Konstanz „Dort herrscht Goldgräberstimmung“
„Schon zu meiner Schulzeit hat mich die chinesische Sprache und Kultur fasziniert. Gepackt von Fernweh entschloss ich mich nach dem Abitur ein Praktikum bei einer PR-Agentur in Shanghai anzutreten“, sagt Ewelina Wosek. Das war vor vier Jahren. Heute ist die 23-Jährige bereits im siebten und letzten Semester des Studiengangs Wirtschaftssprachen Asien & Management an der HTWG Konstanz und schreibt an ihrer Bachelorarbeit. Zusammen mit ihren drei Kommilitonen Dominik Heisler (30), Patrick Fettke (30) und Matthias Schliwa (30) verbrachte sie das fünfte und sechste Semester im aufstrebenden Reich der Mitte.
Das Pflichtauslandsjahr ist quasi Kern des Studiums und vermittelt mit asiatischem Hochschulbesuch und Berufspraktikum tiefgreifende Erfahrungen in Landeskultur, Sprache und Wirtschaftskompetenz. Alle vier waren begeistert von ihrem Abenteuer in China, das sie getrennt in verschiedenen Regionen verbrachten. „Anfangs war es für uns nicht immer einfach, insbesondere die im Vergleich zu Deutschland niedrigen Hygienestandards sind gewöhnungsbedürftig“, sagt Schliwa. Die chinesische Küche konnte hingegen alle für sich gewinnen. Doch mussten sie sich erst daran gewöhnen.„Wir lagen fast alle mindestens einmal wegen Magenverstimmungen im Krankenhaus“, sagt Heisler. Wer zwölf Monate im ehemaligen Kaiserreich verbringt, ist in der Regel bei Gastfamilien oder im Praktikum über den Arbeitgeber untergebracht. Auf diese Weise lernen die Studenten das Land sehr gut kennen, das manchmal anders ist als westliche Medien es darstellen.
Wer glaubte, im Flächenland China gäbe es an jeder Ecke ein Restaurant in dem Hund auf dem Speiseplan steht, wurde vor Ort enttäuscht. Darüber hinaus waren die Deutschen häufig mit fremden Verhaltensweisen konfrontiert. Man sollte sich beispielsweise in einem Restaurant nicht die Nase schnäuzen. Höflichkeitsfloskeln wie „Bitte sehr!“ oder „Dankeschön!“ sind im Alltagsleben ebenfalls nicht gängig. Hingegen ist es kein Problem in der Öffentlichkeit beherzt auf den Boden zu spucken oder um Preise zu feilschen. Wer Trinkgeld geben will, wird entgeistert angeschaut oder bekommt es wieder zurück. „Wichtig ist, mit viel Offen- und Gelassenheit den neuen Gegebenheiten zu begegnen. Dadurch überprüft und hinterfragt man eigene, eingefahrene Verhaltensroutinen“ sagt Schliwa in Übereinstimmung mit seinen drei Kommilitonen. Nach dem Bachelor-Abschluss wollen alle vier so schnell wie möglich wieder zurück in das riesige Land, in dem momentan jede Woche ein neues Kraftwerk ans Netz geht. „Dort herrscht einfach Goldgräberstimmung“, schwärmt Heisler.
