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Konstanz „Ich verlasse Konstanz im Guten“



Seit vergangener Woche ist klar: Stadtplaner Roland Jerusalem wird Konstanz im Juni nach dann vier Jahren verlassen. Im Interview erklärte er, warum er geht und worauf er sich in Freiburg besonders freut.
Info: Zur Person

Herr Jerusalem, nach dreieinhalb Jahren brechen Sie Ihre Zelte in Konstanz ab und wechseln nach Freiburg. Warum eigentlich?

Dazu muss man wissen: Freiburg war immer eine Option, mit der meine Familie und ich geliebäugelt haben. Und jetzt war uns klar, wenn wir noch mal umziehen, dann müsste es schon Freiburg sein. Eine Stadt mit der Bau- und Planungskultur, da muss ich jeden um Verständnis bitten, dass ich da nicht Nein sagen konnte. Abgesehen davon war es eben auch keine Entscheidung gegen Konstanz, sondern für Freiburg.

Das heißt, Sie gehen im Guten vom Bodensee an die Dreisam?

Ja, absolut. Ich möchte auf die Erfahrung Konstanz nicht verzichten. Wir werden mit Konstanz immer verbunden bleiben – und das nicht nur, weil unser ältester Sohn sein Studium an der Universität fortführt. Beruflich hatte ich ein sehr motiviertes Team hier, mit dem es mir großen Spaß gemacht hat, zu arbeiten. Tatsächlich war mein schwerster Tag in Konstanz der Tag, an dem ich meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sagen musste, dass ich sie verlassen werde. Das ist mir nicht leicht gefallen.

In Konstanz wird bald ein neuer Oberbürgermeister gewählt, in zwei Jahren läuft auch die Amtszeit von Baubürgermeister Kurt Werner aus – haben diese offenen Personalfragen Ihnen den Weg nach Freiburg erleichtert?

Natürlich habe ich das reflektiert. Was passiert nach der Wahl des neuen Oberbürgermeisters oder der neuen Oberbürgermeisterin? So eine Neubesetzung bedeutet Chance und Risiko. In Heidelberg habe ich nach einem OB-Wechsel schlechte Erfahrungen gemacht. Dinge, die als abgesprochen galten, wurden damals wieder in Frage gestellt. Eine solche Situation möchte ich nicht wieder erleben.

Wie steht denn Konstanz aus Sicht eines Stadtentwicklers derzeit da?

Konstanz ist auf einem guten Weg. Die Frage ist aber – geht der stadtentwicklungsplanerische Weg so weiter oder setzen neue Entscheidungsträger andere Akzente? Das ist kaum zu kalkulieren. Ich denke, wir haben hier in den vergangenen Jahren einige Entwicklungen angestoßen, die es verdienen, weitergeführt zu werden.

Was nehmen Sie aus Ihrer Zeit in Konstanz mit?

Grundsätzlich, und das ist mir auch wichtig zu betonen, gibt es in Konstanz ein sehr konstruktives Miteinander. Die Wege sind kurz und ich habe bei allen Menschen erst einmal eine offene Gesprächskultur und Bereitschaft zum Austausch angetroffen. Das habe ich in anderen Städten auch schon anders erlebt. Meine Erfahrung hier ist: Wenn man auf die Leute offen zugeht, dann öffnen sich Türen. So hat sich beispielsweise zu den Konstanzer Hochschulen ein sehr guter und kurzer Draht entwickelt, für den ich sehr dankbar bin. Und noch eine Beobachtung, die komischerweise in der Binnensicht viele oft gar nicht so wahrnehmen: In Konstanz wird nicht nur geredet, sondern Dinge werden auch in die Tat umgesetzt. In Heidelberg verschwanden viele Pläne auch in Schubladen. Das ist hier anders und deutlich angenehmer. Den Gemeinderat habe ich hier auch pragmatischer erlebt als in anderen Städten. Mein Eindruck ist, dass man hier im Zweifel lieber gemeinsam Ergebnisse für die Stadt erreicht, als sich mit parteipolitischem Geplänkel aufzuhalten.

Haben Sie das Projekt Konzert- und Kongresshaus etwa schon vergessen?

Okay, stimmt. Das ist aber eigentlich die einzige endlose Debatte, die ich hier erlebt habe. Das Beispiel zeigt aber auch gut, was künftig in Planungsprozessen immer wichtiger wird – ein guter Projekteinstieg sowie eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit. Es reicht eben nicht, gut zu planen, man muss auch gut informieren. Dafür muss man dann auch Geld in die Hand nehmen. Ich halte es für sinnvoll, eine Summe von rund zehn Prozent der Projektkosten in Öffentlichkeitsarbeit zu investieren, wenn man bedenkt, dass 50 Prozent des Projekterfolges von einer guten Öffentlichkeitsarbeit abhängen.

Was sind die wichtigen Projekte für Konstanz in den kommenden Jahren?

Ganz wichtig ist das Thema Verkehr. Da arbeiten wir ja im Augenblick intensiv an dem Masterplan Mobilität. Hier wollen wir bewusst und nachhaltig die Bürger mitnehmen. Daneben geht es natürlich darum, das qualitative Wachstum der Stadt weiter zu sichern. Wie geht es mit dem Konzept der Nachverdichtung weiter? Was sind geeignete Flächen für Neubaugebiete?

Werden Sie in Freiburg auch die eckigen Sonnenschirme aus dem Stadtbild verbannen?

Freiburg hat traditionell ein ausgeprägtes Bewusstsein für sein Innenstadt-Stadtbild, so dass alle „Instrumente“ vorhanden sind, um eine durchgängige Qualität zu gewährleisten.

Worauf freuen Sie sich jetzt in Freiburg am meisten?

Freiburg hatte immer eine hohe Planungskultur, wofür ich mich an anderen Orten eingesetzt habe. Dass ich jetzt in einer Stadt mit einer solchen Haltung mitwirken kann, ist großartig. Besonders spannend wird wohl vor allem ein Projekt: Der Umbau des Güterbahnhof-Areals in Freiburg. Eine Fläche von 40 Hektar ist da zu beplanen, das ist eine außergewöhnliche Möglichkeit für jeden Stadtplaner. Es wird auch darum gehen, wie man in einer Stadt, der allmählich die Wachstumsflächen ausgehen, weiter den Bau von 1000 Wohneinheiten pro Jahr sicherstellen kann. Da erwarte ich intensive Debatten zum Leitbild der Stadt im Freiburger Gemeinderat.

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