Vor dem entscheidenden Wahlgang am Sonntag in Hohenfels setzt Kandidat Ulrich Miller einen Bürgerabend auf Probe an
Ulrich Miller (49) bekennt im Nebenraum des Bären in Liggersdorf, dass er der Empfehlung seiner Frau Claudia Dietz-Miller gefolgt ist. Ginge es nach ihm, hätte er mit Laptop und Beamer hantiert. „Meine Frau war dagegen.“ Deshalb notiert Bürgermeisterkandidat Miller die basisdemokratisch erarbeiteten Themen auf dem großkarierten Papier eines Flipcharts, was dem Geschmack des Publikums entspricht.
Dabei ist basisdemokratisch so eine Sache. Miller will zwei von acht aufgeschriebenen Themen per Abstimmung zur weiteren Diskussion stellen. Doch einige der als Zuhörer und zum Mitreden gekommenen 17 Männer und fünf Frauen torpedieren die Wahl durch den Ruf „Alle“, statt dass sie brav warten, bis die Fingerzeige abgezählt sind. Miller lenkt die aufkommenden Proteste gegen die amtierenden Verhältnisse auf seine populären Themenfavoriten: „Ehrlichkeit und Transparenz.“
Damit ist ein weites Feld eröffnet. Schon bei der Aufnahme der Punkte Landwirtschaft, Ehrlichkeit und Kommunikation, Transparenz und Bürgerbeteiligung, Dorfentwicklung, Infrastruktur, Selbstständigkeit, Leben im Alter, Energieversorgung sieht Miller einen Trend bestätigt: „Offenbar fühlen sich einige Hohenfelser nicht gut informiert.“ Manchmal nimmt die Runde Formen an, die Ausbrüchen von Wutbürgern zum Projekt Stuttgart 21 ähneln. Etwa, wenn ein Teilnehmer vom „Kadavergehorsam“ im Gemeinderat spricht oder „der Bürger sein Maul halten soll“, weil man im Rathaus Angst habe, der Pöbel könnte Einfluss nehmen.
Gemeinderat Martin Anders, als Zuhörer gekommen, erträgt diese Verallgemeinerungen nur eine Weile. Er verteidigt das Gremium, in dem er sitzt: „Wir Gemeinderäte sind ansprechbar.“ Doch seine Erfahrung lautet: „Es gibt wenige, die diese Chancen nutzen.“ Auch Martin Anders sieht Verbesserungsmöglichkeiten in der Kommunikation. Wenn die Gemeinderäte mindestens eine Woche vor der Sitzung die Unterlagen bekämen, könnten sie sich besser vorbereiten. Miller verspricht, das als Bürgermeister zu leisten: „Ich sehe es als meine Aufgabe, dass der Gemeinderat rechtzeitig die Informationen vorliegen hat, damit er eine vernünftige Entscheidung treffen kann.“
Grundsätzlich aber müssten die Gemeinderäte unter einem Bürgermeister Miller ohnehin früh wissen, was von ihnen verlangt wird. Denn Miller will die Bürger in Entscheidungsphasen einbinden und mit ihnen in Versammlungen Richtlinien erstellen, „die der Gemeinderat dann umsetzen soll“. Selbst Miller ahnt, dass seine angedachten Methoden zumindest formaljuristisch angreifbar sein könnten: „Das riecht danach, dass die Gemeinde Hohenfels mal vor dem Verwaltungsgericht steht.“
Der Eindruck, das Projekt Bürgerbeteiligung könnte unter Miller spannend werden, verdichtet sich im Bären. Dem Eindruck, das Bürgermeisteramt in Hohenfels sei nur ein weiteres Projekt für den Projektmanager Miller, widerspricht seine Frau: „Das kommt nicht von ungefähr, dass wir in Deutwang etwas gekauft haben – wir wollen hier leben“, sagt Claudia Dietz-Miller. Kandidat Ulrich Miller verspricht: „Werde ich gewählt, bin ich ab dem 1. April ganz hier.“ Mit Flipchart und ganz sicher auch mit Beamer.