Das Konstanzer Konzil von 1414 bis 1418 war ein Ereignis der Superlative: größter Kongress Europas im späten Mittelalter und einzige Papstwahl nördlich der Alpen. Das 600-jährige Jubiläum soll groß gefeiert werden - aber ohne Superlative.
Noch ist das Programm für die Feierlichkeiten von 2014 bis 2018 erst in Umrissen erkennbar. Fest steht allerdings schon, was das Jubiläum nicht werden soll. „Kein Bratwurstfestival“, sagt Projektmanagerin Ruth Bader. Seit 2009 koordiniert die Historikerin und Theaterwissenschaftlerin an der Spitze des städtischen Eigenbetriebs „Konzilstadt Konstanz“ die Planungen.
Mittelalterspektakel kommen nicht ins Programm, dafür garantieren nach Baders Überzeugung schon die Mitspieler: Kirchen, Universitäten sowie die Kultureinrichtungen der Stadt von den Museen über die Südwestdeutsche Philharmonie bis zum Theater sind mit im Boot. „Alle Institutionen wollen eine qualitätsvolle Auseinandersetzung mit der Geschichte und sicherlich keine Ritterspiele“, betont Bader. Mitmachen wollen auch die Konstanzer Partnerstädte Fontainbleau (Frankreich), Richmond (Großbritannien), Tabor (Tschechien) und Lodi (Italien). Österreich und die Schweiz haben gleichfalls Interesse bekundet.
Wegen der zentralen Lage hatte König Sigismund (1368-1437) die Versammlung geistlicher und weltlicher Würdenträger aus ganz Europa nach Konstanz einberufen. Die Kirchenspaltung sollte überwunden werden. Drei konkurrierende Päpste wurden abgesetzt, Martin V. zum neuen Papst gewählt. Reformideen jedoch waren unerwünscht. Der Kirchenkritiker Jan Hus wurde als Ketzer verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. In den Konzil-Jahren zählte die Stadt bei nur 6000 Einwohnern ständig rund 20 000 Gäste. Unter ihnen waren auch Gelehrte, Kaufleute oder Künstler.
Die Jubiläumsjahre unter dem Motto „Europa zu Gast“ wollen die epochale Wirkung der Versammlung widerspiegeln. Dabei soll es nicht nur um akademische Betrachtungen, sondern auch um Kunst, Wissenschaft, Bildung und Religion sowie das Alltagsleben gehen. Denn das Konzil hat bis in die Gegenwart sichtbare Spuren in Konstanz hinterlassen, von Kirchenmalerei über Architektur bis zum Konzilsgebäude. Die Veranstaltungen ranken sich um „Fünf Jahre, fünf Köpfe, fünf Themen“, erklärt Bader. „Die Köpfe sind historisch, die Themen sind zeitlos“, erläutert die 35-Jährige.
Den Auftakt macht 2014 das „Jahr der europäischen Begegnung“ rund um König Sigismund. Es spürt im Jahr der EU-Parlamentswahl der europäischen Identität einst und jetzt nach. Hauptattraktion wird eine große Landesausstellung mit Kunstschätzen aus ganz Europa sein. 2015 mit dem Titel „Jahr der Gerechtigkeit“ stellt Jan Hus (ca. 1370-1415) in den Mittelpunkt. Dem Luther-Vorgänger ist in Konstanz ein kleines Museum gewidmet, dessen Konzept vollständig überarbeitet werden soll.
„Wir wollen das Jubiläum auch nutzen, um Dinge ins Rollen zu bringen, die auch danach noch Bestand haben“, sagt Bader. Die von Balzac erschaffene Kunstfigur der Kurtisane „Imperia“, deren satirische Nachbildung des Bildhauers Peter Lenk zum Konstanzer Wahrzeichen geworden ist, verkörpert 2016 das „Lebendige Mittelalter“. 2017 ist dann das „Jahr der Religionen“. Dabei soll nicht nur die einzige Papstwahl auf deutschem Boden gefeiert, sondern der interreligiöse Dialog gepflegt werden. Ob der Papst der Einladung der Stadt Konstanz folgt, ist völlig offen.
Bader würde es freuen, betont aber: „Ein Papst-Besuch ist kein Maßstab für das Gelingen des Jubiläums.“ Zum Ausklang 2018 symbolisiert Oswald von Wolkenstein (ca. 1377 bis 1445), Ritter im Dienste von König Sigismund und Minnesänger, das „Jahr der Kultur“. Das Jubiläum soll nach Baders Vorstellung auch ein ganz neues Image der Region vermitteln. „Der Bodensee hat es bisher versäumt, deutlich zu machen, dass er ein sehr christlich geprägter, sakraler Raum ist, mit unzähligen Kirchen und Klöstern wie den zwei Unesco-Weltkulturerbestätten Reichenau und St. Gallen“.
Damit soll der Kulturtourismus außerhalb der Sommersaison angekurbelt werden. Das Gastgewerbe würde sich freuen. Denn die Hoteliers denken seit Jahren darüber nach, wie sie ihre Betten im Rest des Jahres füllen sollen.
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