Mein

Hohenfels Lage der ägyptischen Christen bewegt Hohenfelser

Der in Kairo lebende Prälat Joachim Schrödel erzählt aus erster Hand von der politischen Situation in Ägypten.

Kaum ein Tag vergeht, ohne dass nicht in den Nachrichten über Kairo, den Tahrir-Platz und die prekären Lage in Ägypten berichtet wird. Mit Joachim Schrödel, der die deutschsprachigen Katholiken als Seelsorger betreut, hätte kein besserer Zeitzeuge für das Thema „Arabischer Frühling – Winter für die Christen“ gewonnen werden können. Pfarrer Claus Michelbach, der seit vielen Jahren rege Beziehungen nach Ägypten pflegt, hat bereits vor langer Zeit Monsignore Schroedel zu einem Besuch nach Hohenfels eingeladen. In der Moderation mit Michael Ragg erfuhren die interessierten Zuhörer von Schrödel über die Situation der Christen in Ägypten.

Seit der Eroberung Ägyptens im siebten Jahrhundert durch die Muslime seien die Christen, die immerhin zehn Prozent der Bevölkerung bilden, Menschen zweiter Klasse. Die weitaus größte Gemeinschaft, die koptisch-orthodoxe Kirche, werde nicht umsonst „ Kirche der Märtyrer“ genannt. Unter Mursi habe sich ihre Lage noch weiter verschlechtert. Mit einer fortschreitenden Demokratisierung könne sich jedoch das Gefühl der Solidarität zwischen jungen Muslimen und Christen wieder einstellen, das bei den Demonstra tionen gegen den früheren Präsidenten Mubarak auf dem Tahrir-Platz geherrscht habe.

Auch die Aussage von Außenminister Westerwelle, Mursis Sturz sei ein Rückschlag gegen die Demokratie, konnte der Prälat so nicht stehen lassen.

Der Wahlsieg mit einer Beteiligung von knapp 50 Prozent bei einer Bevölkerung von 12,5 Millionen sei von Beginn an schwach gewesen, zumal die Hälfte des Volkes weder lesen noch schreiben könne und somit leicht manipulierbar sei.

Für Schrödel war es kein Militärputsch, sondern ein Aufstand des Volkes, da dieses unzufrieden und zornig auf Mursi sei. Mursi und die Muslimbrüder hätten schon lange die Unterstützung der großen Mehrheit der Ägypter verloren, so Schrödel. Es sei ihnen nicht gelungen, den Menschen Sicherheit zu geben und die Versorgung mit elementaren Gütern zu organisieren. Für viele, auch für fromme Muslime, habe sich nun gezeigt, dass der Islam eben nicht „die Lösung“ für alle Probleme sei, erläuterte der Prälat. Somit sei auch die Machtübernahme durch das Militär zugleich eine neue Hoffnung für Muslime und Christen. Schroedel appellierte eindringlich an die Christen in Deutschland, das Glaubensleben ernster zu nehmen und den Muslimen zu signalisieren, dass auch der Westen nicht gottlos sei. Gerade Deutschland als Land der Kultur und Bildung habe in Ägypten einen guten Ruf. Was hier geschieht, werde jenseits des Mittelmeeres aufmerksam beobachtet, versichert Schrödel. Die anschließende Möglichkeit, Fragen zu stellen wurde von den Zuhörern reichlich genutzt und zeigte sich als Ausdruck der Verbundenheit mit den bedrängten Christen in Ägypten.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Hervorragende Weine vom Bodensee
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Hohenfels
Hohenfels
Hohenfels
Hohenfels
Hohenfels-Kalkofen
Hohenfels
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren