Auf einen Kaffee mit Jost van Aaken, der im Rosgartencafé erzählt, warum er bei einer Künstlergruppe fürBehinderte mitmachtJost, warum malst du gerne?Weil das mein Hobby ist. Malen hat mich schon immer irgendwie interessiert, das habe ich schon als Kind zu Hause gemacht.Wie kamst du zur Künstlergruppe Mittendrin der Caritas?Ende 2007 habe ich entschlossen, von zu Hause auszuziehen, ins Wohnheim zu gehen und selbstständig zu werden.
Und im Wohnheim kann ich malen.
Du hast ein Bild mitgebracht. Was ist darauf zu sehen?
Ich bin mit meinem Vater nach Singapur geflogen, weil meine Schwester da wohnt. Wir haben dort Urlaub gemacht und ich habe Singapur-Bilder gemalt. Singapur ist eine Millionenstadt, das fand ich interessant.
Was empfindest du, wenn du malst?
Freude. Wenn man dunkle Farben nimmt, ist es ja eher traurig, Schwarz macht das Bild trostlos. Ich male immer mit hellen Farben, vor allem mit Orange und Rot. Ich mag auch helles Grün und Gelb. Aber das Gelb darf nicht zu grell sein.
Wo kann man deine Bilder anschauen?
Galerien und Leute können die Bilder mieten, eine Zeit lang angucken und dann tauschen. Bei unserem Zahnarzt hängen zum Beispiel Bilder von uns. Und wir machen auch manchmal Ausstellungen.
Hast du auch Bilder vom Bodensee gemalt?
Ich habe mal Bilder von der Insel Mainau gemalt. Im Frühling blühen doch die Blumen auf der Insel, da habe ich ein Bild mit einem Baum und einer Wiese mit blühenden Tulpen und Osterglocken gemalt. Dahinter sind noch ein Weg durch den Park und der Bodensee. Und ich habe mal einen Busch mit weißem Flieder gemalt, im Hintergrund der Himmel und die Berge vom Bodensee. Ich male, worauf ich gerade Lust habe. Ich habe auch schon mal einen Stierkämpfer gemalt.
Was wird dein nächstes Motiv?
Vielleicht mache ich ein Bild vom Strand oder vom Meer, wenn ich irgendwohin im Urlaub gehe, mal etwas anderes. Also nicht nur Singapur-Bilder. Meine Familie hat schon Urlaub in Hamburg und an der Côte d'Azur geplant. Menschen habe ich noch nicht gemalt, aber das kann ich auch mal versuchen.
Bist du gut im Malen?
Am Anfang hatte ich schon ein bisschen Schwierigkeiten, weil es neu für mich war und ich fremd war in der Künstlergruppe. Jetzt ist es nicht mehr so schwierig. Wir kriegen manchmal Kalender, und dann können wir uns aussuchen, was wir machen. Die Fotografien auf dem Kalender können wir abmalen. Ich möchte nicht aufhören mit dem Malen, das ist mein Ziel. Ich glaube, dann wäre ich nicht froh. Es würde etwas fehlen, es wäre langweilig.
Du lebst in einer Trainingswohngruppe, um auszuprobieren, ob das mit dem Alleineleben klappt. Was macht ihr da zusammen?
Wir kochen, aber da muss immer ein Betreuer dabei sein. Wir können uns aussuchen, was wir kochen, also Pizza, Nudeln oder etwas Vegetarisches. Ich mag gern Lasagne, Pizza und Salat.
Findest du es gut, dass du nicht mehr zu Hause wohnst?
Ja. Ich bin schon ein bisschen selbstständiger geworden. Ich kriege vom Betreuer Geld und dann muss ich die Sachen einkaufen und den Kassenbon mitbringen. Einmal ist der Betreuer mit mir einkaufen gegangen, aber ich bin alleine mit dem Einkaufswagen durchs Geschäft gelaufen und habe selbst eingekauft. Wie teuer die Sachen sind!
Hast du an alle Sachen gedacht, die ihr gebraucht habt?
Eins habe ich vergessen.
Was war das?
Ich glaube, Küchenrolle. Sind wir mit dem Gespräch jetzt fertig? Ich habe noch nie ein Interview gemacht. Vorher war ich nervös, aber jetzt gar nicht mehr. Das hat Spaß gemacht.
Fragen: Kirsten Schlüter
Alle Gespräche der Serie im Internet:
www.suedkurier.de/aufeinenkaffee