Das geht niemals weg“, sagten wir schmunzelnd mit Blick auf den Kerzenständer im Leopardenlook. Eine halbe Stunde später war er verkauft. Geschmäcker sind eben verschieden, heißt es so schön – und gerade auf dem Konstanzer Flohmarkt kann man davon ein Liedchen singen. Hier gibt es nicht nur alles zu kaufen, was das Herz begehrt. Hier kann man auch alles, was man loswerden will, verkaufen.
Zu Viert nannten wir am Wochenende 24 Stunden lang einen zwölf Quadratmeter großen Stand mit zwei weißen Pavillons unser Reich (siehe Bild ganz rechts). Dank Omas, Mamas, Freundin von Oma, Schwester von Oma und eigenem Kleiderschrank bogen sich Bierbank und Biertisch unter den Lasten von jahrealtem und verstaubtem Geschirr, Büchern, Spielsachen, Schmuck und Klamotten. „Die rosa Porzellanhand? Aber gerne!“, „Das T-Shirt im Nena-Look, klar!“ Was für eine Freude, wenn das Geld für jedes verkaufte Teil direkt in die eigene Tasche fließt. Aber Vorsicht bei professionellen Käufern. Die entdecken nämlich wahre Raritäten unter dem verstaubten Nippes vom Dachboden. Da konnte es schon mal passieren, dass man eine afrikanische Maske glücklich für fünf Euro verkaufte und 50 Meter weiter für 75 Euro zurückkaufen konnte. Fürs Protokoll ist also zu vermerken: Achtung bei Käufern mit großen Rucksäcken und Stirnlampen, die alles genau unter die Lupe nehmen, beim Geschirr unten drauf schauen und einem erklären, wie die eigenen elektrischen Geräte am Stand funktionieren.
Natürlich gab es aber auch noch die normalen Käufer, die selbst das wechselhafte, teils sehr nasse Wetter nicht von der Kauffreude abhalten konnte. Schon in der ersten halben Stunde am Samstagabend – die Kartons waren noch nicht ausgepackt, der Stand noch nicht aufgebaut – wurden uns die Sachen förmlich aus den Händen gerissen. Tatsächlich war der Verkauf am Sonntag nur die nette Beigabe, das eigentliche Hauptgeschäft lief bis 24 Uhr am Samstag. Dann nämlich, als die Taschenlampen gezückt, die Teelichter am Stand aufgestellt und die warmen Jacken angezogen wurden.
Um halb vier Uhr morgens aber wurde es nicht nur uns, sondern auch den meisten Besuchern zu kalt und wir ließen unseren Stand abgedeckt zurück. Aber nur bis um sieben Uhr, denn um diese Zeit waren die ersten Schnäppchenjäger auch wieder auf den Beinen. Und dann geschahen wieder Dinge, die eben nur auf Flohmärkten passieren: Eine Frau entdeckte an einem Stand ihre Hochzeitsschuhe, die sie vor vielen Jahren selbst verkauft hatte. Sie kaufte sie wieder zurück. Flohmärkte machen nämlich nicht nur Spaß, sie machen manchmal auch sentimental.