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Konstanz 80 Retter, 1000 Grad und eine Frage: Warum?

12.06.2010


Die Feuerwehrleute konnten das Kinderhaus Edith Stein nicht retten. Sie haben aber Schlimmeres verhindert

Einsatzleiter Andreas Knäble und seine Kameraden sind die Nachhut. Mit Schaum ersticken sie am Freitagmittag noch die letzten Glutnester im Kinderhaus Edith Stein. Gespenstisch erhebt sich der Qualm aus der Ruine. Sein Gestank erinnert daran, welche dramatischen Szenen sich Stunden zuvor in der Jägerkaserne in Petershausen haben.

Es ist nichts mehr zu retten. Die rund 80 Feuerwehrleute aus Petershausen, der Altstadt, Wollmatingen, aus Allmannsdorf und Litzelstetten ahnen schnell, als sie kurz nach 3.30 Uhr an der Gustav-Schwab-Straße eintreffen. Der Kindergarten steht lichterloh in Flammen. Zusammen mit der langen Rauchsäule, die der Wind nach Osten biegt, verkünden sie bis in die Schweiz, was hier gerade passiert: 122 Kinder werden ab sofort nicht mehr in ihrem geliebten Kindergarten schaukeln, rutschen, spielen können.

Uwe Jordan behält in dieser Nacht den Überblick. Der stellvertretende Konstanzer Gesamtkommandant leitet den Einsatz. Er und seine Kameraden umzingeln das brennende Kinderhaus, unablässig fließt das Wasser aus den Rohren. Sie können das Gebäude nicht erhalten. Aber die Nachbarhäuser vor den Flammen schützen, die in alle Richtungen züngeln. Am Komplex direkt neben dem Kinderhaus bersten Fenster, Jalousien kapitulieren vor der Hitze. In diesem Haus ist kein Bewohner mehr, die Polizei hatte es evakuiert.

„Das ging ruckzuck.“ Ein Student erzählt, mit welcher Geschwindigkeit sich der Brand entwickelt hat. „Plötzlich stand alles in Flammen“, fügt er hinzu. Es stoßen immer mehr Zuschauer in sicherem Abstand zum Großbrand: es sind nicht nur Studenten, auch Gäste der an der Jägerkaserne stehenden Beherbergungsbetriebe, Bewohner aus Petershausen. Sie werden Zeugen, mit welchem unerbittlichen und professionellen Einsatz die Feuerwehrleute gegen die Flammen kämpfen. Wie sie Hitze möglichst wenig Angriffsfläche auf ihren Körper bieten; sie ducken sich, suchen hinter einem Hügel Schutz, zielen mit den Löschrohren von allen Seiten auf das Feuer. Von oben kommt das Wasser von der Drehleiter.

Es knackt, es knistert, es lodert, ein krachendes Geräusch dringt durch die Nacht. „Man muss jederzeit damit rechnen, dass das Gebäude einstürzt“, schildert Feuerwehrsprecher Nikolaj Schutzbach. In einigen Stunden wird fast nur noch das Stahlgerippe übrig sein, das Feuer frisst sich mit jeder Sekunde weiter durch die Holzverschalung nach außen – mit bis zu 1000 Grad, schätzt Schutzbach.

Während seine Kameraden das Feuer in Schach halten, berät sich die Einsatzleitung immer wieder einige Meter entfernt. Ein Feuerwehrfahrzeug dient sozusagen als Zentrale. Von hier aus wird vielleicht nicht alles, aber vieles koordiniert. Und beraten, wer über den Brand informiert werden muss. Bürgermeister Claus Boldt und Stadtsprecher Walter Rügert treffen ein, wie auch Verantwortliche von Kindergarten und Träger St. Gebhard. Die Stadtwerke kappen die Stromversorgung und legen die Solaranlage des Kinderhauses lahm. Es soll niemand einen Stromschlag erhalten. Auch wenn es gebrannt hat, die Anlage könnte noch funktionieren und umgewandelte Sonnenergie weiterleiten.

Das Feuer wird kleiner. Gelöscht ist es lange nicht. Bis Freitagnachmittag wird Andreas Knäble als Einsatzleiter der Nachlöscharbeiten mit seinen Kameraden Glutnester mit Schaum bekämpfen. Der Brand hat ein nicht wieder erkennbares Kinderhaus hinterlassen. Schaden: drei bis vier Millionen Euro, gibt die Polizei die Aussage des Architekten weiter, plus zerstörtes Inventar und Schäden an Nachbargebäuden. Ein schwerer Schlag für die Stadt. Wenn die Ruine abgekühlt ist, wird die Kriminalpolizei mit der Ermittlung der Brandursache beginnen. Was auch rauskommen mag: 122 Kindern und deren Eltern hat dieser Brand mehr beschert als nur den Umzug in eine provisorische Betreuungseinrichtung. Er hat ihr Kinderhaus, für das sie sich eingesetzt haben sowie ihre geliebten Spielsachen zerstört. Das verkokelte Trampolin ist stummer Zeuge einer traurigen Nacht.

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