue ich mich. Denn gerade diese beiden Aufträge zusammenzuführen, das ist die Aufgabe von uns Journalisten.“

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Ausgesprochen: Wissenschaft: „Ausgesprochen: Wissenschaft“ ist ein gemeinsames Angebot von SÜDKURIER, Universität und HTWG Konstanz. In einem dreiviertelstündigen Dialog erklären Spitzenforscher aus den Hochschulen der Stadt allgemeinverständlich, woran sie arbeiten.
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