Konstanz „Promis müssen sich an Gesetz halten“
23.10.2009
Martin Walser
Der Rauswurf des Schriftstellers Martin Walser (82) aus dem Café Wessenberg vom vergangenen Samstagabend sorgt für erneute Diskussionen in der Stadt zum Thema Rauchverbot und über die Frage, ob Promis sich mehr erlauben können als andere.
Für Wolfgang Daub, Geschäftsführer der Ortsstelle Konstanz des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), ist die Sache klar: „Prominenz schützt nicht davor, dass man sich ans Gesetz halten muss“, sagte Daub gegenüber dem SÜDKURIER.
„Ich finde es eher merkwürdig, wenn prominente Menschen glauben, sie könnten sich alles erlauben“, so der Verbandsfunktionär weiter. Der Wirt habe mit seiner strikten Linie gegenüber dem Personal, das Verbot durchzusetzen, richtig gehandelt, schließlich hätte er im Zweifel auch bestraft werden können.
Nach dem neuen Nichtraucherschutzgesetz drohen auch Wirten Bußgelder von bis zu 5000 Euro im Wiederholungsfall sind hier möglich.
Pikant an der Geschichte ist zudem nicht nur, dass ein prominenter Schriftsteller vor die Tür gesetzt wurde, sondern auch dass es im Café Wessenberg geschehen ist. Chef hier ist Freie-Wähler-Stadtrat Anselm Venedey, der ein gespaltenes Verhältnis zu Walser hat (siehe beistehender Text). In einem Brief an OB Horst Frank schildert Venedey den Vorfall und gibt zu, dass er „kein Freund Martin Walsers“ sei. Gleichwohl bedauere er das Ganze sehr. Bei der Auseinandersetzung selbst war Venedey nicht anwesend. Er habe das Lokal verlassen, als er Walser habe kommen sehen. „Ich wollte Streit vermeiden“, sagte Venedey gegenüber dem SÜDKURIER.
Vor fünf Jahren, erklärte der Wirt weiter, habe er Walser schon einmal gebeten das Restaurant zu verlassen. Damals habe der Autor laut Venedey eine Bedienung beleidigt. Im aktuellen Fall stärkt er seiner Mitarbeiterin den Rücken: „Sie hat absolut richtig gehandelt. Es kann nicht sein, dass Prominente nach eigenen Gesetzen leben“, so Venedey.
Wie hätten andere Konstanzer Gastronomen auf einen rauchenden Prominenten reagiert? „Einem prominenten Gast wird bei uns nicht mehr zugestanden als jedem anderen Gast auch“, sagt etwa Benjamin Güller, Chef des Konstanzer Inselhotels. Er habe Verständnis für die Entscheidung der Kellnerin Michaela Mädel. Sie hatte Walser gebeten zu gehen. Im Inselhotel sei es bisher nicht zu Problemen dieser Art gekommen.
Auch Peter Kolb, Chef des Hotel-Restaurant Riva an der Seestraße, würde einen rauchenden Promi im Restaurant nicht dulden. „Sollte das bei uns vorkommen, würde ich mit der betreffenden Person sprechen und sie diplomatisch bitten, in unserer überdachten Lounge oder auf der Terrasse weiter zu rauchen“, so Kolb. Wenn Gäste ganz uneinsichtig seien, dann bleibe dem Wirt keine andere Wahl als die Bitte, das Restaurant zu verlassen.
Kellnerin wirft Martin Walser aus Café
Walser und Venedey: Schwierige Verhältnisse
das ist eben kein Augenblick der Liebe (2004), sondern der Wahrheit: ...